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Besser hinschauen

Je offener und niederschwelliger der Umgang mit häuslicher Gewalt wird, desto besser.

14'000-mal rückte die Polizei letztes Jahr wegen häuslicher Gewalt aus. So paradox es klingt: Es ist gut, dass die Zahl so gross ist. Sie ist ein Indikator dafür, dass das Problem erkannt wurde. Bis 2004 mussten die ­Behörden nur auf Antrag aktiv werden, seither ist häusliche Gewalt ein Offizialdelikt. Die Gesetzes­änderung, die das eidgenössische Parlament gegen den Willen der SVP realisiert hat, leitete einen Paradigmenwechsel ein.

Heute rückt die Polizei bei Hinweisen konsequent aus. Dabei geht es nicht in erster Linie um die Be­strafung der Täter, sondern darum, gewaltfreie ­Verhältnisse herzustellen, den Familien zu helfen. ­Risikofaktoren sind Stress, Beziehungsprobleme, Sucht­mittelmissbrauch. Manchmal liegt die Ursache in der ­Persönlichkeit des Täters. Deshalb ist es nützlich, dass Polizei, Strafverfolgungsbehörden sowie ­Opfereinrichtungen und Psychiatrie kooperieren. Ein Wendepunkt war der Doppelmord in Pfäffikon 2011, bei dem ein Mann seine Frau und eine Sozialarbeiterin erschossen hat. Daraufhin wurde die Prävention im ­Kanton Zürich stark ausgebaut. Der Erfolg lässt sich schwer messen. Es erhöht jedoch die Fallzahlen, dass die Polizei möglichst vielen Hinweisen nachgeht.

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