Bieler Jihadisten planten ein Attentat in der Schweiz

Ein Buch einer Bieler Jihad-Reisenden ist aufgetaucht. Es offenbart, wie im Berner Seeland ein Netzwerk von Extremisten entstand.

Der Schweizer Gymnasiast Majed Najjar war einst regelmässiger Gast in der Ar’Rahman-Moschee.

Der Schweizer Gymnasiast Majed Najjar war einst regelmässiger Gast in der Ar’Rahman-Moschee.

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«Oh Gott, vernichte Amerika und die Juden», schleudert der Imam seinen Zuhörern entgegen. Die hohe Stimme des 22-jährigen ehemaligen Bieler Gymnasiasten überschlägt sich. Er schreit: «Oh Gott, verleihe deinen Anbetern und den Mujahedin überall den Sieg.» Die Gläubigen antworten mit «Amen».

Es hallt in der Moschee irgendwo im Süden von Syrien. Der Zweck des Jihad sei es, Gottes Wort über alles andere zu erheben. Wer auch immer sich Allah widersetze, sei ein Feind, donnert der zum Scheich aufgestiegene Bieler mit palästinensischen Wurzeln. Und der echte Islam bestehe eben auch darin, gegenüber Ungläubigen feindlich eingestellt zu sein.

Der Schweizer Gymnasiast Majed Najjar war einst regelmässiger Gast in der Ar’Rahman-Moschee am Bieler Seelandweg, dem Gotteshaus, in dem der Libyer Abu Ramadan bis vor kurzem predigte. Die Tonaufnahme aus Syrien erinnert an Ramadans Freitagspredigt. Diese hatte den inzwischen suspendierten Bieler Hassprediger Abu Ramadan im letzten August bekannt gemacht hat.

Hausverbot: Der Ar’Rahman-Moschee war die Familie zu radikal. Foto: Rolf Neeser (Keystone)

Noch bevor der Bieler mit der hohen Stimme zuerst nach Somalia und später nach Syrien verschwindet, erhält der Schüler aber Hausverbot in der Ar’Rahman-Moschee. Majed Najjar (ausgesprochen Madsched Nadschar) ist selbst dem islamistisch angehauchten Gotteshaus zu extrem. Der Vorstand wirft ihm vor, eine Jugendgruppe um sich geschart zu haben mit dem Ziel, diese zu radikalisieren. Auch Majeds Vater Isam darf das Gotteshaus nicht mehr betreten.

Von Somalia nach Syrien

Im Februar 2011 verlässt Najjar Biel und fliegt nach Kenia. Von dort reist er nach Somalia und schliesst sich der Terrorgruppe ash-Shabaab an, die rund ein Jahr später dem Netzwerk der al-Qaida beitritt. Somalia ist damals die bevorzugte Destination «jihadistisch motivierter Reisebewegungen» aus der Schweiz, wie der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) in einem als vertraulich eingestuften Bericht festhält.

Es gebe in der Schweiz ein Netzwerk von Personen somalischer Herkunft, die ash-Shabaab – Arabisch: Die Jugend – ideologisch und logistisch unterstützten, schreibt der NDB im Jahr 2012 dazu weiter. Das Schweizer Netzwerk werbe Jihadisten an und schleuse diese nach Ostafrika. Ausserdem sammle es Geld für die Terrorgruppe.

Wie kommt ein Gymnasiast zu so einem Parcours?

Erst 2013 kommt ein neues Reiseziel in Mode: Ab dann setzen sich Schweizer Jihadisten mit Vorliebe nach Syrien ab, um für die Terrorgruppen Nusra-Front (al-Qaida) und später für den Islamischen Staat (IS) zu kämpfen und zu morden. Das trifft auch auf den Bieler Najjar zu: Nach seinem Einsatz in Somalia, einer Irrfahrt mit zwei Gefängnisaufenthalten und einem kurzen heimlichen Besuch in der Schweiz taucht er plötzlich im Süden von Syrien auf, als Imam und Scharia-Richter der Nusra-Front und anschliessend beim IS.

