Blackout kostet bis zu vier Milliarden Franken täglich

Die Schweiz ist gut vorbereitet für einen Blackout, so Parmelin. Trotzdem sollten die Pläne laufend verbessert werden, denn «das Risiko ist real».

Schweizer sollen Vorrat anlegen: Bundesrat Guy Parmelin spricht am 11. Schweizerischen Stromkongress in Bern. (12. Januar 2016).

Schweizer sollen Vorrat anlegen: Bundesrat Guy Parmelin spricht am 11. Schweizerischen Stromkongress in Bern. (12. Januar 2016). Bild: Anthony Anex/Keystone

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Allen Umwälzungen in der Energiebranche zum Trotz bleibt Versorgungssicherheit für die Energiekonzerne ein wichtiges Ziel. Am Stromkongress in Bern zeigte Bundesrat Guy Parmelin auf, dass die Schweiz sich dennoch für einen Blackout wappnen sollte.

Parmelin widmete sich am Donnertag dem Schreckensszenario eines vollständigen Stromausfalls, der beispielsweise nach einer Naturkatastrophe oder einer Panne eintreten könnte. «Das Risiko eines Blackouts ist real», sagte Parmelin, der als Verteidigungsminister auch den Bevölkerungsschutz unter sich hat, gemäss Redetext vor über 400 Anwesenden.

Bevölkerung soll vermehrt Vorräte anlegen

Langanhaltende Stromausfälle oder -engpässe würden nicht nur die Sicherheit bedrohen. Auch die wirtschaftlichen Auswirkungen wären laut dem Bundesrat enorm: Die Kosten für einen Blackout werden auf zwei bis vier Milliarden Franken pro Tag geschätzt.

Deshalb sei es wichtig, sich für ein solches Szenario zu wappnen. Die Sicherheitsverbundsübung 2014 habe gezeigt, dass Bund und Kantone gut vorbereitet seien, um eine solche Krise bewältigen zu können.

Aus der Übung habe man auch die Lehre gezogen, dass einzelne Interventionspläne durchaus noch verbessert werden könnten, sagte Parmelin. «Zentral bleibt, dass Dienstleister - ob Banken, Telekommunikationsfirmen oder Grossverteiler - die Risiken eines Blackouts in ihren Strategien einplanen.» Auch die Bevölkerung müsse stärker darauf sensibilisiert werden und etwa wieder vermehrt Grundvorräte anlegen.

Überkapazität durch Produktionsförderung

Für die Versorgungssicherheit übernehme die Energiewirtschaft weiterhin Verantwortung, sagte Kurt Rohrbach, Präsident des Verbands Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE). «Energie soll auch in Zukunft ausreichend und erschwinglich verfügbar sein», skizzierte er seine Vision.

Aber der Energiemarkt befinde sich im Umbruch. Die technische Entwicklung und die Massenproduktion bei Sonnen- und Windenergie hätten die Gestehungskosten für Strom dramatisch sinken lassen. Zudem wurden neue Produktionsanlagen gefördert. Die Überkapazitäten hätten dazu geführt, «dass Energie kaum mehr einen Preis hat».

Umdenken und neue Geschäftsmodelle nötig

Die verzwickte Situation der Energiebranche verglich der scheidende VSE-Präsident mit der Lage der Hotellerie angesichts der Konkurrenz von Airbnb. Auch in der Stromwirtschaft verschwämmen die Grenzen zwischen Produzenten und Konsumenten immer mehr. So seien Millionen kleiner Energieanlangen denkbar, die ein funktionsfähiges Netzwerk bilden sollen.

Ein Umdenken und neue Geschäftsmodelle seien gefragt. «Langfristig streben wir in der Schweiz mit Nachdruck eine CO2-arme Energieversorgung und Stromproduktion sowie umweltgerechte Lösungen an», sagte Rohrbach.

Keine Freude an SRF-«Blackout»

Wie die «Handelszeitung» berichtet, betonte Rohrbach zudem seine Unzufriedenheit mit den von SRF dargestellten Szenarien am Thementag «Blackout» vor zehn Tagen. Der Film suggeriere, dass die Elektrobranche naiv sei, was ein mögliches Blackout angelangt. Dies würde keinesfalls den Tatsachen entsprechen. Es war die einzige Aussage, die er ebenfalls auf Französisch machte.

Der 11. Schweizerische Stromkongress richtet sich an Führungskräfte aus Elektrizitätsunternehmen, Industrie- und Dienstleistungsbetrieben sowie an Politiker. Am Freitag geht er mit Referaten zur Energiewende und der Vorstellung von drei Start-ups zu Ende. (sep/sda)

Erstellt: 12.01.2017, 17:09 Uhr

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