Bund prüft schweizweite Zecken-Impfung

Das BAG schlägt Alarm: Die Zahl der Hirnhautentzündungen haben dieses Jahr einen neuen Höchststand erreicht.

Sollen künftig alle Schweizer geimpft werden? Ein Rekrut der Schweizer Armee bei einer Zecken-Grossimpfaktion in Bern. (Archiv)

Sollen künftig alle Schweizer geimpft werden? Ein Rekrut der Schweizer Armee bei einer Zecken-Grossimpfaktion in Bern. (Archiv) Bild: Lukas Lehmann/Keystone

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Der alarmierende Anstieg der durch Zeckenbisse ausgelösten Hirnentzündungen hat gesundheitspolitische Folgen. Die Empfehlungen für Zecken-Impfungen sollen ausgeweitet werden, möglicherweise sogar auf die ganze Schweiz.

Die Zahl der von Zecken übertragenen Frühsommer-Menigoenzephalitis (FSME), einer Virus-Hirnentzündung, hat in diesem Jahr mit 323 einen neuen Höchststand erreicht. In der Vergleichsperiode des letzten Jahres waren es 191 Fälle. Und angesichts des nach wie vor sehr schönen und warmen Wetters gibt es immer noch neue Fälle.

Drastische Zunahme

Die Infektionen haben in den letzten Jahren drastisch zugenommen. Zählte das BAG im Jahr 2015 noch 1,42 FMSE-Neuerkrankungen pro 100'000 Einwohnerinnen und Einwohner, sind es inzwischen bereits rund fünf Neuerkrankungen pro 100'000 Einwohnerinnen und Einwohnern.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) prüft deshalb derzeit eine Ausweitung der Impfempfehlungen, wie Daniel Koch, Abteilungsleiter für übertragbare Krankheiten im BAG, auf Anfrage der Agentur Keystone-SDA sagte. «Eine Ausweitung der Risikogebiete muss ins Auge gefasst werden», sagt er.

Die genauen Empfehlungen werden voraussichtlich erst im Winter vorliegen. Wegen der starken Zunahme der Fälle und der Schwere der Erkrankungen, die durch Zeckenbisse verursacht werden, dürfte das Impfgebiet auf die ganze Schweiz ausgedehnt werden. Dies hätte zur Folge, dass schweizweit die Krankenkassen die Kosten für die Impfung übernehmen müssten.

Bis anhin wurde eine Impfung nur den Menschen in den sogenannten Risikogebieten empfohlen sowie Menschen, die sich regelmässig in diesen Regionen aufhalten.

Infektion kann tödlich enden

Bei der FSME handelt es sich um eine «sehr gefährliche Krankheit, die das Nervensystem angreift», wie Koch sagt. So stirbt im Durchschnitt jedes Jahr ein Mensch daran und praktisch jeder Fall macht einen Spitalaufenthalt notwendig. Die Infektion zeigt sich meist mit einer grippeartigen Erkrankung vier bis sechs Wochen nach einem Zeckenstich. Vorübergehend klingen die Symptome wieder ab, um dann umso heftiger aufzutreten.

Hohes Fieber mit über 40 Grad, Nackenstarre oder auch Lähmungserscheinungen sind erste Anzeichen einer FSME-Erkrankung. Im Spital können lediglich die Symptome bekämpft werden, das heisst, das Fieber kann gesenkt und der Patient beobachtet werden.

Lebenslange Komplikationen möglich

Auch wenn das Spital unter Umständen nach einigen Wochen oder auch Monaten verlassen werden kann, sind die «Nachwehen» noch längere Zeit zu spüren, oft sogar lebenslang. Hat sich der Körper einmal erholt und ist wieder bei Kräften, so leidet der Patient beispielsweise plötzlich unter schweren Migräneanfällen, hat Konzentrationsschwächen oder auch motorische Probleme.

«In vielen Fällen haben wir es mit bleibenden Schäden zu tun, glücklicherweise bei Kindern nicht so oft», sagt Koch. Und das einzige Mittel, das gegen eine FSME-Infektion helfen kann, ist die Impfung. Denn im Gegensatz zu der anderen von Zecken übertragenen schweren Krankheit, der bakteriellen Borreliose, kann die virale FSME-Infektion nicht mit Antibiotika bekämpft werden. (sep/sda)

Erstellt: 16.09.2018, 15:53 Uhr

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