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Bern soll pakistanischen Rebellenführer ausliefern

Die pakistanische Regierung hat die Schweiz aufgefordert, den Rebellenführer Bramdagh Bugti auszuliefern. Islamabad macht ihn für zahlreiche Terror-Anschläge in der Provinz Belutschistan verantwortlich.

Die Schweizer Regierung habe «Beweise» für angebliche subversive Aktivitäten Bugtis erhalten, berichtete die Zeitung «Dawn» am Sonntag unter Berufung auf die pakistanischen Behörden. Islamabad fordert die Auslieferung. Eine Antwort aus Bern stehe noch aus.

Das Bundesamt für Migration (BFM) wollte einen Asylantrag Bugtis am Montag weder bestätigen noch dementieren. «Aus Gründen des Datenschutzes» könne das BFM «keine Angaben über eventuell hängige Asylverfahren machen», hiess es in einer Stellungnahme. Auch das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten und das Bundesamt für Justiz äusserten sich am Montag nicht zu dem Fall.

Unabhängigkeitskämpfer oder Terrorist?

Bugti, Chef der separatistischen Republikanischen Partei Belutschistans und Mitglied eines einflussreichen Stammes, wird beschuldigt, für Attentate auf Regierungseinrichtungen, Sicherheitskräfte und Gas-Pipelines in der südwestpakistanischen Provinz verantwortlich zu sein.

2006 floh Bugti nach Afghanistan. Dort lebte er unter dem Schutz von Präsident Hamid Karzai, was zu erheblichen Spannungen zwischen Islamabad und Kabul führte. Von Wikileaks veröffentlichte US- Botschaftsdepeschen zeigen, wie der Fall Bugti die USA und mehrere westliche Staaten beschäftige.

Diese sorgten sich wegen des Streits zwischen den beiden Nachbarländern um ein Auseinanderbrechen der Front gegen den islamistischen Terror. Die US-Behörden drängten auf eine Ausreise Bugtis, um damit die Wogen zwischen Pakistan und Afghanistan zu glätten.

UNHCR dementiert Hilfe bei Einreise in Schweiz

Gemäss Wikileaks-Dokumenten regte ein Verantwortlicher des UNO- Flüchtlingshilfswerks UNHCR ein Asyl in Irland an. Dies scheiterte aber zunächst am Widerstand der Pakistaner, die den Rebellenführer unbedingt vor Gericht sehen wollten.

Pakistanische Medien spekulierten danach, das UNHCR habe sich mit der Aktion für die Freilassung eines entführten Mitarbeiters erkenntlich zeigen wollen. Der Leiter des lokalen UNHCR-Büros, John Solecki, war am 15. Februar 2009 in Quetta, der Hauptstadt Belutschistans entführt worden, und kam vermutlich auf Intervention Bugtis am 4. April 2009 wieder frei.

Bugti gelang schliesslich zusammen mit seiner Frau und vier Kindern die Flucht über die Vereinigten Arabischen Emirate nach Genf. Anfang Februar liess ein Sprecher seiner Partei verlauten, Bugti habe in der Schweiz um Asyl ersucht.

Das UNHCR dementierte am Montag, bei der Einreise behilflich gewesen zu sein. «Wir hatten keinen Kontakt zu den Schweizer Behörden und waren nicht involviert», sagte Susin Park, Leiterin des UNHCR-Büros für die Schweiz, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Kampf gegen die Zentralregierung

In der an Iran und Afghanistan grenzenden Provinz Belutschistan hat die Gewalt in den vergangenen Jahren stark zugenommen. In der an Erdöl und Erdgas reichen Region kämpfen seit langem separatistische Gruppen gegen die Zentralregierung in Islamabad.

Zudem gilt Belutschistan als Rückzugsgebiet der Taliban. Anfang Juli diesen Jahres wurde dort ein Schweizer Paar von den Taliban entführt. Von den beiden Touristen fehlt seitdem jede Spur.

SDA/rub

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