Bund erschwert Arbeitsintegration von Asylsuchenden

Die Verteilung nach dem Zufallsprinzip schafft für Flüchtlinge Sprachbarrieren. Politiker wollen handeln.

Ein Asylbewerber aus dem Kongo bei der Arbeit auf einem Feld im Muotathal, Kanton Schwyz.

Ein Asylbewerber aus dem Kongo bei der Arbeit auf einem Feld im Muotathal, Kanton Schwyz. Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Seit die Flüchtlingszahlen 2015 gestiegen sind, bauen die Schweizer Behörden ihr Engagement für die Integration von Flüchtlingen stark aus. Während Bund und Kantone sehr viel mehr Geld ausgeben, werden andere Möglichkeiten zur Förderung der Eingliederung ausser Acht gelassen. Eine neue Studie der Universität Lausanne kommt zum Schluss, dass der Bund eine rasche Arbeitsintegration von Asylsuchenden teils selbst erschwert.

Obwohl zahlreiche Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in der Schweiz bereits eine Landessprache beherrschen – meist ist es Französisch –, verteilen die Behörden die Flüchtlinge nach dem Zu­fallsprinzip auf die Kantone. Dadurch kommt es immer wieder vor, dass perfekt Französisch sprechende Asylbewerber in die Ostschweiz gelangen und dort erst einen Deutschkurs besuchen müssen, bevor sie sich verständigen und sich um eine Arbeit bemühen können. Gemäss Studie der Universität Lausanne ist der Effekt dieser Fehlzuweisung «beeindruckend». Demnach haben Flüchtlinge mit Schweizer Sprachkenntnissen, die in die «richtige» Sprachregion zugewiesen werden, eine bis zu 20 Prozent höhere Chance, binnen zwei Jahren eine Arbeit zu finden.

Asylpolitiker wollen diesen Missstand nun korrigieren. Balthasar Glättli (Grüne) arbeitet an einem entsprechenden Vorstoss. Im neuen Asylverfahren erfolge die Verteilung auf die Kantone zu einem späteren Zeitpunkt. «Das bietet die Möglichkeit, auch den Verteilprozess zu verfeinern und die Sprachkompetenzen der Flüchtlinge in die Kantons­zuweisung einzubeziehen.» Auch SVP-Asylexperte Heinz Brand befürwortet eine stärkere Berücksichtigung der Sprachfähigkeiten von Asylsuchenden bei der Kantonszuteilung – jedenfalls unter gewissen Bedingungen: «Bei Asylsuchenden, die mit grosser Wahrscheinlichkeit lange in der Schweiz bleiben werden, fände ich es vernünftig. Es würde die Integration beschleunigen.»

Romandie im Nachteil

Das Staatssekretariat für Migration verteidigt die Verteilung nach dem Zufallsprinzip. Es stelle sicher, dass Gruppen von Asylsuchenden möglichst gleichmässig auf die Kantone verteilt würden. Würden die Sprachfähigkeiten der Asylsuchenden berücksichtigt, so würden die Westschweiz und das Tessin überproportional viele Personen aus West- und Nordafrika erhalten, die oftmals kein Bleiberecht erhielten. Das berge die Gefahr einer Ghettoisierung.

Erstellt: 09.04.2017, 23:20 Uhr

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