Bischof geht gegen Kirche vor Gericht

Weil sie eine Beratungsstelle für sexuelle Gesundheit unterstützt, klagt das Bistum Chur gegen die Landeskirche von Graubünden vor Bundesgericht.

Stört sich an 15'000 Franken jährlich: Bischof Huonder, Vorsitzender des Bistums Chur. Foto: Alexandra Wey (Keystone)

Stört sich an 15'000 Franken jährlich: Bischof Huonder, Vorsitzender des Bistums Chur. Foto: Alexandra Wey (Keystone)

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Das Bistum Chur wehrt sich vor Bundesgericht dagegen, dass die Katholische Landeskirche von Graubünden die Organisation Adebar finanziell unterstützt. Adebar ist die Beratungsstelle für Familienplanung, Sexualität, Schwangerschaft und Partnerschaft für den Kanton Graubünden. In Chur berät sie seit über 40 Jahren Menschen bei Fragen im Bereich der sexuellen Gesundheit. Sie bezeichnet sich als politisch und konfessionell neutral und wird gemäss Website finanziert durch Beiträge des Kantons Graubünden, der beiden Landeskirchen, sowie durch Mitglieder-, Honorar- und Spenderbeiträge.

Zu einem grossen Teil seien die Tätigkeiten von Adebar nicht mit dem katholischen Glauben vereinbar, hält das von Bischof Vitus Huonder geleitete Bistum in einer Medienmitteilung fest. Das Bistum wirft Adebar vor, die Abtreibung für eine legitime Option zu halten. Die Beratungsstelle wirke gar aktiv an Abtreibungen mit, weil sie für Schwangere unter 16 Jahren Beratungsgespräche anbiete, die für eine Abtreibung vorausgesetzt werden.

15'000 Franken pro Jahr

Ausserdem, so das Bistum weiter, vertrete die Organisation Positionen zur Verhütung, künstlichen Befruchtung und sexuellen Aufklärung, die dem katholischen Glauben widersprächen. Dazu sagt Adebar-Geschäftsleiterin Susanna Siegrist: «Wir beraten neutral und informieren über die gesetzlichen Bestimmungen. Unser Ziel ist die Aufklärung, denn dank guter Sexualpädagogik kann die Zahl der Abtreibungen tief gehalten werden.»

«Es geht darum, ob unter dem Label katholisch etwas finanziert werden darf, das gegen den katholischen Glauben verstösst.»Giuseppe Gracia, Medienbeauftragter des Bistums Chur

Adebar wird von einem gemeinnützigen Verein getragen, zu dessen Kollektivmitgliedern der Kanton Graubünden, die Römisch-Katholische und die Evangelische Landeskirche Graubünden sowie die Frauenzentrale gehören. Die Beratungen zu Familienplanung und Schwangerschaft sind kostenlos. Die Katholische Landeskirche hat die Beratungsstelle mit jährlich 15'000 Franken unterstützt.

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Seit 2012 wehrt sich das Bistum gegen diese Unterstützung, und seither sind die Beiträge eingefroren. Giuseppe Gracia, Medienbeauftragter des Bistums Chur, sagt: «Es geht uns nicht um die Höhe des Betrags, sondern um die Frage, ob unter dem Label katholisch etwas finanziert werden darf, das gegen den katholischen Glauben verstösst.»

Weiterzug erwartet

Die Katholische Landeskirche hält jedoch an ihrer Haltung fest, die sie schon seit einigen Jahren vertritt: Die Beratungsstelle Adebar leiste wertvolle Arbeit, der Beitrag sei gerechtfertigt. Die Kirche verlangte allerdings, dass das Geld nicht für Beratungen über Abtreibungsmethoden verwendet wird. An diesen Tatsachen habe sich nichts geändert, sagt Thomas M. Bergamin, Präsident der Verwaltungskommission. Den Weiterzug ans Bundesgericht habe man erwartet. Die Landeskirche habe bisher Recht erhalten, und er gehe davon aus, dass das auch für das Urteil des Bundesgerichts gelte.

Wie das Bistum Chur mitteilt, ist seine Beschwerde von der Rekurskommission der Landeskirche sowie im vergangenen Dezember beim Bündner Verwaltungsgericht abgewiesen worden. Nun wünsche man sich vom Bundesgericht eine abschliessende rechtliche Klärung. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.02.2018, 16:00 Uhr

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