Wie kommt ein allem Anschein nach intelligenter Gymnasiast und Schachspieler zu so einem Parcours? Die Antwort gibt Majeds Mutter in einem mehr als 700 Seiten dicken, auf Arabisch verfassten Buch, das Tagesanzeiger.ch/Newsnet vorliegt. Es ist eine Art Tagebuch einer paranoiden Palästinenserin, die Hals über Kopf mit ihrem Ehemann aus Biel flüchtet. Grund sei eine Vorladung durch die Polizei im Februar 2015 gewesen.

«Einsam unter Wölfen»: Das 700-Seiten-Tagebuch der Palästinenserin Kawther Jaber zeigt auf, wie ihr Sohn Majed Najjar in der Schweiz zum Islamisten wurde, der schliesslich in Syrien für den IS kämpfte.

Die Autorin, Kawther Jaber, befürchtet, dass man sie und ihren Ehemann zu den beiden Bieler Jihadistinnen Arwa B. und Marianne R. befragen könnte. Die beiden Freundinnen, die Majeds Familie bestens bekannt sind und die in der Arrahman-Moschee ein- und ausgehen, reisen im August 2014 heimlich zum IS. Die Behörden fragen sich, wer die jungen Frauen radikalisiert und für den IS rekrutiert hat.

Wegen ihrer offensichtlichen Verbindungen zur jihadistischen Szene glauben Majeds Eltern, ins Visier der Justiz geraten zu sein. In ihrer Wohnung lassen sie alles liegen und stehen und flüchten zuerst in die Türkei. Danach landen sie in Raqqa, damals die syrische Hauptstadt des IS, wie Recherchen der SRF-Sendung «10 vor 10» zeigen. Damit haben sich insgesamt drei Frauen aus Biel dem IS in Syrien angeschlossen. Das wird nur noch von der Stadt Genf übertroffen, aus der gemäss einer Statistik dieser Zeitung mindestens vier weibliche Jihad-Reisende stammen. Schweizweit gibt es gemäss dieser Zählung 15 Frauen, die sich nach Syrien beziehungsweise in den Irak abgesetzt haben.

«Ignorante Schweiz»

Kawther Jabers Buch «Einsam unter Wölfen» ist in erster Linie eine Abrechnung mit der Schweiz, ihrem Asylwesen und dem angeblich allgegenwärtigen NDB. Die Schweizer seien rassistisch und islamophob, ist die Schlussfolgerung der Autorin mit den palästinensischen Wurzeln. Aufgewachsen in Jordanien und Deutschland, kommt die Frau mit Mann und Sohn im März 2000 in die Schweiz. Die Familie beantragt Asyl, weil der Vater in Jordanien angeblich als Anhänger der palästinensischen Hamas verfolgt war.

Zuerst wird die Familie in einem Zentrum in Ostermundigen bei Bern untergebracht. Schon in den ersten Tagen erhält sie dort Besuch vom Tunesier Moez Garsallaoui, der als Bootsflüchtling via Italien 1997 in die Schweiz kam und Asyl erhielt. Später betreibt der Mann eine Propaganda-Webseite für die al-Qaida, wo er auch Tipps für den Bombenbau gibt. Nach Hinweisen der pakistanischen Justiz hebt die Bundeskriminalpolizei Garsallaouis Wohnung im freiburgischen Düdingen aus.

Nach langem Hin und Her wird der Tunesier 2007 zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Doch der «muslimische Held», wie er im Buch «Einsam unter Wölfen» genannt wird, setzt sich noch vor Strafantritt nach Belgien ab. Später reist er ins afghanisch-pakistanische Grenzgebiet. Dort steigt der ehemalige Sozialhilfebezüger zum operativen Chef der al-Qaida auf. Seine steile Karriere findet 2012 bei einem amerikanischen Drohnenangriff ein jähes Ende.

Jetzt ist er für Kawther Jaber in Biel ein Märtyrer. Und sie hält seine Worte in ihrem Buch fest: Man könne nicht Freund der Schweizer sein, die würden einen nie akzeptieren, und die wüssten nicht einmal, was die Bedeutung echter Freundschaft sei.

Das Buch ist eine Abrechnung mit der Schweiz.

