Bei Coca-Cola hat man Angst vor dem Valser Hotelturm

Der Getränkekonzern hat als Besitzer der Mineralquellen grosse Bedenken gegenüber Remo Stoffels Turmprojekt. Der ­Kanton Graubünden teilt diese jedoch nicht.

Dorfbewohner betrachten ein Modell des Hotelturm-Projekts «Femme de Vals» (4. Oktober 2015). Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Dorfbewohner betrachten ein Modell des Hotelturm-Projekts «Femme de Vals» (4. Oktober 2015). Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

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Das Projekt für das 381 Meter hohe Hotel Femme de Vals des Churer Investors Remo Stoffel hat eine erste Hürde genommen. Wie der Valser Gemeindepräsident Stefan Schmid bestätigt, sieht der Kanton Graubünden grundsätzlich keinen Grund, weshalb das Projekt am vorgesehenen Standort nicht realisiert werden könnte. Zu diesem Schluss kommt er nach einer Vorprüfung der erforderlichen Zonenplanrevision. Dies bestätigt auch Richard Atzmüller, Leiter des kantonalen Amts für Raumentwicklung. Allerdings muss die Gemeinde zusammen mit dem Bauherrn noch einige Fragen klären. Um welche es sich handelt, sagte Schmid nicht.

Eine offene Frage war bisher, ob der geplante Bau die Schutzzone der St. Petersquelle beeinträchtigt – von jener Quelle, aus der das bekannte Valser Mineralwasser sprudelt. Die Quelle ist im Besitz von Coca-Cola Schweiz. Wie deren Geschäftsleitungsmitglied Patrick Bosshard sagt, hat Coca-Cola in den letzten Wochen und Monaten im Hinblick auf das Projekt Abklärungen durch Hydrogeologen veranlasst. Ihr Befund: Das Risiko ist erheblich, dass das Wasser durch den Turm qualitativ beeinträchtigt werden könnte oder dass es plötzlich nur noch spärlich sprudelt. Die Valser Mineralquellen haben mit der Gemeinde einen Konzessionsvertrag über die nächsten 50 Jahre für die Quellnutzung abgeschlossen. Würde der Turm an diesem Ort gebaut, sagt Bossart, könnte die Gemeinde nicht garantieren, dass sie den Vertrag einhalten kann.

Gemeindepräsident Schmid geht davon aus, dass die offenen Fragen des Kantons in den nächsten Monaten geklärt werden können, sodass die Gemeinde voraussichtlich im März 2017 die öffentliche Mitwirkungsauflage zur Zonenplanrevision durchführen kann. An dieser können sich alle Personen, Unternehmen und Organisationen beteiligen, die vom Projekt in irgendeiner Weise tangiert werden.

Stoffels Bonität geprüft

Die Gemeinde wird auch ihre Bonitätsprüfung des Investors den Unterlagen für die Mitwirkungsauflage beilegen. Laut Schmid hat die Gemeinde dafür auch einen externen Sachverständigen beigezogen. Die Prüfung liege bereits vor, ist aber noch nicht öffentlich. Es mache keinen Sinn, diese zu veröffentlichen, bevor nicht alle Fragen zum Projekt geklärt seien, sagt Schmid. Kaum hatte die Gemeinde Anfang Jahr die ­Bonitätsprüfung angekündigt, erzählte Stoffel selber verschiedenen Medien, wie viel Geld er besitzt. Nach seiner Darstellung sind es 1,7 Milliarden Franken – auf 1 Milliarde schätzte er den Wert seines Immobilienunternehmens Priora, weitere 750 Millionen hat er in Aktien angelegt, etwa von den Aktiengesellschaften Galenica und Myriad Group. Gleichzeitig stellte Stoffel in Abrede, dass er Steuerschulden von über 150 Millionen Franken habe.

Das Hotelprojekt wird allerdings noch einige Hürden nehmen müssen: Falls die öffentliche Mitwirkungsauflage wie geplant im März durchgeführt wird, kann die Gemeinde laut Stefan Schmid noch 2017 über die Zonenplanrevision abstimmen. Danach müsste die Bündner Kantonsregierung die geänderte Ortsplanung genehmigen. Ihr Entscheid kann vor Gericht angefochten werden – bis vor Bundesgericht. Remo Stoffel will im bündnerischen Vals den höchsten Turm Europas bauen und darin ein Luxushotel einrichten. Als Architekten konnte er Pritzker-Preisträger Thom Mayne verpflichten. Die Baukosten von etwa 300 Millionen Franken will Stoffel allein tragen.

Erstellt: 29.10.2016, 00:20 Uhr

Aussergerichtlicher Vergleich

Rainer J. Schweizer entschuldigt sich; Remo Stoffel und Pius Truffer ziehen Klagen zurück.

Remo Stoffel, Churer Investor und Besitzer der Therme Vals, und sein Partner Pius Truffer werden ihre Strafklage wegen falscher Anschuldigung und Ehrverletzung gegen den Staatsrechtler Rainer J. Schweizer zurück­ziehen. Die Parteien haben sich auf einen Vergleich geeinigt. Schweizer hatte am 4. April 2015 in einem Interview mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet gesagt, die Gemeinde Vals habe beim Verkauf der Therme an Stoffel grobe Fehler begangen. Dieser kündigte daraufhin an, er werde Klage erheben. Nun aber, eineinhalb Jahre später, konnten sich die Parteien aussergerichtlich einigen.

Im Vergleich hält Schweizer fest, dass die wiedergegebenen Aussagen einzig und allein das Handeln beziehungsweise die Unterlassungen von Amtsträgern der Gemeinde Vals und allenfalls des Kantons Graubünden betreffen – nicht aber das Vorgehen von Stoffel oder Truffer. Wenn der Eindruck entstanden sei, mit der Kritik an Fehlern der Amtsträger würde Privatpersonen ein unrechtmässiges oder strafbares Verhalten vorgeworfen, so sei diese Sicht unzutreffend. Er bedauere dies und entschuldige sich dafür.

Im Sommer hatte Remo Stoffel auch Beschwerde bei der Unabhängigen Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI) gegen eine Sendung der «Rundschau» eingereicht, nachdem der Ombudsmann der SRG deren Hauptvorwürfe nicht bestätigt sah. In der Sendung ging es um ein Gutachten, das nahelegte, dass die Therme über stille Reserven verfügte, die im Kaufpreis nicht berücksichtigt wurden. Die UBI wird die Beschwerde voraussichtlich am 9. Dezember beraten.
Janine Hosp

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