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Bevölkerung soll helfen, die Randalierer zu finden

Die Polizei hatte während den Krawallen von «Tanz dich frei» vorwiegend Berner festgenommen. Augenzeugen behaupteten zuvor, unter den Randalierern seien viele Zürcher gewesen.

Am Samstag fand in Bern die dritte Ausgabe von «Tanz dich frei» statt.
Am Samstag fand in Bern die dritte Ausgabe von «Tanz dich frei» statt.
Claudia Salzmann
Was eine friedliche Tanzparade hätte sein sollen, endete im Chaos: Polizei und Teilnehmer des Tanzumzuges liefern sich bis in die späte Nacht hinein eine Schlacht. Im Bild ein Teilnehmer.
Was eine friedliche Tanzparade hätte sein sollen, endete im Chaos: Polizei und Teilnehmer des Tanzumzuges liefern sich bis in die späte Nacht hinein eine Schlacht. Im Bild ein Teilnehmer.
Claudia Salzmann
Um 20 Uhr soll der Umzug starten. Aber 13'000 Teilnehmer sind das noch nicht.
Um 20 Uhr soll der Umzug starten. Aber 13'000 Teilnehmer sind das noch nicht.
Claudia Salzmann
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Die Berner Stadtregierung setzt alles daran, die Verantwortlichen für die schweren Krawalle vom Wochenende zur Rechenschaft zu ziehen. Sie rief die Bevölkerung am Montag auf, aufschlussreiches privates Foto- und Videomaterial der Justiz zu übergeben.

Die regionale Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland eröffnete eine Strafuntersuchung. Diese richtet sich vorerst gegen unbekannte Täterschaft, wie Staatsanwalt Christof Scheurer auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte.

Im Vordergrund stehen vier Tatbestände: Sachbeschädigung, Körperverletzung, Gewalt und Drohung gegen Beamte sowie Landfriedensbruch. Bei der Sachbeschädigung liege angesichts der hohen Schadensumme ein Offizialdelikt vor.

Der Protestumzug «Tanz dich frei» mit rund 10'000 Teilnehmern war in der Nacht auf Sonntag von schweren Krawallen überschattet worden. Dafür verantwortlich gemacht wird eine Gruppe von etwa 70 Personen an der Spitze des Umzugs. 50 Menschen wurden verletzt, darunter 20 Polizisten. Der Sachschaden wird auf mehrere hunderttausend Franken geschätzt.

Käser verteidigt Polizei-Arbeit

Der kantonale Polizeidirektor Hans-Jürg Käser äusserte Entsetzen über die Vorkommnisse in der Hauptstadt: «Mit einer solchen Gewaltbereitschaft hat niemand gerechnet.» Zugleich verteidigte er den Einsatz der Polizei, die ihre Aufgabe «reaktiv, mit Augenmass und Verhältnismässigkeit» erfüllt habe.

Den verantwortlichen Behörden der Stadt Bern sei nichts anderes übrig geblieben als die unbewilligte Kundgebung zu dulden. «Wenn die Stadt Bern den Anlass verboten hätte, wie hätten wir dieses Verbot denn durchsetzen sollen? Hätten wir die Stadt absperren sollen? Wo denn? Beim Bahnhof? Oder hätten wir alle Zufahrtsachsen dichtmachen sollen?»

Facebook am Pranger

Käser ist wie die Stadtregierung der Ansicht, dass die Justiz die Strafbarkeit von Facebook prüfen sollte. Schliesslich sei der Aufruf zum Protestumzug via dieses soziale Netzwerk erfolgt.

Staatsanwalt Scheurer warnte in diesem Zusammenhang vor zu hohen Erwartungen. Der Tatbestand, der zur Diskussion stehen könnte, müsse noch geprüft werden.

Vorwiegend Berner

Die Polizei hatte während den Krawallen insgesamt 61 Personen gefasst. Sie wurden gemäss den gesetzlichen Bestimmungen in der Zwischenzeit alle wieder entlassen. 46 Personen stammen aus dem Kanton Bern. Dazu kommen vier Zürcher und mehrere ausländische Staatsangehörige. Die grosse Mehrheit der Randaliere seien keine Berner, sondern Zürcher gewesen, behaupteten zuvor zwei Beobachter der Demonstration gegenüber Redaktion Tamedia. Unter den gewaltbereiten Personen sei Zürcher Dialekt gesprochen worden. Es handle sich um Personen aus dem Umfeld des Revolutionären Aufbaus Zürich und anderer Gruppierungen, sagen die Beobachter. Bilder, die nach der Krawallnacht aufgenommen wurden, schienen diese Annahme zu bestätigen.

Die Randalierer richteten Sachschaden in der Höhe von mehreren hunderttausend Franken an. Die Berner Stadtregierung rief alle geschädigten Ladenbesitzer und Hauseigentümer auf, Anzeige zu erstatten.

Laut Polizei konnten bislang rund 70 geschädigte Parteien eruiert werden. Strafanzeige erstattet hat unter anderem auch der Bund wegen Sachbeschädigungen an Gebäuden in der Bundesgasse.

SDA/mrs/kle

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