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Blatters Mission gegen Burundis Diktator – im Auftrag des EDA

Neuen Enthüllungen zufolge soll Sepp Blatter als Geheimwaffe der Schweiz gegen Burundis Präsident Pierre Nkurunziza eingesetzt worden sein.

Er sollte die Fäden im Hintergrund ziehen: Blatter bei einer Pressekonferenz der Fifa. (17,Mai 2016)
Er sollte die Fäden im Hintergrund ziehen: Blatter bei einer Pressekonferenz der Fifa. (17,Mai 2016)
Anja Niedringhaus, Keystone
Er schlug Blatters Angebot aus: Präsident Pierre Nkurunziza wartet, um seine Stimme für die Präsidentenwahl abzugeben. (21. Juli 2015)
Er schlug Blatters Angebot aus: Präsident Pierre Nkurunziza wartet, um seine Stimme für die Präsidentenwahl abzugeben. (21. Juli 2015)
Berthier Mugiraneza, Keystone
Schwer bewaffnete Polizei gehört zum Stadtbild in Bujumbura. (12. April 2016)
Schwer bewaffnete Polizei gehört zum Stadtbild in Bujumbura. (12. April 2016)
cds, AFP
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Neben seinem Amt als Präsident des Weltfussballverbands Fifa hatte Sepp Blatter weniger bekannte, fast geheime Missionen. Wie er in seinem heute erschienenen Buch «Sepp Blatter – Mission & Passion Fussball» enthüllt, war er auch im Auftrag des EDA und der Vereinigten Staaten unterwegs. Zumindest einmal. Wie der «Blick» berichtet, sollte Blatter Pierre Nkurunziza, den Präsidenten Burundis, davon abhalten, für eine dritte Amtsperiode zu kandidieren.

Der afrikanische Staat Burundi ist seit 2005 in der Hand des Machthabers Nkurunziza, einem grossen Anhänger des Fussballsports. Obwohl es im ostafrikanischen Staat untersagt ist, sich ein drittes Mal als Kandidaten aufzustellen, kündigte Nkurunziza genau dies im April 2015 an. Darauf folgte ein Putschversuch von General Gode­froid Niyombare, der jedoch erstickt werden konnte.

Botschafter des afrikanischen Fussballs

Als der Despot sich als Kandidat für seine dritte Amtsperiode aufstellte, kontaktierte EDA-Staatssekretär Yves Rossier Sepp Blatter. Er sollte es schaffen, den fussballbegeisterten Pierre Nkurunziza von der umstrittenen Kandidatur abzuhalten. Als Anreiz unterbreitete Blatter Nkurunziza ein Angebot «vor Zeugen», so der Walliser zum «Blick», «als Botschafter für den Fussball in Afrika oder auf der ganzen Welt» agieren zu können. Das EDA bestätigt eine Kontaktaufnahme: «Das EDA bestätigt die Anfrage von Herrn Rossier an Herrn Blatter», so Sprecherin Isella gegenüber «Blick».

Gemäss Blatter handelte das EDA im Auftrag der Vereinigten Staaten: «Aufgrund einer Anfrage der Amerikaner», so der Ex-Fifa-Chef. Isella will dies weder bestätigen noch dementieren: «Über die mögliche Rolle allfälliger weiterer Staaten können wir keine Auskunft geben.»

Die Bewahrung des auf wackligen Beinen stehenden Friedens in Burundi ist die Aufgabe der Schweiz in der UNO. In ihrer Aufgabe als Leiterin der Burundi Configuration versucht die Schweizer Regierung, den afrikanischen Staat vor einem Bürgerkrieg zwischen den verfeindeten Stämmen der Hutu und Tutsi zu bewahren. Nicht nur der Zustand des Landes, auch jener des Präsidenten wird als instabil eingeschätzt. Um seine Gegner davon abzuhalten, sich beim gemeinsamen Joggen gegen ihn zu verschwören, verhängte Nkurunziza 2014 ein landesweites Joggingverbot.

Gewalteskalation in Burundi

Die Enthüllung von Blatters Rolle soll aber die sonst streng diskrete Diplomatie und Geheimhaltung in aussenpolitischen Einsätzen nicht gefährden. Denn obwohl Sprecherin Isella zugibt, es sei «nicht unüblich, auch Nicht-Diplomaten beizuziehen, wenn diese aufgrund ihrer Erfahrungen und Beziehungen zur Lösung eines Problems beitragen können», betont sie gleichzeitig: «Das EDA hat Präsident Nkurunziza nicht aufgefordert, sich nicht mehr zur Wahl zu stellen.» Dass dieser Satz zutrifft, hat erst Blatters Involvierung möglich gemacht.

Blatters diplomatische Mission scheiterte jedoch. Burundis Machthaber schlug sein Angebot aus und entschied sich stattdessen fürs Präsidentenamt, das er seit letztem Juli wieder innehat. Die Opposition weigerte sich, das Resultat zu akzeptieren. Auch US-Präsident Barack Obama betrachtete die Wahl als «nicht glaubwürdig». Seit der Wahl nimmt die Gewalt in Burundi immer weiter zu, bereits über 200'000 Menschen sind aus dem Land geflüchtet.

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