Bio oder nicht? Schweizer entscheiden lieber im Laden

Die Stimmbürger sind nicht gegen nachhaltig produzierte Nahrungsmittel – vielmehr haben sie zwei problematische Initiativen abgelehnt.

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Bioprodukte boomen in der Schweiz: Der Absatz von Bio-Lebensmitteln hat sich zwischen 2007 und 2017 verdoppelt. Der Marktanteil liegt unterdessen bei rund zehn Prozent, Tendenz weiter steigend. An diesem Phänomen ändert auch die klare Ablehnung der beiden Ernährungsinitiativen nichts. Die Stimmbürger haben nicht Nein gesagt zu nachhaltig und tierschonend produzierten Nahrungsmitteln. Sie haben vielmehr zwei Initiativen abgelehnt, die auf den ersten Blick sympathisch erscheinen mögen – in der Umsetzung jedoch problematisch wären.

Die Initiative für Ernährungssouveränität wollte die Landwirtschaft nach planwirtschaftlichen Grundsätzen steuern, etwa über die Erhöhung der im Agrarbereich tätigen Personen. Zu Recht wurde das Begehren mit seinen überholten Rezepten wuchtig verworfen. Auch die gemässigtere Fair-Food-Initiative hätte mit ihrem protektionistischen Ansatz zu Konflikten mit Handelsabkommen geführt. So wäre es illusorisch gewesen, anderen Ländern unsere Produktionsbedingungen aufzuerlegen.

Das Nein zu dieser Vorlage erspart dem Parlament eine weitere Umsetzungsdebatte wie bei der SVP-Zuwanderungsinitiative – eine Debatte, bei der zwischen der Verletzung internationaler Abkommen oder der Umsetzung des Volkswillens zu wählen ist und die mit einem faulen Kompromiss endet.

Neben der problematischen Umsetzung gibt es einen weiteren Hauptgrund, der zum Scheitern der beiden Initiativen beigetragen hat: Der Stimmbürger kann als Konsument täglich entscheiden, welche Art Nahrungsmittel er bevorzugt. Diesen Entscheid pro oder contra Bio fällt er lieber individuell vor dem Ladenregal, als dass er ihn per Verfassungstext allgemeinverbindlich erklärt.

Kommt hinzu, dass der Auftrag zur ressourcenschonenden Lebensmittelproduktion seit dem Ja zur Ernährungssicherheits-Vorlage vor einem Jahr bereits Verfassungstext ist. Das ist aus Sicht der Mehrheit offensichtlich genug an staatlicher Richtlinie für unser Essverhalten.

Video – Ernährungssvouveränität-Initianten zur Niederlage

Ihre Idee sei fünf Jahre zu früh gewesen, argumentieren die Befürworter der Agrarinitiative. (Video: SDA)

Erstellt: 23.09.2018, 14:10 Uhr

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