«Bei der 300-Franken-Franchise ist ein Sprung nach oben nötig»

Die tiefsten Krankenkassen-Franchisen sollen steigen, so will es das Parlament. FDP-Gesundheitspolitikerin Regine Sauter sagt, warum sie das nicht für unsolidarisch hält.

«Wir wollen vermeiden, dass sich Menschen wegen Bagatellen in Behandlung begeben»: FDP-Nationalrätin Regine Sauter (ZH) über die Aufhebung der Standardfranchise.

«Wir wollen vermeiden, dass sich Menschen wegen Bagatellen in Behandlung begeben»: FDP-Nationalrätin Regine Sauter (ZH) über die Aufhebung der Standardfranchise. Bild: Peter Klaunzer/Keystone

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Sie sagen, die Mindestfranchise von 300 Franken sei zu niedrig. Wie hoch sollte sie Ihrer Meinung nach denn sein?
Wir haben den Bundesrat beauftragt, gesetzliche Bestimmungen zu erarbeiten, die eine Anpassung der Franchise an die Entwicklung der Gesundheitskosten ermöglicht. Wie das im Detail aussehen soll, wird Gegenstand der politischen Diskussion sein.

Reden wir eher von einer Mindestfranchise von 350 Franken oder von 3000 Franken, wie es einige Krankenkassenexperten fordern?
Wir reden nicht von 3000 Franken! Ebenso wenig scheint es mir sinnvoll, die Franchisen jedes Jahr um 5 Franken zu erhöhen. Es muss ein sinnvoller Sprung sein, der dazu beiträgt, dass sich die Versicherten bewusster verhalten, ohne dass die Arztkosten untragbar werden.

Vor allem Menschen mit wenig Geld haben heute schon Mühe, ihre Gesundheitskosten zu bezahlen. Ist es nicht unsolidarisch, sie zusätzlich zu belasten?
Das sehe ich nicht so. Jene, die Sozialhilfe oder Ergänzungsleistungen beziehen, werden gezielt von Kanton oder Gemeinden unterstützt. Auf ihr Haushaltsbudget hat eine Erhöhung der Franchise dann keinen Einfluss.

Und jene, die kein Anrecht auf Prämienverbilligungen haben? Wenn sie mehr Arztkosten bezahlen müssen, betrifft sie das im Verhältnis viel stärker als Vermögende.
Die Hauptbelastung für diese Haushalte sind die Krankenkassenprämien – und diese hängen direkt von der Höhe der Gesundheitskosten ab. Wir können den Anstieg der Krankenkassenprämien nur dämpfen, wenn wir die Gesundheitskosten reduzieren. Wenn die Leute nur noch zum Arzt gehen, wenn es wirklich nötig ist, und man den Anreiz reduziert, gegen Ende Jahr noch ein paar medizinische Leistungen zu beziehen, um die Franchise aufzubrauchen, dann bremsen wir den Anstieg der Gesundheitskosten. Davon profitieren gerade auch Haushalte mit tiefen Einkommen.

Es mag jene geben, die ohne Not zum Arzt gehen. Es wird aber auch jene geben, die aus Angst vor den Kosten einen nötigen Arztbesuch aufschieben und ernsthaft krank werden. Finden Sie das unproblematisch?
Ich bin nicht sicher, ob das stimmt. Wie gesagt: Jene, die wirklich in beengten finanziellen Verhältnissen leben, müssen die Arztkosten ohnehin nicht selber tragen und werden deshalb auch nicht von nötigen Arztbesuchen abgehalten. Bei allen anderen ist eine höhere Eigenbeteiligung vertretbar, wenn dafür der Prämienanstieg gebremst werden kann.

Viele können es sich nicht aussuchen, ob sie zum Arzt gehen oder nicht. Nach zwei oder drei Tagen krankheitsbedingter Absenz fordert der Arbeitgeber ein Zeugnis. Verpufft dadurch der Effekt auf das Kostenbewusstsein?
Das trägt in der Tat nicht unbedingt zu einer Reduktion der Gesundheitskosten bei. Aber um diese Fälle geht es uns ohnehin nicht. Wenn man drei Tage im Bett liegt, ist ein Arztbesuch sinnvoll und nötig. Wir wollen jedoch vermeiden, dass sich Menschen wegen Bagatellen in Behandlung begeben.

Erstellt: 09.12.2016, 19:06 Uhr

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