Blatter tanzt nicht mehr

Langsam lichtet sich der Nebel. So zerstörte Sepp Blatter, der ehemalige Präsident des Weltfussballverbandes Fifa, sein Lebenswerk.

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«Vielleicht frisst diese Reform sogar ihre Eltern.»Mark Pieth, 2013

Sepp Blatter denkt nach. Er hat den Zürcher Sonnenberg als Ort des Treffens vorgeschlagen, zwei Kollegen interviewen ihn im kleinen Saal für die «SonntagsZeitung». Blatter wirkt lockerer als in seiner Amtszeit, blauer Blazer, offenes Hemd, Jeans und Wildlederschuhe, kleines weisses Bärtchen, die Augen weniger traurig als noch im ZDF-«Morgenmagazin». Vor Beginn des Gesprächs lockert er sich zusätzlich mit einem Kinderreim: «Herr von Hagen, darf ich fragen, welchen Kragen Sie getragen, als Sie lagen, krank im Magen, im Spital von Kopenhagen?»

Er selber lag vergangene Woche im Spital von Zürich, musste sich am Rücken operieren lassen, nachdem eine zerdrückte Bandscheibe einen Nerv eingeklemmt hatte. Jetzt ist er auf dem Weg der Besserung, aber die Knie schmerzen. Er tanzt nicht mehr frühmorgens, wie noch in der Zeit, bevor sein «Hüüs», wie er es nennt, Ende Mai des vergangenen Jahres zusammenbrach.

Hier am Sonnenberg hat er ein Heimspiel. Wirt Jacky Donatz trinkt vor dem Gespräch einen Espresso mit, dabei ist auch sein Berater und Biograf Thomas Renggli. Draussen ist es neblig an diesem Mittwoch im ehemaligen Fifa-Land. Auf allen ­Tafeln und Schildern ist noch immer Blatters ­Botschaft zu lesen, obwohl der Fifa-Hauptsitz seit bald zehn Jahren schon beim Zoo vorne ist: «For the Game, for the World». Jeder private Parkplatz scheint hier noch für die Fifa reserviert, jeder Buchsbaum imitiert die runde Ballform.

17 Jahre stand Sepp Blatter dem Weltfussballverband als Präsident vor. Foto: Urs Jaudas

Im Raum steht die Frage, ob er von seinem Amt womöglich nicht mehr loslassen konnte, nachdem er 17 Jahre ganz oben sass. Nachdem er alles erreicht hatte, wovon Buben normalerweise träumen: persönlichen Reichtum, weltweite Anerkennung, die besten Plätze auf allen Ehrentribünen dieser Welt, sich mit Papst, UNO-Generalsekretär und Staatsmännern auf Augenhöhe zu treffen und seinen Anteil daran zu haben, dass der Fussball mit 1,5 Milliarden Aktivisten zur weltweit wichtigsten und am besten kommerzialisierten Sportart wurde. Auch den letzten Kaiser habe er getroffen, Japans Hirohito, ergänzt Blatter. Er, der Sohn eines Werkmeisters bei Lonza im Oberwallis. 1975 war er als Mar­ketingspezialist in die Fifa eingetreten, vom damaligen Schweizer Generalsekretär Helmut Käser mehr geduldet als geliebt. In den folgenden vierzig Jahren wurde aus einem kleinen Sportverband mit Vereinsrevisor eine globale Unternehmung mit ei­nem Milliardenvermögen – im Visier der US-Justiz.

Die WM brachte jeweils 4 Milliarden

Denn das Wichtigste hat Blatter nicht geschafft: den Weltfussballverband über jeden Verdacht erhaben zu machen. Die Fifa ist mit der Globalisierung und der weltweiten TV-Liberalisierung des Fernsehens zu rasch gewachsen, die Weltmeisterschaft bringt im Vierjahreszyklus aus Sponsoring und Verwertungsrechten einen Umsatz von gegen 4 Milliarden Franken ein. Demgegenüber steht eine undurchsichtige, auf den Präsidenten fokussierte Vereinsstruktur. Blatter sah den Weltfussballverband, wie ein Freund sagt, als Verlängerung seiner Person.

