Bundesangestellte dürfen nicht mehr so oft Business-Klasse fliegen

Der Bundesrat hat am Mittwoch ein «Klimapaket» beschlossen. Bis 2030 soll die Bundesverwaltung vollständig klimaneutral sein.

Ab 2030 muss die Bundesverwaltung den CO<sub>2</sub>-Ausstoss mit Emissionszertifikaten kompensieren: Einblick in die Business-Class eines Boeing 787 Dreamliners. (Foto: Keystone)

Ab 2030 muss die Bundesverwaltung den CO2-Ausstoss mit Emissionszertifikaten kompensieren: Einblick in die Business-Class eines Boeing 787 Dreamliners. (Foto: Keystone)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Der Klimawandel ist im Alltag angekommen», sagte Umweltministerin Simonetta Sommaruga am Mittwoch vor den Bundeshausmedien. Das merke auch die Bevölkerung. Alle seien gefordert, die Treibhausgase zu reduzieren, auch der Bund. Bis 2030 soll die Bundesverwaltung vollständig klimaneutral sein. Der CO2-Ausstoss, für den sie dann noch verantwortlich ist, muss durch den Kauf von Emissionszertifikaten im Ausland kompensiert werden. Die Kompensation darf aber nur einen bestimmten Teil ausmachen: Der Bundesrat gibt vor, wie stark die Verwaltung den CO2-Ausstoss reduzieren muss.

Reduktion um 50 Prozent im Inland

Die zivile Bundesverwaltung und ihre dezentralen Einheiten wie die ETH müssen die Treibhausgasemissionen bis Ende 2030 um 50 Prozent gegenüber dem Ausgangsjahr 2006 reduzieren. Für das Militär, auf dessen Konto der grösste Teil des CO2-Ausstosses geht, gilt ein weniger ehrgeiziges Ziel. Es muss die Treibhausgasemissionen bis Ende 2030 um mindestens 35 Prozent senken gegenüber dem Ausgangsjahr 2001.

Weniger fliegen

Zur Erreichung dieser Ziele setzt der Bundesrat mehrheitlich auf bisherige Massnahmen. Diese werden aber verstärkt. So sollen Bundesangestellte künftig weniger fliegen. Auf Flugreisen ist etwas mehr als die Hälfte des CO2-Ausstosses der zivilen Verwaltung zurückzuführen.

Der Bundesrat will nun, dass die Flugkilometer auf europäischen Kurz- und Mittelstrecken reduziert werden. Auf europäischen und interkontinentalen Flügen soll vermehrt Economy- statt Business-Klasse geflogen werden, und die Grösse der Delegationen soll reduziert werden. Das Umwelt-, das Finanz- und das Aussendepartement müssen dem Bundesrat bis Ende des Jahres Vorschläge dazu unterbreiten.

Umweltfreundlichere Autos

Bei der Erneuerung der Fahrzeugflotte soll die Verwaltung stärker auf energieeffiziente Fahrzeuge umstellen. Das für die Flotte zuständige Verteidigungsdepartement muss bis Ende 2020 die Weisung dazu revidieren.

Auch sollen mehr elektrisch betriebene Fahrzeuge angeschafft werden. Bei den Neuzulassungen soll bis 2020 mindestens jedes fünfte Fahrzeug elektrisch betrieben sein. Personenwagen sollen grundsätzlich maximal 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstossen und der Energieeffizienz-Kategorie A oder B angehören.

Ladestationen für Elektroautos

Verwaltungsgebäude des Bundes will der Bundesrat mit Ladestationen für Elektrofahrzeuge ausrüsten lassen. Dazu soll bis Mitte 2020 ein Konzept erarbeitet werden mit Priorisierung der Standorte sowie Angaben zu den Kosten und den CO2-Einsparungen. Der Strom muss aus erneuerbaren Quellen stammen.

Weiter will der Bundesrat, dass die Gebäude der gesamten Bundesverwaltung energetisch saniert werden. Die zuständigen Departemente sollen bis Mitte 2020 die Planung, die Kosten und die CO2-Einsparungen aufzeigen. Zudem sollen sie Kriterien für Ausnahmen definieren. Grundsätzlich seien die in der Revision des CO2-Gesetzes vorgeschlagenen CO2-Grenzwerte pro Quadratmeter Fläche einzuhalten. Auf neue fossile Heizungen und elektrische Heizungen wird verzichtet.

Solarstrom vom Dach

Geeignete Dächer und Fassaden der Bundesverwaltung sollen für die Produktion von Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien genutzt werden. Auch dazu soll ein Konzept erarbeitet werden, das die Investitionskosten und die CO2-Einsparungen aufzeigt. Die Bundesverwaltung bezieht bereits heute 100 Prozent erneuerbaren Strom, produziert diesen aber nur zu einem kleinen Teil selbst.

Darüber hinaus will der Bundesrat bei den Vermögensanlagen der Pensionskasse des Bundes Publica ansetzen. Er will die von ihm gewählten Arbeitgebervertreter der Kassenkommission anhalten zu verlangen, dass Publica ihre Vermögensanlagen regelmässig auf deren Klimaverträglichkeit überprüft und das Ergebnis publiziert.

40'000 Tonnen CO2 im Jahr

Die Bundesverwaltung hat schon bisher Anstrengungen unternommen, um den CO2-Ausstoss zu senken. Gegenüber dem Ausgangsjahr 2006 hat die zivile Verwaltung die Emissionen bis 2018 um rund 25 Prozent reduziert, ohne Kompensation durch Emissionszertifikate.

Aktuell emittiert die zivile Verwaltung rund 40'000 CO2-Äquivalente pro Jahr. Im vergangenen Jahr waren 53 Prozent auf Flugreisen zurückzuführen, 21 Prozent auf den Wärmeverbrauch und 15 Prozent auf den Stromverbrauch.

Das Verteidigungsdepartement emittiert rund 205'000 Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr. Rund 50 Prozent der Emissionen stammen aus dem Luftverkehr - der Luftwaffe und dem Luftransportdienst des Bundes, 24 Prozent aus dem Strassenverkehr, 19 Prozent aus den Immobilien und knapp 7 Prozent aus dem Verkehr der Armeeangehörigen.

(sda)

Erstellt: 03.07.2019, 14:37 Uhr

Artikel zum Thema

Treibhausgas-Emissionen sind 2017 leicht gesunken

Gebäude, Strassenverkehr, Industrie: Wer am meisten CO2 ausstiess und welche Rolle gefahrene Kilometer und der warme Winter spielten. Mehr...

Wie die Industrie ihren CO2-Ausstoss senkt

Der Schweizer Industrie drohen wegen der Treibhausgasemissionen neue Abgaben. Zahlreiche Unternehmen reagieren nun mit freiwilligen Massnahmen. Mehr...

UBS und CS investieren Milliarden in Umweltsünder

Greenpeace hat ausgerechnet, wie hoch die CO2-Emissionen aus Krediten an Kohle- und Ölförderer sind. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Russische Torte: Indische Konditoren legen letzte Hand an eine essbare Kopie der Moskauer Basilius-Kathedrale, die sie für die 45. Kuchenausstellung geschaffen. (12. Dezember 2019)
(Bild: Jagadeesh NV) Mehr...