Bundesamt für Outsourcing

Das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation baut 57 Stellen ab und will den Grossteil davon outsourcen. Doch genau dies wird vom Parlament seit längerem kritisiert.

Baut Stellen ab: Giovanni Conti, Direktor des Bundesamts für Informatik und Telekommunikation BIT

Baut Stellen ab: Giovanni Conti, Direktor des Bundesamts für Informatik und Telekommunikation BIT

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Die Bundesverwaltung muss sparen – und zwar querbeet. Dafür hat bei der Budgetberatung im Dezember die bürgerliche Mehrheit im Nationalrat gesorgt. Im Ringen um die Bundesfinanzen setzte sie bei der Verwaltung Kürzungen von 128 Millionen Franken durch. Diese Sparmassnahmen treffen das Bundespersonal (50 Millionen), externe Berater (60,3 Millionen) und die Informatik (17,5 Millionen).

Als erstes Amt hat heute das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) konkret informiert, wie es seinen Anteil am Sparprogramm umsetzen will. So werden im Amt 57 Vollzeitstellen abgebaut. 32 davon sollen durch «gezieltes Outsourcing der Leistungen» umgesetzt werden. 25 Vollzeitstellen werden durch einen Personalabbau gemäss Sozialplan der Bundesverwaltung abgebaut.

Laut BIT ist das Ziel, dass die 32 Mitarbeiter eine Anstellung bei einem Anbieter finden, der seinerseits für externe Leistungen beigezogen wird. Fragt sich, wie daraus ein Spareffekt erzielt werden soll. Das BIT antwortet ausweichend, sein Auftrag bestehe darin, den Personalbestand zu reduzieren. Was es mit den Outsourcing-Massnahmen nun auch umsetze.

Externe Anbieter, die vom BIT künftig einen Zuschlag erhalten wollen, müssen also entlassene Mitarbeiter des Amts beschäftigen. Laut BIT ist das WTO-konform, solange diese Auflage in der Ausschreibung transparent kommuniziert werde.

Scharfe Kritik

Die Personalverbände reagierten erwartungsgemäss scharf. Für den Personalverband des Bundes (PVB) ist der Stellenabbau «inakzeptabel»: Es würden Leute entlassen, deren Aufgaben über kurz oder lang private IT-Firmen teurer erledigen müssen. Dies sei ein «kostentreibendes, sinnloses Perpetuum mobile». Zweck der Übung sei bloss, der Parlamentsmehrheit das Gefühl zu geben, endlich etwas getan zu haben.

Auch die Gewerkschaft VPOD protestiert gegen den Abbau. Besonders stossend sei, dass teilweise schlecht ausgebildete Mitarbeiter die Stelle verlieren würden, zum Beispiel die Angestellten des Scanning-Centers, die mehrheitlich zwischen 56 und 63 Jahre alt seien.

Die Kritik am Outsourcen von Bundesstellen ist nicht nur eine linke Domäne. So hat sich das Parlament in den letzten Jahren mehrfach mit dieser Thematik befasst – insbesondere mit Blick auf IT-Projekte – und der Verwaltung den Auftrag erteilt, externe Stellen zu internalisieren. Mit der Folge, dass das Stellenwachstum beim Bund anhält, obwohl das Parlament 2015 eine Plafonierung bei 35'000 Vollzeitstellen beschlossen hat. So wuchs auch das BIT von 955 Stellen im Jahr 2013 auf derzeit 1119.

Überrissene Löhne

Doch nun geht es beim BIT wieder Richtung Outsourcing. Das zeigt auch ein Blick in das Informationssystem über das öffentliche Beschaffungswesen (Simap). Demnach hat das Amt seit Anfang Jahr bereits Zuschläge für externe Dienstleistungsaufträge in der Höhe von rund 180 Millionen Franken erteilt. Wie das BIT anmerkt, ist jedoch offen, ob die teils auf mehrere Jahre angelegten Aufträge im Endeffekt tatsächlich so teuer werden.

Das Parlament will jedenfalls genau hinschauen. «Wir werden prüfen, ob mit diesem Outsourcing tatsächlich Geld gespart wird», sagt der Luzerner SVP-Nationalrat Franz Grüter. Der IT-Unternehmer erinnert an mehrere gescheiterte IT-Projekte des Bundes: «Oft hatten externe Berater mit überrissenen Löhnen ihre Finger im Spiel, und am Schluss übernahm niemand die Verantwortung.» Solche Fälle dürften sich nicht wiederholen.

Erstellt: 15.03.2017, 14:44 Uhr

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