Das entpuppte sich als gefährlich, spätestens dann, als die amerikanische Justiz die Fifa als mafiose Organisation einzustufen drohte. Dabei gab es vor seiner Wiederwahl 2011 Hoffnung, dass in seiner letzten Amtszeit alles neu werden sollte. Dass aus dem Weltfussballverband eine transparente, nach allen Regeln der guten Unternehmungsführung kontrollierte Organisation würde. Dass Blatters Amtszeit nach 13 schummrigen Jahren mit vier hellen Jahren abgeschlossen würde und er, der Präsident, die Fifa 2015 gefeiert durch die ­Vordertür verlassen würde.

Die Hoffnung beginnt mit einem Brief. Mark Pieth schreibt ihn zu Beginn des Jahres 2011 an Joseph S. Blatter, Präsident des Weltfussballverbands Fifa. Pieth ist bereit, sein Expertenwissen zur ­Reform der Fifa nach allen Regeln der guten ­Geschäftsführung einzubringen. Auf die Idee kam Thomas Borer, der seit seiner Erfahrung in der Taskforce zu den nachrichtenlosen Konten weiss, dass die amerikanische Justiz Zähne hat und späte Einsichten schmerzhaft werden können. Pieth ist einer der international führenden Experten bei der Bekämpfung von Korruption, er leitete die OECD-Arbeitsgruppe gegen Bestechung im internationalen Geschäftsverkehr während zweier Jahrzehnte.

Sepp Blatter 2015 am Sepp-Blatter-Turnier in Ulrichen VS. Foto: AFP

Blatter zögert monatelang, Pieth zu antworten. Er ist damit beschäftigt, die Stimmen für seine ­Wiederwahl am Fifa-Kongress im Juni zu sichern. Dafür muss er die Mitglieder und Präsidenten der wichtigsten Kontinentalverbände bei Laune halten. Mit Mohamed bin Hammam ist ihm ein gefährlicher Gegenkandidat erwachsen, der daran ist, Stimmen für seine eigene Kandidatur zu organisieren, später auch einzelne Stimmen kaufen will. Michel Platini ist ein weiterer Rivale, zwanzig Jahre jünger als Blatter, der von ihm präsidierte europäische Fussballverband Uefa vereinigt über fünfzig Stimmen.

Platini hat ihn 1998 in der Kampfwahl gegen den früheren Uefa-Präsidenten Lennart Johannson unterstützt und 2007 Johannson auch bei der Uefa gestürzt. Danach stand er Blatter um die Jahrtausendwende während zweier Jahre als Berater zur Seite. Ein Mandat, per Handschlag abgemacht, wie es der Walliser liebt, einen schriftlichen Vertrag gibt es nicht. Das Honorar von umgerechnet 2 Millionen Franken bleibt neun Jahre unbezahlt, eine Rückstellung dafür wird nicht gemacht – bis sich Platini Ende 2010 ans offene Honorar erinnert.

Nachdem bin Hammams versuchter Stimmenkauf im Mai öffentlich wird, zieht sich der jordanische Gegenkandidat sechs Wochen vor dem Fifa-Kongress zurück. Nach diesem Rückzug wird Blatter mit Platinis Unterstützung glanzvoll wiedergewählt. Nun erinnert er sich an Pieths Angebot und lädt den Basler Korruptionsbekämpfer zu einem Besuch am Fifa-Hauptsitz ein. Pieth schlägt für den privaten Verein eine moderne Organisation mit ­unabhängigen, kontrollierten Mandatsträgern vor: Die vom Tessiner Juristen Claudio Sulser, dem ehemaligen Spitzenfussballer und Blatter-Vertrauten, präsidierte Ethikkommission soll künftig mehr sein als ein Feigenblatt. Eine Finanzkommission soll die Rechtmässigkeit der Verpflichtungen überwachen, insbesondere auch der Auszahlung von Löhnen, Honoraren und Boni. Ein Nomination Committee soll die Integrität und Unabhängigkeit der Funktionäre prüfen. Pieth wird im Herbst beauftragt, zusammen mit einer Taskforce die neue Struktur bis zum Frühjahr im Detail auszuarbeiten.

Mit dieser Offensive hatte er sich selbst zerstört.

