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Blocher übt Selbstkritik

Der SVP-Übervater gibt sich nach den Wahlverlusten selbstsicher – und doch schlägt Christoph Blocher ungewohnte Töne an: Die Partei sei überheblich und bequem geworden.

Die SVP muss sich an der eigenen Nase nehmen: Christoph Blocher sieht im Wahlresultat einen heilsamen Schock.
Die SVP muss sich an der eigenen Nase nehmen: Christoph Blocher sieht im Wahlresultat einen heilsamen Schock.
Keystone

SVP-Doyen Christoph Blocher hat sich in seinem Online-Kanal Teleblocher zum Wahlresultat seiner Partei geäussert. Die SVP verlor am vergangenen Wochenende über 2 Prozent Wähleranteile. Ihr erklärtes Ziel, die 30-Prozent-Marke zu knacken, verfehlte die wählerstärkste Partei damit. «Man steckt sich immer zu hohe Ziele. Alle Parteien hatten solche Ziele», sagt Blocher im Interview mit seinem Haus-Journalisten Matthias Ackeret.

Es gebe aber «nichts zu wollen» – die SVP habe zum ersten Mal Anteile verloren. Das liege an den beiden neuen Parteien, der GLP und der BDP: «Immer, wenn Neue kommen, verlieren die Alten.» Die einst dominierenden Parteien FDP und CVP aber hätten das schlechteste Ergebnis aller Zeiten eingefahren. Dass darüber in der Öffentlichkeit nicht diskutiert werde, sei dem «Einheitsbrei der Medien» zu verdanken, so Blocher. So weit, so gut – nichts neues aus Herrliberg.

«Bequemlichkeit, Erstarrung, Überheblichkeit»

Dann aber schlägt Blocher bisher unbekannte Töne an. Von Ackeret auf die Kritik der sonst wohlwollenden «Weltwoche» unter dem Titel «Die Fehler der SVP» («...die SVP macht die Fehler, die sie ihren Gegnern selber vorhält: Überheblichkeit, inhaltliche Leere, Klotzerei, Erstarrung...») angesprochen, sagte Blocher: «In einer Partei, die 20 Jahre nur zulegt, kommen Bequemlichkeit, Erstarrung und Überheblichkeit auf. Das merkt man nicht, wenn man drinsteckt, sondern erst, wenn man einbricht.»

Sich 30 Prozent Wähleranteil als Ziel zu setzen sei wohl Ausdruck dieser Überheblichkeit gewesen. Zum «Weltwoche»-Vorwurf der «Klotzerei» sagt Blocher, es könne sein, dass die «Masseneinwanderung» an den Plakatwänden zu dominant und die Wähler sich erschlagen gefühlt hätten vom SVP-Wahlkampf. Man werde das jetzt «anschauen».

Kein Putschplan

Wer immer nur zulege, müsse auch einmal verlieren, damit die Schwächen zutage treten könnten. «Ich habe in den letzten Jahren eine grosse Bequemlichkeit bemerkt», so Blocher. Viele hätten den Erfolg als selbstverständlich betrachtet.

Von zunehmender Unzufriedenheit mit seiner Person oder gar einem Putschplan gegen ihn in der SVP will Blocher nichts wissen. Er sei überhaupt erstaunt, dass nach vierzig Jahren Parteiarbeit nicht mehr Leute unzufrieden seien mit ihm. Ausserdem komme man als SVP-Mitglied mit Kritik an Blocher am einfachsten zu öffentlicher Aufmerksamkeit: «Wenn einer nicht mehr so oft in den Medien kommt, dann sage ich, er soll doch etwas gegen mich sagen, dann komme er wieder einmal am Fernsehen.»

Zum Problem der fehlenden SVP-Kandidaten für die Bundesratswahl im Dezember, bei denen die Partei ihren zweiten Sitz zurückerobern will, sagt Blocher: «Ich bedaure natürlich, dass Caspar Baader abgesagt hat.» Es gebe aber durchaus weitere valable Kandidaten, die Wirtschafts- und Regierungserfahrung mitbringen. Das wichtigste ist für den SVP-Strategen aber, dass die Partei aus dem Wahlverlust lerne und ihre Strukturen wieder in Ordnung bringe.

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