Wie würde Jesus abstimmen?

Bischof Vitus Huonder befeuert mit seinen Aussagen zum Service public und der Bibel die älteste Frage neu: «What would Jesus do?» Zum Beispiel am 25. September?

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Zum Glück haben wir brave Katholiken Bischof Vitus Huonder. Er hilft in grösster Not und Gefahr, zum Beispiel wenn eines seiner Schäfchen abtrünnig wird und sich vom Himmelreich abwenden will. SVP-Nationalrätin Natalie Rickli ist so ein Schäfchen. Sie ist erzürnt, weil das katholische Medienzentrum Kath.ch ihr vorwarf, in ihrem Engagement gegen die SRG nicht sehr katholisch zu sein (was ein Theologe schrieb, der im Publikumsrat der SRG sitzt. «Wer ohne Sünde…» und so weiter). Auftritt Bischof Huonder, der Rickli im «Blick» in Schutz nimmt: «Jesus Christus hat nie etwas zur SRG oder zum Service public gesagt.»

Gut haben wir das geklärt. Doch der Satz von Huonder, unverrückbar wie der erste Fels, hat uns schon etwas ins Grübeln gebracht. Kann Jesus auch uns bei politisch umstrittenen tagesaktuellen Fragen helfen? Was sagt die Bibel zu den drei Vorlagen, über die wir am 25. September abstimmen? (Wir sind übrigens nicht die Ersten, die sich diese Frage stellen. Ein paar sehr vergnügliche Antworten gibt es hier bei der «Tageswoche» zu lesen.)

In diesem Sinne: «Höret zu, ihr tolles Volk, das keinen Verstand hat, die da Augen haben und sehen nicht, Ohren haben und hören nicht!» Jeremia 5,21

Nachrichtendienstgesetz

Für fleissige Leser der Bibel ist die totale Überwachung nichts Neues:

«Ob ich sitze oder stehe, du weisst von mir. Von fern erkennst du meine Gedanken. Ob ich gehe oder ruhe, es ist dir bekannt; du bist vertraut mit all meinen Wegen. Noch liegt mir das Wort nicht auf der Zunge – du, Herr, kennst es bereits.»Psalm 139,2

Die Überwachung ist dabei nur zu deinem Besten, glaube mir!

«Durchforsche mich, Gott, sieh mir ins Herz, prüfe meine Wünsche und Gedanken! Und wenn ich in Gefahr bin, mich von dir zu entfernen, dann bring mich zurück auf den Weg zu dir!»Psalm 139,23

Und selbst für das Leitwort aller Überwachungsfreunde – «Wer nichts zu verbergen hat, der hat auch nichts zu befürchten» – gibt es eine Entsprechung in der Bibel:

«Wir wissen aber, dass das Gesetz gut ist, wenn jemand es gesetzmässig gebraucht, indem er dies weiss, dass für einen Gerechten das Gesetz nicht bestimmt ist, sondern für Gesetzlose und Zügellose, für Gottlose und Sünder.»Timotheus 1,8-9

Argumente gegen das Nachrichtendienstgesetz sind in der Bibel etwas seltener anzutreffen. Dafür sind sie umso schöner formuliert:

«Mehr als auf alles andere achte auf deine Gedanken, denn sie entscheiden über dein Leben.»Sprüche 4,23

AHV plus

Mehr Rente für mehr alte Menschen? Oder schaffen die das schon selber?

«Noch im Greisenalter gedeihen sie, sind sie saftvoll und grün.»Psalm 92,13-16

Wer selbst im Alter noch saftvoll und grün ist, der braucht nicht mehr Geld vom Staat. Schon gar nicht, wenn der Herr selber zum Rechten schaut:

«Auch bis in euer Greisenalter bin ich derselbe, und bis zu eurem grauen Haar werde ich selbst euch tragen.»Jesaja 46, 4

Zehn Prozent mehr Rente? Die Bibel meint: eher nicht. Halt, halt, würden die Gewerkschaften jetzt einwenden (wenn sie denn noch glauben würden) und sagen:

«Vor ergrautem Haar sollst du aufstehen, und einen Alten sollst du ehren.» Leviticus 19,32

Oder einen Ausflug in eine ägyptische Lehrschrift aus hellenistischer Zeit wagen (was Gott angeht, ist man links flexibel) und einwenden:

«Altsein ohne Lebensunterhalt, das ist unwillkommene Lebenszeit.» Papyrus Insinger: Brunner, 309

Und vielleicht noch den etwas morbiden Hinweis anbringen, dass die Erhöhung der Renten gar nicht so teuer wird:

«Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenns hoch kommt, so sinds achtzig Jahre, und wenns köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen; denn es fährt schnell dahin, als flögen wir davon.» Psalm 90,10

Grüne Wirtschaft

Auf den ersten Blick: ein klarer Fall. Verzichten soll, verzichten muss man!

«Es ist besser ein Gericht Kraut mit Liebe denn ein gemästeter Ochse mit Hass.»Sprüche 15,17

Doch auf einen zweiten Blick wird klar: Vielleicht haben die Reformierten doch etwas falsch verstanden. Denn offensichtlich war Jesus den menschlichen Genüssen nicht abgeneigt.

«Der Menschensohn ist gekommen, isst und trinkt; so sagen sie: Siehe, was ist dieser Mensch für ein Fresser und Weinsäufer.»Matthäus 11,19

Ein Mensch wie wir:

«Nachdem er (Jesus) vierzig Tage und Nächte nichts gegessen hatte, war er sehr hungrig.»Matthäus 4,2

Der nicht viel vom Fasten hält:

«Und Jesus sprach zu ihnen: Wie können die Hochzeitsgäste fasten, während der Bräutigam bei ihnen ist?»Markus 2,19

Auch was die Bibel von zu vielen Gesetzen hält («Überregulierung!», schreit jetzt irgendwo ein Liberaler von einer Kanzel herab), ist hinlänglich bekannt. Zehn sind es, zehn sollen es bleiben. So differenziert uns die Bibel über das Nachrichtengesetz (Tendenz Ja) und AHV plus (Tendenz Nein) Auskunft gibt, so eindeutig ist sie bei der grünen Wirtschaft: Sorry, Bastien Girod: Jesus würde wohl Nein sagen.

Erstellt: 06.09.2016, 13:09 Uhr

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