Beim Wasser verstehen die Bürger keinen Spass

Ob Wasser Pestizidrückstände enthält, ist eine relevante Information. Sie zurückzuhalten, schadet dem Vertrauen.

Die Bevölkerung hat ein Recht, zu wissen, wie es um ihr Trinkwasser steht. Wasserreservoir in Opfikon ZH. Foto: Leo Wyden

Die Bevölkerung hat ein Recht, zu wissen, wie es um ihr Trinkwasser steht. Wasserreservoir in Opfikon ZH. Foto: Leo Wyden

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Die Messwerte sind beängstigend. In jeder zweiten Wasserfassung fanden die Kontrolleure im Kanton Zürich Rückstände des krebserregenden Pestizids Chlorothalonil. In einer von drei Quellen liegt die Konzentration des Gifts über dem Grenzwert.

Welche Quellen betroffen sind, gibt der Zürcher Kantonschemiker nicht bekannt. Begründung: Entscheidend für die Gesundheit ist das, was aus dem Wasserhahn kommt, nicht der Messwert einzelner Quellen. Indem die Versorger Wasser aus mehreren Fassungen mischen, können sie den Grenzwert einhalten.

Nur: Wirklich beruhigend ist das nicht. Die Pestizidrückstände sind auch dann noch im Wasser, wenn die Grenzwerte eingehalten werden, halt einfach in geringerer Dosis. Ob das auf Dauer gesund ist, weiss niemand so genau.

Die Bevölkerung hat ein Recht auf eine möglichst umfassende Information.

Hinzu kommt, dass dem Bürger und Konsumenten damit die Möglichkeit genommen wird, das Handeln der Wasserversorgung zu prüfen und nachvollziehen zu können. Zwar gibt es im Moment keinen Grund, an der Aussage zu zweifeln, unser Wasser sei von ausgezeichneter Qualität. Und doch: Geheimniskrämerei fördert das Vertrauen der Bevölkerung in aller Regel nicht.

Pestizide im Trinkwasser sind ja auch kein Thema, über das man einfach so hinwegsehen könnte. Wo und wie oft Wasser Rückstände aufweist, ist eine hoch relevante Information. Pestizide bleiben jahrelang im Boden. Fällt eine Quelle deswegen aus, kann das auf Jahre so bleiben – selbst dann, wenn das Mittel, das die Verschmutzung verursacht hat, längst verboten ist.

Auch deshalb hat die Bevölkerung ein Recht auf eine möglichst umfassende Information. Es geht um die Frage, welche Gifte die Chemiemultis künftig noch verkaufen dürfen – und darum, dass sich die Stimmbürger im Hinblick auf die Trinkwasserinitiative, die nächstes Jahr an die Urne kommt, eine Meinung bilden können. Der Absturz des sehr wirtschaftsfreundlichen Zürcher Wassergesetzes im Februar zeigt: Beim Wasser verstehen die Bürger keinen Spass.

Erstellt: 27.08.2019, 20:28 Uhr

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