Beznau 1 bis mindestens Ende Juli 2016 vom Netz

Die Axpo braucht nochmals länger Zeit als geplant, um die Sicherheit von Block 1 des dienstältesten Atomkraftwerks der Welt nachzuweisen.

Atomkraftwerk Beznau: Das dienstälteste der Welt.

Atomkraftwerk Beznau: Das dienstälteste der Welt. Bild: Alessandro Della Bella/Keystone

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Der Block 1 des Atomkraftwerks Beznau bleibt länger ausser Betrieb als zuletzt angenommen. Nach dem Fund von gegen tausend Schwachstellen in den Stahlwänden im Reaktordruckbehälter im vergangenen Juli hoffte die Beznau-Betreiberin Axpo noch, den Meiler bis Ende Oktober wieder hochfahren zu können. Doch der Termin erwies sich als zu ehrgeizig; zuletzt gingen die Axpo-Verantwortlichen von Februar 2016 aus.

Nun rechnet der Stromkonzern mit einer «Wiederanfahrgenehmigung» nicht vor Ende Juli 2016. Zu diesem Zeitpunkt wird das mit 47 Jahren dienstälteste Atomkraftwerk der Welt bereits rund 16 Monate abgeschaltet sein. Die abermalige Verzögerung begründet die Axpo mit den noch anstehenden Analysen und Nachweisen, die «so viel Zeit» in Anspruch nähmen. Dieser Prozess dauere mehrere Monate, involviert ist offenbar ein internationales Expertengremium, das die Atomaufsichtsbehörde des Bundes (Ensi) zusammengestellt habe.

Axpo zeigt sich zuversichtlich

Die Axpo spricht nicht von Schwachstellen, wie es etwa die Umweltorganisation Greenpeace tut, sondern von «Anzeigen» und «Unregelmässigkeiten». Dabei handle es sich «mit grosser Wahrscheinlichkeit» um kleinste Einschlüsse, die nach heutigem Wissensstand bei der Herstellung der geschmiedeten Ringe im Reaktordruckbehälter entstanden seien. Der Reaktordruckbehälter ist das Herz des AKW und damit ein hochsensibler Bereich. In diesem Gefäss laufen die nuklearen Prozesse ab. Leckt es, droht radioaktive Strahlung in die Umgebung zu entweichen.

Die Axpo zeigt sich weiter zuversichtlich, dass Block 1 nach Abschluss der Prüfphase wieder ans Netz gehen werde. Untersuchungen haben auch bei Block 2 stattgefunden. Hier wurden laut Axpo ebenfalls Anzeigen registriert, jedoch «nur vereinzelte kleinste». Laut Experten des Atomkraftwerks Beznau zeigen diese «in Zahl und Lage ein unauffälliges Bild». Den Messbericht dazu wird die Axpo in den nächsten Tagen an den Schweizerischen Verein für technische Inspektionen sowie die Atomaufsichtsbehörde des Bundes (Ensi) einreichen. Falle der Prüfbericht des Ensi positiv aus, so die Axpo, werde Block 2 wie geplant Ende Dezember hochgefahren.

Greenpeace kritisiert Axpo

Stefan Füglister, Atomexperte bei Greenpeace, teilt die Zuversicht der Axpo nicht. Der Stromkonzern verbreite Zweckoptimismus. Zudem lasse er die Öffentlichkeit weiterhin im Unklaren darüber, wie es um den Block 1 tatsächlich stehe. «Die Axpo macht keine eindeutigen Aussagen.» Auch der Blick nach Belgien verheisst nach Ansicht von Füglister nichts zwingend Gutes.

Die belgische Atomaufsichtsbehörde Fanc hat vorletzte Woche grünes Licht für das Wiederanfahren der beiden Reaktoren Doel 3 und Tihange 2 gegeben – jene Meiler, bei denen Tausende kleinster Risse gefunden worden waren. Die Situation, so Füglister, sei jedoch nicht vergleichbar. So bestehe der Reaktordruckbehälter in Beznau aus einem anderen Material, zudem sei Beznau 14 beziehungsweise 13 Jahre länger in Betrieb als dessen Pendants in Belgien. Daher sei mutmasslich auch die Versprödung stärker, was sich negativ auf die Sicherheit des Behälters auswirke. Ungeklärt ist laut Füglister nach wie vor die Frage, ob die Risse in den belgischen Reaktoren und in Beznau aufgrund des Betriebs grösser werden oder ihren Ursprung bei der Herstellung haben.

Erstellt: 30.11.2015, 16:24 Uhr

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