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Berset bemüht sich sichtlich um Beruhigung

Hände waschen, Nase putzen: Bern vertraut auf sanfte Mittel – vorerst.

Christoph Lenz und Markus Brotschi
Bundesrat Alain Berset spricht während einer Medienkonferenz über die Situation des Coronavirus. Foto: Keystone
Bundesrat Alain Berset spricht während einer Medienkonferenz über die Situation des Coronavirus. Foto: Keystone

In Norditalien sind ganze Städte abgeriegelt. Am Brennerpass zwischen Tirol und Bozen stoppte die Österreichische Grenzwache am Sonntagabend einen voll besetzten Zug aus Italien für mehrere Stunden. In Lyon setzte die französische Polizei am Montag einen Reisebus aus Mailand fest wegen eines Passagiers mit Grippesymptomen. Und in Bern – da rät Gesundheitsminister Alain Berset zu regelmässigem Händewaschen und beim Niesen zur Verwendung eines Taschentuchs (aus Papier).

Die Schweizer Behörden reagieren zurückhaltender als jene der Nachbarstaaten auf den jüngsten Ausbruch des Coronavirus in Italien. Zwar richtete das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Montagnachmittag eine spontane Medienkonferenz aus, die erstmals auch vom zuständigen Bundesrat Alain Berset besucht wurde. Doch bemühen sich die Bundesbehörden sichtlich, die Beunruhigung nicht noch zusätzlich anzufachen. In den letzten Tagen habe sich die Situation rund um das Coronavirus zwar stark entwickelt, sagte Berset mit Verweis auf die Todesfälle in Italien. Man beobachte die Lage sehr eng. Zugleich betonte er: «Die Schweiz ist gut vorbereitet für diese Situation.»

«Wir haben keine Epidemie in der Schweiz.»

Pascal Strupler, Direktor BAG

Pascal Strupler, Direktor des Bundesamts für Gesundheit (BAG), erinnerte daran, dass es trotz einigen Hundert Verdachtsfällen bislang keine bestätigte Coronavirus-Infektion in der Schweiz gab: «Wir haben keine Epidemie in der Schweiz.» Auch wenn demnächst der erste Fall in der Schweiz auftreten sollte, werde sich an der Einschätzung nichts ändern. Infizierte würden, wenn nötig, in einer Quarantänestation behandelt und allfällige Kontaktpersonen ebenfalls in Quarantäne versetzt. Für Erkrankte verfügten die Schweizer Spitäler über genügend Betten in Quarantänestationen.

Die Gesundheitsbehörden vertrauen vorerst auf eine Reihe von sanften Massnahmen. Zum einen auf der Ebene Information: So verstärkt der Bund die bereits bestehende Coronavirus-Hotline in allen Landessprachen (+41 58 463 00 00). Zudem will er vermehrt über das Coronavirus und die wichtigsten Hygienemassnahmen informieren. Mittels Plakaten an den Landesgrenzen und in den Flughäfen, aber auch mit einer Kampagne, die auf die ganze Bevölkerung zielt. Das Personal des öffentlichen Verkehrs und der Grenzwacht soll in den nächsten Tagen instruiert werden, um Verdachtsfälle zu erkennen und die notwendigen Massnahmen zu treffen.

Neben der Information verstärken die Behörden ihren Mitteleinsatz im Gesundheits­bereich. Ab Dienstag können in Tessiner Spitälern eigenständig Tests auf das Virus durchgeführt werden. Die Kapazitäten werden mithilfe des Genfer Referenz­labors eingerichtet. Zudem erhalten Tessiner Arztpraxen Schutzmasken aus den Beständen der Schweizer Armee.

Braucht engen Kontakt mit Infiziertem

Die Behörden setzten alles daran, um versteckte Ausbrüche zu verhindern, sagte Daniel Koch, Leiter Abteilung Übertragbare Krankheiten im BAG. Neu werden in der Schweiz Tests auf das Coronavirus bei Patienten mit grippeähnlichen Symptomen intensiviert. Dabei handle es sich um Personen mit Atemwegserkrankungen, insbesondere solche mit Lungenentzündungen. Koch verwies darauf, dass es nach bisherigem Kenntnisstand einen engen Kontakt mit Infizierten brauche, um sich mit dem Virus anzustecken. Dies sei bei weniger als zwei Meter Abstand und einem Kontakt von mehr als 15 Minuten der Fall.

Falls es Infektionen ohne nachvollziehbare Übertragungswege kommen sollte, werde auch hierzulande die Devise Social Distancing lauten, sagte Strupler. Dazu gehöre die Absage von Veranstaltungen, Homeoffice und allenfalls auch die Sistierung von Rekrutenschulen.

Der Bund übernimmt Zepter

Bislang halten sich die Behörden an den Pandemieplan des Bundes. In der aktuellen Phase, man spricht von einer «Normallage», sind für die Anordnung und Umsetzung der Massnahmen die Kantone verantwortlich. Der Bund wirkt primär im Hintergrund bei der Koordination und strategischen Führung.

Sollten sich aber Coronvirus-Fälle in der Schweiz häufen, dürfte der Bund rasch eine aktivere Rolle übernehmen. Wenn die kantonalen Vollzugsorgane an ihre Grenzen stossen und etwa eine erhöhte Ausbreitungsgefahr vorliegt, übernimmt gemäss Epidemiengesetz der Bund das Zepter. Er kann dann weitreichende Massnahmen verordnen – notfalls auch gegen den Willen der jeweiligen Kantonsregierung. Für den Vollzug sind aber weiterhin die kantonalen Organe verantwortlich.

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