Das Regelwerk wird im März 2012 vorgestellt und entwirft den rechtlichen Rahmen für eine transparente Organisation. Blatter sieht die Chance, in den verbleibenden drei Jahren seiner Amtszeit zu verwirklichen, was er zuvor verpasst hat. Seine Kritiker bleiben skeptisch. Sie trauen ihm nicht zu, den Verband, den er im alten Stil vierzehn Jahre lang geprägt hat, in drei Jahren neu auszurichten. Auch einzelne Freunde raten ab: Sie fürchten, Blatter werde sich mit dieser Offensive selbst zerstören. Denn die designierten Vorsitzenden der beiden Kammern für Untersuchung und Urteil im Ethikkomitee sind unabhängig und unbestechlich: Hans-Joachim Eckert geniesst als Richter der Wirtschaftskammer am Münchner Strafgericht einen hervorragenden Ruf; Michael Garcia hat seinen Ruf erworben als harter Bundesstaatsanwalt im Southern District von Manhattan und späterer Mitarbeiter der Homeland-Security gegen die terroristische Bedrohung. Er wurde Blatter von Interpol empfohlen, mit der die Fifa bei der Aufklärung von Wettbetrügereien zusammenarbeitet.

Garcia hat sich inzwischen selbstständig gemacht, ist aber noch nicht in einer grossen Anwaltskanzlei untergekommen. Mit dem Fifa-Mandat sieht er die Chance zu seinem Auftritt auf der Weltbühne. Garcia und Eckert haben weitreichende Kompetenzen: Sie können Fifa-Funktionäre zwingen, ihre Konten offenzulegen. Wer Aussagen verweigert, kann gesperrt werden. Ende 2014 legen sie ihren Bericht vor mit Fokus auf die Vergabe der Weltmeisterschaften von 2018 in Russland und 2022 in Katar. Garcias 350-seitiger Bericht bleibt unveröffentlicht, Eckerts Zusammenfassung ist für ihn so unbefriedigend, dass er sein Amt niederlegt.

Wie ein Sonnenkönig

Am Jahreskongress im Juni 2013 in Mauritius werden die internen Ethik- und Compliance-Komitees abgesegnet. Nicht alle Delegierten sollen sich dabei bewusst gewesen sein, was sie gutheissen. Blatter selber sagt im Rückblick: «Ich hätte nicht akzeptieren sollen, dass auch der Präsident durch das Ethikkomitee abgesetzt werden kann. Schliesslich ist er vom Kongress gewählt.» Korruptionsexperte Pieth hält dieses Verständnis der Präsidentenrolle für veraltet, «nicht absetzbar war nur der Sonnenkönig». Deshalb setzte er auf griffige Regeln. «Es gab damals so viele Rechtsdarlegungen, am Ende hatte ich genug und akzeptierte», sagt Blatter.

Pieth schlägt auch vor, dass die Integrität künftiger Kandidaten durch ein unabhängiges Nomination Committee überprüft wird, die Amtszeit von Funktionären an der Fifa-Spitze beschränkt und eine Altersgrenze in diesen Ämtern eingeführt wird. Vorab die Beschränkung der Amtszeit hält er für wichtig, weil sich während langer Amtszeiten Seilschaften bilden oder wie er es in der «NZZ am Sonntag» formuliert: «Wer sich finden will, wird sich finden.»

Was Pieth nicht weiss: Blatter und Platini haben sich um die Jahrtausendwende schon gefunden in der Absprache, dass der Franzose den Schweizer an der Fifa-Spitze am Ende von dessen Amtszeit ablösen werde. Diese Ablösung steht 2015 an. Nun stellt sich die Frage, wann dieser Vorschlag für die Nachfolge bekannt gegeben werden soll, um Platini eine möglichst gute Ausgangslage für den Kongress in Zürich zu verschaffen. Platini drängt auf eine ­Bekanntgabe vor der WM 2014 in Brasilien – das würde ihm ermöglichen, dort schon für seine ­Kandidatur zu weibeln. Blatter wiederum will die WM in Brasilien noch ohne Ablaufdatum seiner Amtszeit in vollen Ehren geniessen.