Drei Jahre später wird dem Asylgesuch der Familie entsprochen. Zeitweilig sind die Flüchtlinge in einem Asylzentrum in Reconvilier im Berner Jura untergebracht. Schnell entpuppen sich die Palästinenser als radikale Querulanten, die sich ständig über die angeblich unfaire Behandlung durch die Kuffar, also die «Ungläubigen», oder über schlechtes Essen beklagen.

Kawther Jaber wittert dahinter jeweils eine Verschwörung der dekadenten, unmoralischen, ungläubigen, ja gottlosen Schweizer gegen den Islam. Zugleich schreibt sie Sätze wie «Wir werden nie an eure Gesetze glauben». Sie werde sich auch nie den Forderungen der Ungläubigen unterwerfen und sich bei ihnen integrieren. «Wir hassten den ausserehelichen Sex, den Alkohol, die Homosexualität usw.», schreibt sie rückblickend über ihre Zeit in der Schweiz. Sie, die einen Doktortitel in islamischer Scharia trage, habe realisieren müssen, dass sie in der Schweiz in einer absolut ignoranten und zurückgebliebenen Gesellschaft gelebt habe.

Schon früh liest Kawther ihrem Sohn Majed aus dem Koran vor oder erzählt ihm Mohammeds Lebensgeschichte. Stetiges Thema ist auch die Vertreibung der Palästinenser durch die Israeli. Derart indoktriniert, führt Najar dann eine kleine Demonstration von Flüchtlingskindern im Hof des Asylzentrums an. Die arabischen Knirpse schreien, dass sie bereit seien, ihre Religion zu verteidigen, und sie halten ein Poster hoch mit dem Aufruf, Jerusalem von den Israeli zu befreien. Das kommt bei der Heimleitung nicht gut an.

Kontakt mit einem Al-Qaida-Chef

Auch in der Schule gibt es bald Probleme. Bei einem Klassenausflug weigert sich Majed, eine Kirche zu betreten, eine Entscheidung, die seine Eltern unterstützen. Und als er einen sechszackigen Stern zeichnen soll, sagt er, es handle sich dabei um das Symbol des verhassten Judenstaats. So hinterlässt er einen fünfzackigen Drudenfuss auf dem Papier. Auch das führt zu Diskussionen mit dem Lehrpersonal. Von Anfang an stellt sich die Familie bei vielem quer, was die Behörden und die Asyl­betreuer von ihr verlangen. Nichts ist den Flüchtlingen gut genug.

Kommt so etwas bei Flüchtlingen aus Nahost häufig vor? Ashti Amir, selbst Exilsyrer, kennt das Asylwesen im Kanton Bern sehr gut. Er ist auch mit einigen Protagonisten im Migrationsbereich bekannt, die sich mit der jordanisch-palästinensischen Familie über die Jahre herumschlagen mussten. Amir sagt, dass es durchaus solche Querulanten gebe, aber sie machten weniger als zehn Prozent aller Fälle aus. Die Mehrheit der Flüchtlinge aus dem Nahen Osten bemühe sich, den Behörden keine Probleme zu bereiten, und sie wolle sich integrieren.

«Es besteht die Gefahr, dass fremdenfeindliche Politiker negative Fälle für ihre Zwecke missbrauchen. Dabei werden die viel zahlreicheren positiven Beispiele unterschlagen.» Allerdings gebe das Verhalten von Familien wie jener von Majed ein schlechtes Beispiel für andere Flüchtlinge ab, und es bringe die rechtschaffenen Asylanten in Misskredit. Er habe den Eindruck, dass die Behörden in solchen Fällen oft zu spät reagierten, fügt der ausgewiesene Asylkenner hinzu.

Anschlagspläne nach 9/11

Im Kanton Bern taucht die palästinensische Familie in die jihadistische Szene ein. Zu Majeds wichtigsten Kontakten gehört der Somalier Afif I. Die beiden lernen sich in einem Bieler Integrationszentrum kennen. Bevor Afif I. 2010 als Jihadist nach Somalia geht, macht er den jungen Palästinenser mit der tunesischen Familie M. in Biel bekannt. Deren Sohn Osama setzt sich 2005 in den Irak ab, wo er im Kampf gegen die Amerikaner umkommt.

