Blochers Auftritt irritiert selbst die eigenen Leute

Es rumpelt derzeit in der Schweizerischen Volkspartei. So, dass auch mal Kraftausdrücke fallen.

«Unsere Gletscher schmelzen, ja ...»: Christoph Blochers Medienkonferenz stösst intern auf Kritik.
Video: Walter Bieri/Keystone

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«Solange er ständig reinschreit, finden wir nicht mehr zu unserer alten Stärke zurück. Er soll endlich den Mund halten», bricht es aus einem SVP-Parlamentarier hervor. Die Rede ist von Christoph Blochers gestrigem Medienauftritt, und der lässt in der Bundeshausfraktion niemanden kalt.

Andere Stimmen sind allerdings nüchterner: Manche konstatieren, dass dem Partei-Übervater der Rückzug aus der Politik allzu schwerfalle. Andere kritisieren den fehlenden inhaltlichen Gewinn der Pressekonferenz.

Konfliktthema Klimawandel

Ein Thema beschäftigt aber so gut wie alle: das Verhältnis zwischen Basis und Parteispitze. Und dieses Thema kommt ohne den Namen Blocher nicht aus, noch immer nicht. «Wenn wir im Herbst verlieren, hat das nichts mit unserer Basis zu tun», sagt der Thurgauer Nationalrat Markus Hausammann. «Darum ist es nicht schlechter, wenn sich nun anstelle der installierten Parteileitung Blocher selber äussert.»

Hausammann stimmt Blocher zu, dass der Klimawandel kein SVP-Kernthema werden müsse. Seine Partei müsse aber die Anliegen der Klimabewegung «als begründet» wahrnehmen. Auch der Schaffhauser Ständerat Hannes Germann möchte nicht darüber diskutieren, ob es den Klimawandel überhaupt gibt. «Das merkt doch jedes Kind.»

«Die jüngsten Machtdemonstrationen lösen bei der Basis Kopfschütteln aus.»Hannes Germann, Ständerat SH

Germann plädiert dafür, «wieder näher an die Basis zu gehen und auch Lösungen aufzuzeigen». Der Hebel dazu müsse national angesetzt werden. «Die Wähler erwarten von uns Verlässlichkeit.» Kapriolen wie zuletzt beim Steuer-AHV-Deal oder bei der geplanten Franchisen­erhöhung kämen schlecht an. «Sie sind das Ergebnis einer zu zentralistischen Strategie. Auch die jüngsten Machtdemonstrationen lösen bei der Basis Kopfschütteln aus», sagt er.

Für den Solothurner Nationalrat Christian Imark befindet sich die SVP noch immer in der Transformation. Das Tagesgeschäft sei ein Selbstläufer, aber bei den grossen Linien zeige sich, dass der Partei «der Halt fehlt», weil die «Zepterübergabe» noch nicht stattgefunden habe. Vor diesem Hintergrund wertet Imark den Auftritt Blochers positiv: «Er wollte sich zurückziehen, hat nun aber gemerkt, dass das System ihn braucht.» (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 17.04.2019, 12:44 Uhr

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