«Blocher wollte diese Debatte provozieren»

In einem Interview bemühte SVP-Vizepräsident Christoph Blocher einen Vergleich mit den ­«Methoden der Nazis den ­Juden gegenüber». Was Partei­präsident Albert Rösti dazu sagt.

Albert Rösti nimmt seinen Parteikollegen in Schutz: «Es kann doch nicht sein, dass SVP-Vertreter und deren Sympathisanten im Wahlkampf derart beschimpft werden.»

Albert Rösti nimmt seinen Parteikollegen in Schutz: «Es kann doch nicht sein, dass SVP-Vertreter und deren Sympathisanten im Wahlkampf derart beschimpft werden.» Bild: Keystone

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Stein des Anstosses ist ein Interview, das am Samstag auch in dieser Zeitung erschienen ist. Darin kritisierte SVP-Vizepräsident Christoph Blocher, dass der Kampf der Medien gegen die SVP im Abstimmungskampf zur Durchsetzungsinitiative ihn in seiner «Radikalität an die Methoden der Nationalsozialisten den Juden gegenüber erinnert habe». Nachdem sich übers Wochen­ende der Israelitische Gemeindebund über den Nazivergleich empört hatte, begann es am Montag auch in der SVP selbst zu gären.

Albert Rösti relativiert

So betonten verschieden Vertreter der Volkspartei, dass ihnen die Aussagen von Blocher ­ zu weit gehen. Am deutlichsten wurde der Berner SVP-Nationalrat Erich von Siebenthal. «Es ist für mich völlig unverständlich und unangemessen, dass er einen solchen Vergleich zieht», betonte er gegenüber «Blick online». «Ich hätte es wahrscheinlich anders formuliert», betont der designierte SVP-Präsident Albert Rösti auf Anfrage dieser Zeitung.

Und nimmt dann seinen Zürcher Parteikollegen wortreich in Schutz: «Man muss den Hintergrund dieser Aussage berücksichtigen. Es kann doch nicht sein, dass SVP-Vertreter und deren Sympathisanten im Wahlkampf derart beschimpft werden.» Die SVP sei ja selber im Vorfeld der Abstimmung mit braunen Tendenzen in Verbindung gebracht worden, aber da habe sich niemand echauffiert. Deshalb verstehe er gut, dass Blocher halt auch auf derselben Schiene gefahren sei: «Christoph Blocher wollte diese Debatte provozieren.» Und es sei eine Tatsache, dass sich die ­Medien in unzulässiger Weise auf die Seite der Gegner gestellt hätten, ist Rösti überzeugt.

Keine Intervention nötig

Für Rösti gibt es deshalb auch keinen Grund, das Gespräch mit Blocher in dieser Sache zu suchen. Auf die Frage, ob der Zürcher nach diesem deplatzierten Vergleich noch als neuer, offizieller Chefstratege der SVP tragbar sei, wird Rösti bestimmt: «Sicher.» Christoph Blocher habe in dem Interview sehr interessante Aussagen und Überlegungen präsentiert: «Zudem gibt er sich ja auch sehr versöhnlich und betont, dass die SVP durchaus bereit sei, Verantwortung zu übernehmen.»

Es ist nicht das erste und wird wohl auch nicht das letzte Mal sein, dass Blocher die Nazizeit für seine Argumentation bemüht. 2013 verglich er seinen Kampf gegen den «schleichenden EU-Beitritt» mit der Verteidigung der Schweiz im zweiten Weltkrieg: «In der Nazizeit hatten wir einen äusseren Feind, jetzt haben wir einen inneren. Wenn man das macht, was der Bundesrat vorhat, müssen wir die Schweiz auf­geben.»

Erstellt: 19.04.2016, 06:10 Uhr

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