Geschah es aus Liebe?

So wird am Sepp-Blatter-Turnier von Ende August 2013 im Obergomser Bergdorf Ulrichen für einmal nicht das Spiel zwischen einer Fifa-Auswahl und ehemaligen Schweizer Fussballstars zum emotionalen Höhepunkt. Auch nicht die Auftritte des damals noch unbelasteten Franz Beckenbauer, von Günter Netzer, Fritz Künzli und Monika Kälin, nicht die 80 Kilo Raclettekäse und 800 Würste und nicht die 500 Hostien, die Abt Martin Werlen und Pfarrer Toni Carlen im Feldgottesdienst in der Mehrzweckhalle verteilen. Emotionaler Höhepunkt wird das vertrauliche Frühstück der beiden langjährigen Getreuen Platini und Blatter, der eine ­vermeintlich gesetzt als Nachfolger des anderen. Michel Platini ist eigens dafür angereist.

Konnte Blatter nach 15 Jahren einfach nicht loslassen?

Es endet auf Platinis Seite mit einer Enttäuschung: Blatter bleibt unverbindlich, was die Nachfolge betrifft – er mag sich nicht mehr an seine ­Zusage erinnern, das Präsidentenamt 2015 zu übergeben. Der Präsident liebäugelt mit einer fünften Amtszeit über seinen 80. Geburtstag hinaus. Was ihn dazu bewog, bleibt sein Geheimnis. Blatter selber äussert sich darüber in der von ihm autorisierten Biografie* nur sibyllinisch, sowohl seine Tochter Corinne wie auch seine «Lady» (die neue Partnerin Linda Gabrielian) hätten ihm abgeraten. Freunde sehen das anders: Er hat Linda Gabrielian in der Rolle des Königs kennen gelernt und meint, für ihre Liebe in der Rolle des Königs bleiben zu müssen. Ausserdem hat Platinis Schwenker bei der Vergabe der WM 2022 nach Katar zur Belastungsprobe im Verhältnis der beiden Freunde geführt. Blatter wollte diese WM in die USA vergeben. Platini war vom damaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy verpflichtet worden, Katars Kandidatur aus nationalem Interesse zu unterstützen, und zog weitere Delegierte in dieses Lager. Er begründete die Kehrtwende gegenüber Blatter, dass er sich einer Weisung seines Staatspräsidenten nicht habe ­widersetzen können.

Platini begann in seiner Rolle als vermeintlich gesetzter Nachfolger in Blatters letzter Amtszeit dem Präsidenten auch mehr und mehr dreinzureden. «Er war ein Star, als ich ihn kennen lernte, und blieb einer, als wir zusammenarbeiteten. Und Stars sind nun mal unberechenbar», sagt Blatter im Rückblick, «mal umarmte mich Platini herzlich, dann ging er wieder auf Distanz.» Nach der WM in Brasilien soll ihm Platini mitgeteilt haben, dass er für seine Nachfolge nicht mehr zur Verfügung stehe. «Da musste ich für eine weitere Amtszeit kandidieren, weil kein anderer Kandidat da war, der die breite Unterstützung der Kontinentalverbände gehabt hätte. Fünf von sechs Konföderationen sagten, jetzt müsse ich nochmals kommen.»

Platinis Rückzug erstaunt. Schliesslich tut er vorher und nachher alles, um Blatters Nachfolge anzutreten, und kämpft auch vehement gegen seine ­Suspendierung und für die Aufhebung der Sperre. «Man hätte das zusammen machen müssen», sagt Blatter, «wir waren ja im gleichen Fall drin. Aber Platini ging mit grossem Tempo voraus, ohne sich mit mir abzusprechen.» Als ob er eine Antenne gehabt hätte für das, was danach passierte: «Platini sagte meinem Bruder kurz vor meiner letzten ­Wiederwahl, ich solle nicht mehr kandidieren, und deutete Handschellen an.»

