Der Thinktanker

Nicola Forster dopt als Spindoktor die Schweiz mit Ideen.

Nicola Forster sammelt mit Foraus professionell Ideen zur Aussenpolitik, bringt sie an die richtigen Leute, schafft Öffentlichkeit. Foto: PD

Nicola Forster sammelt mit Foraus professionell Ideen zur Aussenpolitik, bringt sie an die richtigen Leute, schafft Öffentlichkeit. Foto: PD

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Er sticht heraus. Mit seinen 1,93 Meter Körpergrösse, akzentuiert von einer Krone sich zur Decke krümmender Locken, überragt Nicola Forster seine Mitstreiter oft deutlich. So auch am Montag im Medienzentrum des Bundeshauses. Forsters Thinktank Forum Aussenpolitik (Foraus) stellte den Konkordanzartikel vor; eine Idee seiner Mitstreiter Tobias Naef und Maximilian Stern, wie sich die Masseneinwanderungsinitiative umsetzen liesse, ohne die Bilateralen zu gefährden. Vorgetragen von einer Batterie junger Leute wie Forster selber, aufgeweckt, rotwangig und engagiert, stiess der Vorschlag bei Politikern von Mitte-rechts bis Mitte-links auf Anklang. Forsters Lockenkrone war mittendrin und überragte sie.

Es ist ein wiederkehrendes Motiv im Leben des 31-Jährigen. Im ersten Gymnasium stach der Sohn eines Schulpsychologen und einer Lehrerin heraus, weil ihn der Unterricht so tödlich langweilte, dass er von der Schule flog. Er schaffte die Matur im zweiten Anlauf doch noch, gefolgt von einem Jus-Studium samt lukrativen Stellenangeboten, die er ablehnte. Weil ihn die Juristerei ebenfalls langweilte. Er wollte anderes – er wusste bloss noch nicht, was.

Die Lösung fand Forster 2009 bei der Jugendkampagne zur Osterweiterung der Personenfreizügigkeit. Er koordinierte das Ganze und war begeistert. Schon immer hatte er gerne diskutiert, Leute und Ideen zusammengebracht. Jetzt erkannte er, dass man damit auch etwas bewirken kann. Forster beschloss, sich fortan auf das zu konzentrieren, wofür er sich begeistern kann. Seither sammelt er mit Foraus professionell Ideen zur Aussenpolitik, bringt sie an die richtigen Leute, schafft Öffentlichkeit.

Wo verworrene politische Situationen nach smarten Ideen verlangen, ist Foraus nicht weit. Der sichtbarste Erfolg bislang war die Lancierung der Operation Libero, dem aktivistischen Spin-off des politisch unabhängigen Thinktanks. Operation Libero machte Wind gegen die Durchsetzungsinitiative und entscheid schliesslich die Abstimmung. Dies ist denn auch die wichtigste Lektion aus sieben Jahren Foraus: «Ich kann oft mehr erreichen, wenn ich nicht selber vorn stehe, sondern eine Plattform biete für die Ideen vieler kluger Köpfe. Ich bin eher der Spindoktor.»

Sein Ding ist, Sachen anzustossen, aufzubauen und dann weiterzuziehen. Nur bei Foraus macht er eine Ausnahme, obschon er in einem normalen Job weit mehr Geld verdienen könnte als jetzt: Bestens vernetzt wie er ist, mit Kontakten bis in die höchsten politischen Gremien im In- und Ausland, läge diese Option auf der Hand. Viele seiner Mitstreiter nutzen denn auch das Karriere-Sprungbrett Foraus. Doch Forster bleibt als Präsident – und sticht auch damit heraus.

Vielleicht, weil ihn nicht in erster Linie Geld, sondern die Lust an der Sache motiviert. Und weil ihn die Erkenntnis begeistert, was man in verfahrenen Situationen mit Geist und motivierten Mitstreitern bewirken kann. Dazu braucht es nicht viel. Man muss bloss ein bisschen über die Menge hinausragen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.04.2016, 18:10 Uhr

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