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Blancho: Terror gegen Schweizer ist «absolut verboten»

Die Terrormiliz IS im Irak und in Syrien hat zur Tötung von Zivilisten im Westen aufgerufen. Der als fundamentalistisch geltende schweizerische IZRS widerspricht – und untermauert dies mit Koranversen.

Gestern hatte der «Tages-Anzeiger» publik gemacht, dass in Berner Gefängnissen drei Männer sitzen, die verdächtigt werden, in der Schweiz einen Terrorakt geplant zu haben. Dabei soll es sich um Anhänger der Terromiliz Islamischer Staat (IS) handeln.

Deren Sprecher Abu Muhammad al-Adnani hatte zuvor aufgerufen, Nicht-Muslime in Europa und Nordamerika anzugreifen. Der Islamische Zentralrat der Schweiz (IZRS), dem oft vorgeworfen wurde, er distanziere sich nicht genug von islamistischem Extremismus, hat gestern Abend eine Stellungnahme seines Präsidenten Nicolas Blancho veröffentlicht. Dabei handle es sich um eine Fatwa, also eine Rechtsauskunft einer islamischen Autorität.

Ob Blancho dazu überhaupt befugt ist, ist eine andere Frage. Sowohl dem IZRS wie auch Blancho wird von vielen Muslimen in der Schweiz jegliche Repräsentationsfunktion abgesprochen.

Dennoch: Die Videobotschaft (siehe oben) mit dem Titel «Die Shari’a verbietet Gewalt gegen Unbeteiligte» fällt auf. Darin widerspricht Blancho dem IS. Der Islam lade nicht dazu ein, Unrecht mit Unrecht zu vergelten.

Legale Mittel trotz «falscher» Luftangriffe

Die von den USA geführten Luftangriffe gegen Syrien seien zwar «falsch und gefährlich». Sie würden von den Syrern und der islamischen Gemeinschaft im Allgemeinen einhellig abgelehnt. In der Schweiz lebten Muslime aber in Freiheit und Sicherheit. Die Bundesverfassung schütze die Ausübung des islamischen Kultus. Die Muslime träten dadurch in einen Vertrag ein, der ihnen auferlegt, diesem Land keinen Schaden zuzufügen.

«Unseren Kampf führen wir mit legalen Mitteln, dem Dialog und der öffentlichen Kommunikation», sagt Blancho. Insbesondere dürfe niemand die «aktuell islamophobe Lage» ausnutzen, um Gewalt zu schüren. Vielmehr solle die Islamophobie, die in diesem Land herrsche und eine «quälende Ungerechtigkeit» darstelle, «im Rahmen der Rechtsordnung unnachgiebig bekämpft» werden. Blancho nennt das Minarettverbot und die «Kampagnen gegen den Hijab», also die Verschleierung der Frauen, sowie Diskriminierung auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt.

Das solle aber niemandem als Vorwand dienen, «Gewalt gegen dieses Land, gegen seine Bürgerinnen und Bürger oder seine Interessen auszuüben». Gott prüfe alle Muslime auf die eine oder andere Art. Die Prüfung der Schweizer Muslime sei es, trotz dieses «islamophoben Unrechts» dem Islam die Ehre durch bestes Verhalten, durch Freundlichkeit und Barmherzigkeit zu erweisen – auch gegenüber jenen, «die uns aus irrationalen oder weltanschaulichen Beweggründen nicht respektieren».

Gewalt nur zur Verteidigung

Ein gewalttätiger Kampf ist laut Blancho nur legitim, wenn Muslime gewalttätig angegriffen werden. Ausserdem müsse ein solcher Kampf der Verteidigung dienen. «Ein Aufruf zu Gewalt und zur Tötung von unbeteiligten Nicht-Muslimen ist aus islamisch normativer Sicht nicht haltbar», erklärt Blancho. Die Koranverse seien in dieser Sache eindeutig und schlössen eine andere Interpretation «kategorisch» aus. Der IZRS-Präsident leitet diesen Schluss danach anhand mehrerer Verse detailliert her.

Den Muslimen in der Schweiz sagt Blancho «unmissverständlich»: «Jeglicher Gewaltakt an Nicht-Muslimen aufgrund von Adnanis Aufruf ist für jeden Muslim ‹Haram›, also absolut verboten.» Die hiesigen Muslime sollten stattdessen die Garantie der Sicherheit und des gesellschaftlichen Friedens nicht nur passiv konsumieren, sondern aktiv verteidigen und dafür einstehen. Es gelte auch, mögliche «Taten eines ideologisch verwirrten Einzeltäters» zu verhindern, damit den Muslimen in der Schweiz nicht auch noch das Stigma der Gewalt anlaste.

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