Einer griechischen Tragödie gleich

Die Frage bleibt im Raum stehen: Konnte Blatter nach Jahren im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit nicht mehr loslassen? «Das stimmt schon, man gewöhnt sich daran», sagt Blatter, «aber dann wurde ich ja krank und habe aufgehört zu kämpfen.» Deshalb will er seine sechsjährige Sperre von allen Fussballplätzen dieser Welt nun nicht vor Bundesgericht anfechten. Diese Woche hat der unabhängige internationale Sportgerichtshof CAS die Fifa-Sanktion gegen ihren einstigen Präsidenten bestätigt.

Blatters Biograf Thomas Renggli hält dieses Urteil für den entscheidenden Moment in einer griechischen Tragödie. Zum Verhängnis wurden dem Walliser im Vergleich zu anderen inzwischen bekannt gewordenen Schmierzahlungen an Fifa-Funktionäre und auch zu den Boni in zweistelliger Millionenhöhe schon nahezu Kleinigkeiten: die Honorarzahlung an Platini im Jahr 2011 für tatsächliche oder angebliche Beraterdienste zwischen 1999 und 2001, korrekt abgewickelt mit allen notwendigen Visa und AHV-Abzug, aber ohne schriftlichen Vertrag und nach neun Jahren auch ohne zwingenden Rechtsgrund. Zu billig vergebene TV-Rechte für die WM 2010 und 2014 an den ehemaligen Präsidenten des nord- und zentralamerikanischen Fussballverbands Concacaf, Jack Warner, wo auch jede kleine Karibikinsel ihre Stimme hat. Blatter sagt dazu, die Hälfte des Überschusses, den Jack ­Warner mit dem Weiterverkauf erzielt habe, sei an die Fifa zurückgeflossen.

«Ich habe nicht gesehen, was auf uns zukommt». Sepp Blatter. Foto: Urs Jaudas

Jetzt ist Blatter Privatier, achtzigjährig, der Bewegungsapparat macht ihm zu schaffen. Er steht wie zu seiner Amtszeit täglich noch in aller Frühe auf, wie es ihn der Vater gelehrt hat, wenn er zur Frühschicht in die Fabrik aufbrach. «Danach strecke ich mich und laufe ein bisschen, bis der Bewegungsapparat auf Touren kommt», sagt er. Tanzen wie noch in jenem Morgengrauen, als er nicht wusste, dass die Bundespolizei eben sieben Funktionäre im Baur-au-Lac verhaftete, ist gegenwärtig nicht mehr angesagt.

«Ich habe nicht gesehen, was auf uns zukommt», sagt Blatter, «meine Antennen blieben stumm, weil ich an die Güte der ­Menschen geglaubt habe.» Er habe sein Lebenswerk selbst zerstört, sagt ein Freund. Die Fifa hätte das griffige Ethikkomitee mit den zwei Kammern nicht zu rückwirkenden Untersuchungen ermächtigen müssen, sondern erst ab Beschluss. Korruptionsexperte Pieth hält das für fraglich, weil die Fifa zuvor schon Ethikregeln hatte, die allerdings nicht präzise genug waren. «Pieth hat einen Vorteil», sagt Blatter, «er ist Bündner. Aber er ist auch Bergler, das bin ich nicht.»

«Man kann alles bereuen, was man im Leben gemacht hat», sagt Blatter zum Abschied, «aber zurückdrehen kann man das Rad der Geschichte nicht.»

Thomas Renggli: Sepp Blatter – Mission und Passion Fussball. Zürich 2016.

Das Sonntagsgespräch mit Sepp Blatter –morgen in der «SonntagsZeitung».

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.12.2016, 18:10 Uhr

In Zahlen

1,5 Milliarden

1,5 Milliarden Menschen sind weltweit in 200 Ländern
im Fussball engagiert. Von ihnen spielen rund 300 Mil­lionen aktiv in 325'000 Vereinen. Damit ist Fussball die beliebteste Sportart der Welt.

41 Jahre

Während über vier Jahrzehnten arbeitete Sepp Blatter für die Fifa. Der Ökonom arbeitete unter Präsident João Havelange als Generalsekretär, ab 1998 war er während 17 Jahren selber Präsident. Bei Blatters Firmeneintritt war die Fifa ein kleiner Verein mit 20 Millionen Franken Schulden. Bei seinem Rücktritt 2015 zählte sie 450 Festangestellte und ein Vermögen von 1,5 Milliarden.

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