Zum Hauptinhalt springen

Bergführer blitzen beim Bund ab

Die Bergführer haben beim Bund um eine Ausnahme vom Arbeitsverbot gebeten. Vergeblich. Nun warnt ihr Verband vor einem «massiven Imageschaden».

«Das faktische Berufsverbot stellt viele Bergführer vor existenzielle Probleme», sagt Marco Mehli, der den Schweizer Bergführerverband (SBV) präsidiert.
«Das faktische Berufsverbot stellt viele Bergführer vor existenzielle Probleme», sagt Marco Mehli, der den Schweizer Bergführerverband (SBV) präsidiert.

Die Corona-Krise lähmt auch die Outdoorbranche. Die Bergführer dürfen ihrer Arbeit bis mindestens 19. April nicht mehr nachgehen. Der Bundesrat verbietet in der zweiten Covid-19-Verordnung «persönliche Dienstleistungen mit Körperkontakt» - und damit das Führen von Gästen in Schnee, Eis und Fels. «Das faktische Berufsverbot stellt viele Bergführer vor existenzielle Probleme», sagt Marco Mehli, der den Schweizer Bergführerverband (SBV) präsidiert. In den Monaten März, April und teilweise Mai sei Hochsaison, zumal die Verhältnisse für Ski(hoch)touren derzeit ideal seien.

Die meisten Bergführer sind Selbstständigerwerbende, sie können also keine Kurzarbeit beantragen. Dasselbe gilt für die meisten Kletterlehrer und Wanderleiter, die vom Verbot ebenfalls betroffen sind. Der Bergführerverband setzt sich nun dafür ein, dass die wirtschaftlichen Rechte dieser Berufe mit eidgenössischem Fachausweis anerkannt werden. «So können auch wir von der finanziellen Unterstützung profitieren, die der Bund zugesagt hat.» Mehli spielt auf entsprechende Äusserungen des Bundesrats an. Die Landesregierung hat heute Freitag bekanntgegeben, auch Selbstständige finanziell unterstützen zu wollen.

Vorschriften können eingehalten werden

Der Bergführerverband hat sich beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) vergeblich um eine Ausnahme vom Verbot bemüht. Mehli will sich dazu nicht weiter äussern. Die Lage sei ausserordentlich, der Bundesrat habe entschieden. «Was wir davon halten, ist nicht relevant.»

Reaktionen im Kreis der Bergführer gibt es gleichwohl. Und das sind nicht nur verständnisvolle, wie Gespräche mit Betroffenen zeigen. Direkt zitieren lassen will sich niemand. Hinter vorgehaltener Hand findet jedoch manch einer, die Massnahme sei übertrieben, man könne ja mit einem oder zwei Gästen die Hygiene- und Abstandsvorschriften gut einhalten, zumal auf Touren ohne Übernachtung.

Unfall als Problem

Werden sich alle Bergführeran die bundesrätliche Order halten? Der Bergführerverband appelliert mit Nachdruck an seine 1800 Mitglieder, die Anweisung zu befolgen.Es bestehe das «Risiko, dass unser ganzer Berufsstand einen massiven Imageschaden erleidet», heisst es in einem Schreiben, das von gestern Donnerstag datiert und dieser Zeitung vorliegt. Der Verband erlässt die Warnung auch, weil bei einer Verletzung des Verbots eine Busse oder sogar eine Freiheitsstrafe drohe. Auch bestehe bei einem Unfall keine Deckung für eine allfällige Schadenersatzpflicht.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch