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Bund plant neue Hochwasser-Prognosen

Ein vermehrt auftretendes Phänomen zwingt zum Handeln: Die Überschwemmungen der letzten Woche wurden massgeblich durch Oberflächenabflüsse verursacht – Hochwasser, das wie aus dem Nichts kommt.

Wasser, das nicht mehr abfliesst: Ein überschwemmter Acker in Mirchel BE. (28. Juli 2014)
Wasser, das nicht mehr abfliesst: Ein überschwemmter Acker in Mirchel BE. (28. Juli 2014)

Altstätten SG, Schüpfheim LU und Schangnau BE: Diese Orte waren vom Hochwasser der letzten Woche am stärksten betroffen. Und in allen drei Orten wurden die Hochwasser massgeblich durch sogenannte Oberflächenabflüsse verursacht. Dazu kommt es, wenn Böden übersättigt sind und das Wasser in grossen Mengen über das offene Gelände abfliesst, abseits von Bächen und Flüssen. Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) plant laut einem Bericht der «Sonntagszeitung» darum die Einführung von neuen Hochwasser-Gefahrenprognosen.

«Hochwasser durch Oberflächenabflüsse nehmen zu», sagt Josef Hess, Vizedirektor des Bundesamtes für Umwelt (Bafu) und zuständig für Naturgefahren, gegenüber der Zeitung. Durch den Klimawandel steige die Intensität von Gewittern, darum werde das Phänomen in Zukunft noch häufiger auftreten.

Enorme Kosten durch plötzliche Abflüsse

Das Problem: Die Bevölkerung ist diesem Hochwasserphänomen schutzlos ausgeliefert. Denn Gefahrenprognosen sind in der Schweiz auf Gewässer ausgerichtet. Für das Hochwasser aus dem Nichts existiert keine Vorwarnzeit.

Deshalb arbeitet das Bafu an einem Projekt zur Ausarbeitung von Modellen, bestätigt Hess. «Wir wollen wissen, welche Gebiete in der Schweiz besonders durch Oberflächenabflüsse gefährdet sind.» Ab 2015 sollen die neuen Instrumente einsatzbereit und entsprechende Untersuchungen durchgeführt sein.

Die verursachten Kosten durch plötzliche Abflüsse sind enorm. Gemäss Studien entstehen grob geschätzt 50 Prozent aller Überschwemmungsfälle durch Oberflächenabflüsse, wie Kerstin Steter von der Gebäudeversicherung im Kanton Zürich bestätigt.

Auch Stromfirmen sollen eingebunden werden

Der Bund will zudem die Stromfirmen und ihre Stauseen besser in den Schweizer Hochwasserschutz einbeziehen, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet. Das Potenzial dieser Seen werde heute nur ungenügend genutzt, zudem fehle es vielerorts an Absprachen zwischen den Kraftwerksbetreibern und den Behörden. Dies habe zum Beispiel dazu geführt, dass die Kraftwerke Oberhasli in den vergangenen Tagen im Grimselgebiet in gewohntem Rahmen Wasser in die Aare abliessen, obwohl der Fluss in der Stadt Bern den Schadenpegel zeitweise überschritt. Das will man laut dem Bafu in Zukunft verhindern.

Das Bafu erarbeitet derzeit ein Konzept, wie man auch die Produzenten von Wasserkraft beim Hochwasserschutz in die Pflicht nehmen kann. Dieses soll für alle Regionen verbindlich regeln, welchen Beitrag die Stauseen leisten können und wie die Besitzer für allfällige Produktionsverluste zu entschädigen sind. Die Strombranche ist gewillt, bei diesen Arbeiten konstruktiv mitzumachen, sie fordert aber, dass sie für ihre Leistungen angemessen entschädigt wird.

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