Berset will Jugendlichen das Rauchen verbieten

Zum Schutz von Jugendlichen sollen diese unter anderem keine Zigaretten mehr kaufen dürfen. Bundesrat Berset erklärte die Strategie vor den Medien.

Mehr Jugendschutz mit dem neuen Tabakproduktegesetz: Bundesrat Alain Berset sprach in Bern vor den Medien (Archivbild Keystone)

Mehr Jugendschutz mit dem neuen Tabakproduktegesetz: Bundesrat Alain Berset sprach in Bern vor den Medien (Archivbild Keystone)

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Um Jugendliche vom Rauchen abzuhalten, will der Bundesrat schweizweit den Verkauf von Zigaretten an Minderjährige verbieten. Gleichzeitig soll ein weitgehendes Werbeverbot dafür sorgen, dass weniger Anreize junge Menschen dazu verleiten, zum Glimmstängel zu greifen.

In seiner Botschaft ans Parlament schlägt der Bundesrat vor, Tabakwerbung auf Plakaten, in Print- und Onlinemedien sowie im Kino zu verbieten. Am Kiosk, an Automaten und an Festivals von nationaler Bedeutung sollen die Tabakkonzerne aber weiterhin für ihre Raucherwaren werben dürfen.

Berset: «wichtiger Schritt»

Bundesrat Alain Berset sprach am Mittwoch vor den Medien von einem «wichtigen Schritt». Ein Grossteil der Raucher habe gemäss Studien vor dem 20. Geburtstag mit dem Rauchen begonnen. Und gerade bei Jugendlichen habe Werbung einen grossen Einfluss: Gemäss einer deutschen Studie steigt das Risiko, dass Jugendliche zu rauchen beginnen, um 46 Prozent, wenn sie Tabakwerbung ausgesetzt sind.

Bereits heute gilt ein Werbeverbot für Tabak in Radio und Fernsehen. Auch Tabakwerbung, die sich explizit an Minderjährige richtet, ist untersagt. Die Zahl der Jugendlichen, die rauchen, stagniert seit einigen Jahren jedoch, oder steigt sogar leicht an, wie Gesundheitsminister Berset sagte. Weitere Schritte seien daher notwendig.

Genügend Spielraum für Tabakindustrie

Die bundesrätlichen Vorschläge waren in der Vernehmlassung auf scharfe Kritik gestossen. Gesundheits- und Jugendorganisationen pochten auf ein totales Werbeverbot für Zigaretten. Die Tabakindustrie sowie Wirtschaftsakteure wiederum wehrten sich gegen die geplanten Werbeverbote.

Dennoch hält der Bundesrat an seinen Vorschlägen fest. Die Vorlage sei «moderat und ausgewogen», und lasse auch der Tabakindustrie genügend Spielraum, betonte Berset. Die Schweiz gehe mit den nun vorgesehenen Vorschriften weniger weit als die meisten europäischen Länder.

Auch manche Kantone kennen heute striktere Regeln als der Bund. In 15 Kantonen ist Plakatwerbung für Tabakprodukte bereits verboten. In zehn Kantonen dürfen keine Zigaretten an Minderjährige verkauft werden, in weiteren zwölf Kantonen gilt das Abgabealter 16 Jahre.

E-Zigaretten sollen legal werden

Das neue Tabakproduktegesetz sorge zudem dafür, dass die Raucher Produkte kaufen könnten, die sicher seien, sagte Berset. Er verwies auf die nikotinhaltigen E-Zigaretten, deren Verkauf künftig erlaubt werden soll.

Für E-Zigaretten, E-Zigarren oder E-Shishas sollen dieselben Einschränkungen bezüglich Werbung und Verkauf an Minderjährige gelten wie für herkömmliche Zigaretten. Auch an Rauchverbote muss sich halten, wer E-Zigaretten dampft.

Bürgerliche gegen Werbeverbot

Im Parlament dürfte das vorgesehene Werbeverbot einen schweren Stand haben. FDP und SVP sprachen sich in der Vernehmlassung gegen den Vorentwurf zum Tabaktproduktegesetz aus. BDP und CVP begrüssten zwar den Jugendschutz, lehnten eine Verschärfung bei der Tabakwerbung aber ab.

In der Bevölkerung hingegen scheinen Verbote mehrheitsfähig zu sein: 53 Prozent befürworten ein allgemeines Tabakwerbeverbot, wie Befragungen im Rahmen des Suchtmonitorings des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) ergaben. Ein Verbot mit einer Ausnahme für die Verkaufsstellen heissen gar 64 Prozent gut.

Die Befürworter des Werbeverbots dürften auch die Kosten zum Thema machen: Gemäss einer externen Studie würde das neue Tabakproduktegesetz zu Einsparungen von jährlich rund 400 bis 600 Millionen Franken führen, wie Berset sagte. Insbesondere die Gesundheitskosten und Kosten für Abwesenheiten am Arbeitsplatz würden zurückgehen, wenn der Tabakkonsum sinkt.

Weltweit sterben jedes Jahr über 5 Millionen Menschen an den Folgen des Tabakkonsums. In der Schweiz sind es rund 9500 Personen. Der Tabakkonsum ist damit die häufigste vermeidbare Todesursache in der Schweiz. Der Tabakkonsum verursacht zudem medizinische Behandlungskosten von 1,2 Milliarden Franken pro Jahr. Weitere 3,8 Milliarden Franken fallen an für Arbeitsausfälle. (rub)

Erstellt: 11.11.2015, 14:31 Uhr

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