Majeds Mutter nennt die Bieler Jihadisten in ihrem Buch zwar nur selten beim Namen, es wird aber schnell klar, dass sich die Familie in ultraradikalen Kreisen bewegte. Sie lernen auch den Tunesier Mohammed B. kennen, den Vater der späteren Jihad-Reisenden Arwa B. Der Mann verkehrt in der Ar’Rahman-Moschee, in der auch Nicolas Blancho einst im Vorstand sass. Bevor Blancho den Islamischen Zentralrat Schweiz (IZRS) gründet, ist Mohammed B. ein Geschäftspartner des Bieler Konvertiten. Im Buch wird der Tunesier unter anderem als Jihad-Anhänger beschrieben.

Kurz nach den Anschlägen vom 11. September 2001 findet offenbar ein Geheimtreffen statt. Daran nehmen laut Majeds Mutter auch ihr Mann Isam teil und «viele junge Männer, die als Jihadisten bekannt waren». Die Teilnehmer diskutieren einen Terroranschlag in der Schweiz, um das Land für seine Unterstützung Amerikas und seine Jagd auf hiesige Jihadisten zu bestrafen. Wegen «komplizierter Umstände» und weil die meisten Teilnehmer weit voneinander entfernt lebten, kommt es dann laut Buch nicht zur Durchführung.

In Somalia ist der Krieg kein Spiel, sondern Wirklichkeit.

Das Elternpaar lebt rund 15 Jahre in der Schweiz und der Sohn etwa zehn Jahre. In dieser Zeit bezieht die Familie grössere Summen Sozialhilfe – ausgerechnet von dem Staat, den sie abgrundtief hasst. Stolz schreibt die Mutter, dass sie einen erheblichen Teil ihres Buchs mit diesem Geld finanziert habe. Dank der Sozialhilfe habe die Familie die Schweiz und Europa bereist, manchmal zum Vergnügen, manchmal aber auch, um zu missionieren oder um zum Jihad aufzurufen.

Majed kauft im Februar 2011 in Biel ein Flugticket nach Kenia, ebenfalls mit dem Geld des Sozialamts. Ashti Amir, der aus Syrien stammende Kenner des Asylwesens, findet es beschämend, dass die Familie staatliche Fürsorge für jihadistische Zwecke abgezweigt hat. «So etwas kann muslimische Asylbewerber schnell unter Generalverdacht setzen, in den meisten Fällen völlig zu Unrecht.»

Mit seiner Reise ans Horn von Afrika setzt Majed Najjar einen Kindheitstraum um. Seine Mutter beschreibt, wie er als Bub mit Plastiksoldaten, Kanonen und Panzern Krieg spielt – die Armee des Islam gegen heidnische Römer. In Somalia ist der Krieg nun jedoch kein Spiel mehr, sondern Wirklichkeit. Im Kriegsgebiet freundet er sich mit dem deutschen Terroristen Emrah Erdogan an. Der hat schon mit einem Anschlag auf den Reichstag in Berlin gedroht und wird 2014 in Frankfurt am Main zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt.

Als Najjars Jihad-Reise bekannt wird, kommt es in der Schweiz zu einem grossen Medienecho. Der ehemalige Gymnasiast streitet allerdings alles ab, er behauptet, in Kenia entführt und anschliessend im Nachbarland Somalia festgehalten worden zu sein. Einer Abordnung aus Schweizer Diplomaten, Polizisten und Geheimdienstleuten erzählt er im Gefängnis in der kenianischen Hauptstadt Nairobi, dass er Pazifist sei und Terrorismus ablehne.

Was der Schweizer Öffentlichkeit bis heute allerdings nicht bekannt war, ist Najjars temporäre Rückkehr in die Schweiz. Im März 2012 fällt er – und möglicherweise auch sein deutscher Freund Emrah – bei ash-Shabaab in Ungnade und wird verhaftet. Doch irgendwie kommt er frei, fährt nach Kenia und wird im April wieder in Biel gesehen. Emrah Erdogan geht der Polizei kurze Zeit später in Tansania ins Netz und wird nach Deutschland ausgeliefert.

