Bündner Wahlen mit Trump

Polizeichef Walter Schlegel ist für die Sicherheit am WEF zuständig. Und: Er kandidiert für den Regierungsrat.

Hoffnungsträger für viele: Der Bündner Polizeikommandant Walter Schlegel. Foto: PD

Hoffnungsträger für viele: Der Bündner Polizeikommandant Walter Schlegel. Foto: PD

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«Auf diesen Schultern lastet der Weltfrieden», schrieb etwas pompös der «Blick» über Walter Schlegel. Der 55-Jährige ist seit 2012 Bündner Polizeikommandant und Sicherheitschef des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Personalunion. Damit ist er jeden Januar der wohl gefragteste Polizist der Schweiz: «Wie ist die Bedrohungslage?», «Wie viele Polizisten werden aufgeboten?», lauten jeweils die Fragen der Journalisten.

Bis vor kurzem sah es ganz danach aus, dass auch das diesjährige Treffen sicherheitspolitisch zwar wie immer anspruchsvoll, aber dennoch Routine werden würde. 2017 protestieren gerade mal 20 Personen in Davos gegen das Treffen, und auch in den Jahren zuvor gab es keine nennenswerten Anti-WEF-Demos. Vergangenen Dienstag war es mit der Routine vorbei: Mit Donald Trump hatte der berühmteste «Globalisierungsgegner» der Welt seinen Besuch in Davos angekündigt.

Schnell war auch Schlegel klar, dass der US-Präsident – wie bereits am G-20-Gipfel in Hamburg – friedliche und weniger friedliche Demonstranten anziehen würde. Nun könnte das berühmt-berüchtigte «Viehgatter» wieder zum Einsatz kommen. «Die Polizeischleuse in Fideris ist eine Option», sagte Schlegel dem «Bündner Tagblatt».

2003 fuhren über 1000 Globalisierungsgegner im Sonderzug Richtung Davos. Für die meisten sollte die Fahrt schon bald zu Ende sein. Vor dem Bahnhof von Landquart erwartete sie eine imposante Kulisse: Militärhelikopter, Doppelabschrankungen und Polizeisondereinheiten. Wer weiterfahren wollte, musste sich in Fideris kontrollieren lassen. Doch die teils vermummten Demonstranten weigerten sich: «Durch diese Viehgatter gehen wir nicht!» Die Wut entlud sich in der Hauptstadt: Statt Davos «brannte» Bern.

Schlegel steht aber dieses Jahr nicht nur wegen Trump national unter besonderer Beobachtung. Letzte Woche wurde der Jurist von der SVP Graubünden einstimmig zum Regierungsratskandidaten nominiert. Im Juni soll er einen der fünf Regierungssitze erobern und damit «das verkrustete und fragwürdige Machtkartell der übrigen vermeintlich bürgerlichen Parteien erfolgreich knacken», wie es der Bündner SVP-Präsident Heinz Brand laut der «Südostschweiz» formulierte. Dabei setzt die Volkspartei alles auf eine Karte: Sicherheit. Schlegel sei einer, der «mit Sicherheit Vertrauen schaffen will».

Aber nur schon eine kleine Sicherheitspanne, die Trump zu einem wütenden Tweet über Davos und seine angeblich «traurige» Organisation veranlassen würde, könnte eine neue Dynamik in den Bündner Wahlkampf bringen. Davon lässt sich Schlegel nicht beirren: «Wir werden alles daransetzen, dass das WEF wie jedes Jahr reibungslos ablaufen kann.» Über den Wahlkampf mache er sich erst danach Gedanken.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.01.2018, 18:03 Uhr

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