Bis zur letzten Akte

Dieter Behrings «Fraueli» Ruth hält zum Angeklagten.

Ruth Behring ist nahe dran gewesen: Hier verlässt sie das das Bundesstrafgericht in Bellinzona in den Armen ihres Mannes. Foto: Samuel Golay (Keystone

Ruth Behring ist nahe dran gewesen: Hier verlässt sie das das Bundesstrafgericht in Bellinzona in den Armen ihres Mannes. Foto: Samuel Golay (Keystone

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Morgens schreiten sie Seite an Seite in den Gerichtssaal I. Sie spricht ihm Mut zu, richtet seinen zeltgrossen Veston, nimmt ihm seine Schirmmütze ab, ordnet seine Akten. Ein Kuss – dann setzt sich Ruth Behring in die Zuschauerränge, seit fünf Wochen auf denselben Stuhl, erste Reihe, gerader Rücken, verschränkte Arme. Schweigend beobachtet sie, wie das Gericht ihrem Ehemann den Prozess macht.

Ruth Baranzelli und Dieter Behring heiraten 1977. Er ist 22, sie drei Jahre älter. Einen Tag vor Prozessbeginn im Frühling 2016 lädt Behring auf seiner Webseite einen Eintrag hoch: «Dieser Tag gehört ganz allein meinem Fraueli, das heute Geburtstag hat und mich in all den Jahren immer unterstützt hat.»

Kein Wort zu Journalisten

Dem Gericht sagt er, seine Frau und er hätten lange mit nur wenig Geld auskommen müssen. Er arbeitete zwischendurch auf dem Bau, sie als Schneiderin oder im Globus, «wir haben auch in einer Schoggifabrik Ragusa verpackt». Seit Beginn experimentiert er mit Computern. Sie lässt es zu, dass er im Wohnzimmer die Gehäuse von IBM-Rechnern aufreiht, um genügend Leistung für seine Programme abrufen zu können.

Mit Journalisten redet die 64-jährige heute nicht. Auch das Gericht ruft sie nicht in den Zeugenstand. Klar ist: Ruth Behring ist nahe dran gewesen. Sie hat bei einer Reihe von Behring-Gesellschaften und Bankkonten Unterschriftsberechtigung. Ab 2003 ist sie in der Softwarefirma QED als «Assistentin der Geschäftsleitung» angestellt. Monatslohn: 10'166.65 Franken.

Er schreibt ihr Gedichte

Ruth und Dieter Behring teilen sich den Reichtum. Sie bewohnen in Basel ein für 30 Millionen Franken umgebautes Anwesen, schaffen zwei Porsches an, sammeln exquisite Weine, reisen regelmässig nach Mauritius, wo sie Patenkinder unterstützen.

Als Dieter Behring nach dem Zusammenbruch des Finanzimperiums in Haft sitzt, bringt sie ihm Zeitungen ins Gefängnis, er schreibt ihr Gedichte. Die Justiz ermittelt auch gegen sie. Zehn Tage nach Verhaftung ihres Mannes hatte sie erfolglos versucht, im deutschen Weil am Rhein 150'000 Euro in bar abzuheben. 2014 werden die letzten Verfahren gegen sie eingestellt.

Sie verkauft seine Fotografien

Inzwischen lebt das Paar in Gipf-Oberfrick AG. Beide arbeiten nach Angaben Dieter Behrings zu 60 Prozent bei einem Medizininstitut. Ruth Behring betreibt nebenbei eine Galerie, über die sie Fotografien ihres Mannes verkauft, 2120 bis 19'890 Franken, Öffnungszeiten auf Anfrage.

Am voraussichtlich letzten Tag der Verhandlung, werden rechts im Zuschauerraum wieder die Polizisten sitzen, die am Fall gearbeitet haben. Vielleicht werden auch geprellte Anleger da sein, die sehen wollen, wie sich der Behring vor Gericht so metzget.

Links werden alle 24 Plätze leer bleiben. Bis auf einen Stuhl ganz vorne.

Erstellt: 29.06.2016, 19:18 Uhr

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