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Bitte etwas rationaler!

Das Interesse an einer seuchenfreien Landwirtschaft eint Verbände, Behörden, Konsumenten und Bauern. Dass der Staat dieses Interesse mit einer gewissen Verbindlichkeit durchsetzen kann, ist zu Recht auch im neuen Gesetz vorgesehen.

Am 25. November droht eine unschöne Lagerbildung im Schweizervolk: auf der einen Seite eine Minderheit glühender Impfgegner, die zum neuen Tierseuchengesetz geschlossen Nein sagt; auf der anderen Seite eine positiv eingestellte, aber desinteressierte Mehrheit, die den Stimmlokalen grösstenteils fernbleibt – und so am Ende selber zur Minderheit wird. So weit sollte es nicht kommen. Das einzige Traktandum des nahenden Abstimmungssonntags verdient aktive Unterstützung.

Zur Erinnerung: Es geht um ein 46 Jahre altes Gesetz, das den Erfordernissen der heutigen Zeit angepasst wird. Der Bund erhält im Krisenfall etwas mehr Koordinationsaufgaben, die Beschaffung von Impfstoff wird geregelt, die Grundlage für Forschung und Prävention gelegt – Letztere soll auch von internationaler Kooperation profitieren können. Ein unaufgeregtes Stück eidgenössische Gesetzesarbeit: Aus der Bundeshausfraktion der SVP, die weiss Gott nicht an einem übertriebenen Konsensbedürfnis krankt, kam keine einzige Gegenstimme.

Unlängst hat nun die aufgeheizte Delegiertenversammlung der gleichen Partei das Gesetz hochkant verworfen: Nein zum angeblichen «Impfzwang», Nein zu internationalen Abkommen, Nein zu «mehr Staat» und Ja zur «Eigenverantwortung». Ob sich die SVP-Widerständler nun von solchen Floskeln oder von einer generellen Impfskepsis leiten liessen: Es empfiehlt sich, etwas rationaler an die Thematik heranzugehen. Selten genug kommt es vor, dass der Bauernverband und der Tierschutz eine Vorlage einhellig zur Annahme empfehlen. Das Interesse an einer seuchenfreien Landwirtschaft eint Verbände, Behörden, Konsumenten und Bauern.

Dass der Staat dieses Interesse mit einer gewissen Verbindlichkeit durchsetzen kann, ist zu Recht auch im neuen Gesetz vorgesehen. Es mag einen Tierhalter ehren, wenn er sich angesichts drohender «Zwangsmassnahmen» um das Wohl seiner Kühe und Schafe sorgt. Er sollte sich aber die Frage stellen, ob er diesem Wohl wirklich dient, wenn er eine zeitgemässe Tierseuchenprävention bekämpft. Die Fotos aufgestapelter Tierkadaver, die bei einschlägigen Epidemien jeweils kursieren, geben ihm einen Hinweis auf die Antwort.

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