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Bund lehnt Praktikanten wegen zu viel Erfahrung ab

Wer während des Studiums arbeitet, hat nach dem Abschluss schlechte Karten beim Bund. Denn dieser will Studienabgängern mit wenig Berufserfahrung eine Chance geben.

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Der Bund will Absolventen ohne Erfahrungen: Die Nationalbibliothek in Bern direkt neben dem Bundesamt für Kultur. (3. Juli 2009)
Der Bund will Absolventen ohne Erfahrungen: Die Nationalbibliothek in Bern direkt neben dem Bundesamt für Kultur. (3. Juli 2009)
Gaetan Bally, Keystone

Nach der zweiten Stellenabsage rief Nina (Name geändert) beim Bund an. Weshalb wurde sie für ein Absolventenpraktikum beim Bundesamt für Kultur abgelehnt, wo sie doch bereits während des Studiums im Kulturbereich gearbeitet hatte?

Es stellte sich heraus: Das Problem waren genau diese Studentenjobs. «Zu viel Berufserfahrung», begründete die Frau vom Personaldienst die Absage. Nina fragte nach, ob ihre Erfahrung denn reiche für eine Festanstellung. Nein, bekam sie zur Antwort, dafür bringe sie zu wenig Erfahrung mit.

«Das hat mich extrem geärgert», sagt Nina heute. Nina studierte an der Universität Basel und arbeitete daneben für Theaterfestivals und Kleinkunstprojekte. Und ging davon aus, dass ihr diese Erfahrungen den Berufseinstieg erleichtern würden.

Kein Hinweis

Jedes Jahr machen rund 500 Hochschulabsolventen ein Praktikum beim Bund. Der Bund will explizit jenen Studienabgängern eine Chance geben, die noch über wenig Berufserfahrung in ihrem Fachbereich verfügen. Absolventinnen wie Nina haben da schlechte Karten.

Gewusst hat Nina von dieser Regelung nichts. Auf dem Absolventenportal des Bundes findet sich kein Hinweis darauf. Dort steht nur, dass der Hochschulabschluss bei Praktikumsbeginn nicht mehr als ein Jahr zurückliegen darf. Einzig das Eidgenössische Departement für äussere Angelegenheiten weist in den Praktikumsausschreibungen konsequent auf die Regelung hin.

Interne Richtlinien

Intern jedoch bestehen genaue Richtlinien. Auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA gibt das Eidgenössische Personalamt (EPA) Auskunft: «Wenn die Person vor der Anstellung bereits mehr als 12 Monate Berufserfahrung im Fachbereich gesammelt und diese Tätigkeit zu mehr als 50 Prozent ausgeübt hat, dann ist diese Person nicht mehr für ein Absolventenpraktikum in der Bundesverwaltung zugelassen.»

Bei kürzeren Einsätzen oder weniger Stellenprozenten werde je nach Fall entschieden. Diese Richtlinie gelte für alle Departemente und werde eingehalten, schreibt das EPA.

Eher Auswahlhilfe denn Vorschrift

«Die Richtlinie ist eher eine Auswahlhilfe denn eine Vorschrift und nicht absolut abschliessend formuliert», erklärt Anand Jagtap, Mediensprecher des EPA. Sie helfe bei der Selektion, denn für Absolventenpraktika gingen jeweils viele Bewerbungen ein.

Zudem komme es auf die Arbeitserfahrung im Fachbereich an. «Wer während des Studiums beispielsweise an der Migros-Kasse gearbeitet hat, um Geld zu verdienen, kann beim Bund trotzdem ein Praktikum machen», sagt Jagtap.

Einzelfälle werden beraten

Welche studienbegleitenden Arbeitserfahrungen angerechnet würden, müsse im einzelnen Fall beurteilt werden. Zudem könne dies auch vom konkreten Praktikumseinsatz abhängen. Diese Entscheidung sei manchmal komplex und nicht leicht zu erklären, sagt Jagtap weiter.

Auf Nachfrage und an Informationsveranstaltungen an den Unis informiere der Bund aber über die Praktikumsrichtlinien und berate im einzelnen Fall.

Universitäten dafür

Die universitären Karriereberatungen der Unis Basel, Zürich und Freiburg sowie der ETH Zürich bestätigen dies; der Bund habe sie über die Arbeitserfahrung-Regelung informiert. Nur die Uni Bern teilte auf Anfrage mit, sie wisse nichts davon.

Dass auf dem Infoportal des Bundes nichts davon steht, sei unproblematisch, findet Roger Gfrörer vom Karrierezentrum der Uni Zürich. «Wer sich aktiv informiert, etwa über unsere Beratungsstelle, findet das heraus», sagt er.

Generation Praktikum

Die Richtlinie an sich findet Gfrörer sinnvoll, «weil sie die Generation Praktikum stoppen kann». Wer schon Praktika gemacht und Berufserfahrung gesammelt habe, dem rate er, sich direkt auf eine Festanstellung zu bewerben. «Irgendwann müssen die jungen Leute diesen Schritt wagen», so Gfrörer.

Das sagt auch Birgit Müller, Laufbahnberaterin bei der Uni Basel. Praktika und Berufserfahrung während des Studiums seien wichtig, so Müller. Das erhöhe die Chancen für eine Festanstellung direkt nach dem Abschluss.

Nina hatte beim Bund kein Glück: Weder eine Festanstellung noch ein Absolventenpraktikum erhielt sie. Heute arbeitet sie in der Privatwirtschaft.

(SDA)

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