Obwohl die Schweizer Ermittler von Najjars Kurztrip nach Biel Kenntnis haben, passiert nichts. Man lässt ihn wieder nach Nairobi reisen, wo er im Mai 2012 verhaftet wird. Erst dann kriegen die Medien Wind von der Sache. Nun hat die Schweiz Gelegenheit, Majed Najjar den Asylstatus zu entziehen und danach ein Einreiseverbot zu erlassen. Najjar stelle eine Gefahr für die Schweiz dar, ja er könnte sogar einen Terroranschlag verüben, heisst es in dem vertraulichen NDB-Bericht.

Eine NDB-Agentin in Syrien?

Am Ende schaffen die kenianischen Behörden den Jihadisten nach Jordanien aus, wo er im Gefängnis verschwindet. Was dort genau vor sich geht, ist nicht geklärt. Majeds Mutter wirft den Schweizern vor, in dieser Zeit mit dem jordanischen Geheimdienst kooperiert und diesem Informationen über die Familie gegeben zu haben. Ob das stimmt, ist nicht bekannt.

Jedenfalls kommt der Bieler irgendwann frei, und es gelingt ihm, sich über Jordaniens Nordgrenze nach Syrien abzusetzen. Bei den mit dem IS verfeindeten syrischen Anti-Regimekämpfern heisst es schnell, dass der zum Scharia-Richter aufgestiegene junge IS-Mann eine Blutspur hinter sich herziehe. Er lasse Leute foltern und exekutieren.

In einer Audiobotschaft bestreitet das Najjar. Er kritisiert den IS, wirft ihm vor, chaotisch und korrupt zu sein. Zugleich brüstet er sich, 800 Kämpfer im Qalamun-Gebirge an der Grenze zum Libanon zusammengezogen zu haben. Wenn man libanesischen Medienberichten glauben darf, lässt der IS den Bieler, der nach aussen hin Kritik übt, im Sommer 2015 umbringen.

In der Zeit davor wird Majeds Mutter zunehmend paranoid. Sie sieht überall Verschwörungen und NDB-Agenten. Als es noch um Majeds allfällige Rückkehr aus Nairobi nach Biel geht, engagiert die Familie eine Reihe von Anwälten, mit denen sie sich aber verkracht. Die Schweizer Anwaltsbranche sei ohnehin von Juden und Zionisten dominiert, schreibt die Mutter.

Die Familie engagiert Anwälte, mit denen sie sich verkracht.

2014 nimmt ihr Ehemann laut dem Buch an einer Veranstaltung des IZRS teil. Isam Najjar, auch bekannt unter dem Pseudonym Mohammed Barkaoui, hetzt dort gegen das «Bündnis der Kreuzritter», das sich gegen die syrischen und irakischen Muslime verschworen habe. Doch die IZRS-Spitze um Nicolas Blancho sowie Qaasim und Nora Illi sind keine IS-Fans, und die Rede des Palästinensers wird unterbrochen.

Denkwürdig ist auch ein Besuch in der IZRS-Zentrale in Bern-Bümpliz. Dort bemerkt Isam Najjar, dass Blancho mit einer jungen Frau im Büro arbeitet, mit der er nicht verheiratet ist. Für den ultraradikalen Muslim, der auch schon bei einem Ladendiebstahl erwischt wurde, ist das ein Sakrileg. Schon bald fantasiert die Mutter, dass auch Blancho und das Ehepaar Illi für den NDB spionierten.

Selbst die Konvertitin Marianne R., die sie in Biel kennen lernt, verdächtigt die Jihadisten-Mutter, als Agentin zu arbeiten. Marianne R. verteilt mit Blancho und den Illis Flyer gegen das Niqab-Verbot im Tessin. Später wird Majeds Mutter in Raqqa, der syrischen Hauptstadt des IS, wieder auf Marianne R. treffen. Die Palästinenserin dürfte gestaunt haben, dass eine vermeintliche NDB-Agentin beim IS überlebt hat.

Allerdings ist es mehr als unglaubhaft, dass der Nachrichtendienst wirklich eine psychisch labile und verhaltensauffällige Frau wie Marianne R. nach Syrien schickt. Unbekannt ist, was aus ihr sowie den anderen Bieler IS-Jihadisten wurde.

Erstellt: 02.02.2018, 17:01 Uhr

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