Huonder krebst nach Aussagen zur Homosexualität zurück

Der Churer Bischof Vitus Huonder zitierte Bibelstellen, wonach Homosexuelle mit dem Tod bestraft werden sollten. Nun soll alles nicht so gemeint sein.

Wollte der Frage der Homosexualität «aus der Sicht des Glaubens die rechte Wende geben»: Der Bischof von Chur, Vitus Huonder (l.), hier an einer Veranstaltung im Kloster Einsiedeln. (2. Juni 2013)

Wollte der Frage der Homosexualität «aus der Sicht des Glaubens die rechte Wende geben»: Der Bischof von Chur, Vitus Huonder (l.), hier an einer Veranstaltung im Kloster Einsiedeln. (2. Juni 2013) Bild: Steffen Schmidt/Keystone

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Der Churer Bischof Vitus Huonder hat sich in einem Vortrag vehement gegen Homosexualität und für das katholische Ehemodell ausgesprochen. In einer Stellungnahme vom Montagmorgen schreibt er nun, es handle sich um ein Missverständnis, das er bedaure.

In den Medien sei der Vortrag vereinzelt als Herabsetzung homosexueller Menschen verstanden worden. «So war es nicht gemeint», schreibt Huonder.

Den umstrittenen Vortrag hatte der Churer Bischof am vergangenen Freitag gehalten, anlässlich des Forums «Freude am Glauben» im deutschen Fulda. Im knapp 50-minütigen Auftritt, der auf dem Videoportal kathtube.com zu sehen ist, erläutert der Bischof entsprechende Bibelstellen.

Anhand derer lieferte er einen Rundumschlag gegen Gendertheorien, Scheidung, Sexualkunde und Homoehe. Dabei zitierte er unter anderem eine Bibelpassage, worin Homosexuelle mit dem Tode bestraft werden. Mehrere Schweizer Zeitungen berichteten am Montag darüber.

Bezüglich der Homosexualität zitierte Huonder insbesondere zwei Stellen aus dem Buch Levitikus, darunter den Vers «Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Gräueltat begangen. Beide werden mit dem Tod bestraft. Ihr Blut soll auf sie kommen.» Unter Applaus der Anwesenden sagte Huonder: «Die beiden Stellen allein würden genügen, um der Frage der Homosexualität aus der Sicht des Glaubens die rechte Wende zu geben.»

Keine Herabsetzung

Er zitiere im Vortrag mehrere unbequeme Passagen aus dem Alten Testament, die generell die Ehe, die Sexualität oder die Familie betreffen, schreibt Huonder in der Stellungnahme vom Montag. Er habe damit aber in keiner Weise homosexuelle Menschen herabsetzen wollen.

Die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) teilte auf Anfrage mit, man äussere sich nicht zu Aussagen einzelner Bischöfe. Für die Haltung der SBK verbindlich zum Thema Homosexualität sei der Katechismus. Gemäss diesem sind «homosexuelle Handlungen in keinem Fall zu billigen.»

Homosexuelle hätten ihre Veranlagung nicht selbst gewählt, für die meisten stelle sie eine Prüfung dar, heisst es weiter. Homosexuellen sei «mit Achtung, Mitleid und Takt» zu begegnen. «Man hüte sich, sie in irgend einer Weise ungerecht zurückzusetzen.»

Zu dieser Haltung steht auch Huonder, wie er in seiner Stellungnahme schreibt. Wenn es um Homosexualität gehe, stehe er ganz beim Katechismus der katholischen Kirche. Dieser sei für ihn die «Grundlage für die pastorale Liebe auch gegenüber homosexuell empfindenden Menschen».

Schwulenverband schockiert

Pink Cross, der Schweizer Dachverband der Schwulen, zeigte sich auf seiner Homepage «schockiert und verärgert» über die Äusserungen des Churer Bischofs vom Freitag. Die Organisation prüfe, in welcher Form derartige Hassreden strafrechtlich verfolgt werden könnten. Ein Kirchenvertreter lebe in keinem rechtsfreien Raum.

Die Stellungnahme von Huonder erachte er weder als «Entschuldigung noch als Verbesserung der vorangegangenen Aussage», sagte Bastian Baumann, Geschäftsleiter von Pink Cross, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

«Der Bischof von Chur und seine Gefolgsleute predigen Hass, befeuert vom Applaus von Religiösen und wollen dann von der toleranten Gesellschaft immer falsch verstanden worden sein», so Baumann. Pink Cross erhalte extrem viele E-Mails und Anrufe, die über das Verhalten von Huonder erneut enttäuscht und verletzt seien. (sda)

Erstellt: 03.08.2015, 13:09 Uhr

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