Sommaruga beim «Pfeiler des Schweizer Asylsystems»

Lob von ganz oben an das Asylzentrum in Losone. Justizministerin Simonetta Sommaruga sprach zu Flüchtlingen – und gab ein Versprechen ans Tessin ab.

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Rund 400 Personen haben am Samstag anlässlich eines Tages der offenen Tür das Bundesasylzentrum in Losone TI besucht. Bundesrätin Simonetta Sommaruga hielt eine Ansprache auf Englisch, die sie an die Flüchtlinge richtete.

Anschliessend verteidigte sie auf Italienisch das neue Asylgesetz, das am 5. Juni zur Abstimmung kommt. Die Justizministerin wurde mit Enthusiasmus von der Leitung des Zentrums empfangen, das am 20. Oktober 2014 den Betrieb aufgenommen hatte. Das Zentrum ist in der ehemaligen Kaserne von Losone am Eingang von Locarno untergebracht.

Besondere Verantwortung

Die 123 Migrantinnen und Migranten, die derzeit dort wohnen, stammen mehrheitlich aus afrikanischen Ländern sowie aus Afghanistan. Kürzlich kam eine Gruppe syrischer Flüchtlinge dazu.

Sommaruga sagte in ihrer Ansprache, das Zentrum in Losone sei «einer der Pfeiler des Schweizer Asylsystems». Sie würdigte die Offenheit, Flexibilität und Mithilfe der lokalen Bevölkerung.

Der Kanton Tessin trage als Grenzkanton im Asylbereich eine besondere Verantwortung. Bei einem Ansturm von Flüchtlingen werde der Bund den Südkanton nicht alleine lassen, versprach die Justizministerin.

Befristeter Betrieb

Der Betrieb des Asylzentrums in Losone ist bis zum 19. Oktober 2017 befristet. Auch künftig soll es im Tessin ein Bundesasylzentrum geben, der Standort ist jedoch noch offen. Beim Staatssekretariat für Migration (SEM) hiess es auf Anfrage, es seien nur noch wenige Optionen im Gespräch.

Der Bund und der Tessiner Regierungsrat hätten sich grundsätzlich darauf geeinigt, dass im Kanton Tessin ein sogenanntes Verfahrenszentrum errichtet werde. Klar ist laut SEM bereits, dass es zu keinen Enteignungen kommen wird. Sommaruga bekräftigte dies am Samstag.

Eigentlich war es das Ziel des Bundes, bis Ende 2014 Unterkünfte für insgesamt 5000 Asylsuchende zu finden: In jeder der sechs Asylregionen sollten ein Verfahrens- und ein bis drei Ausreisezentren entstehen.

Noch mehrere Standorte gesucht

Doch die Standortsuche zog sich in die Länge. Bereits abgeschlossen ist sie derzeit einzig in der Region Ostschweiz, wo die bisherigen Zentren in Altstätten SG und Kreuzlingen TG festgelegt wurden. In den anderen fünf Asylregionen - Zürich, Bern, Nordwestschweiz, Zentral- und Südschweiz sowie Westschweiz - läuft die Suche noch.

Bund, Kantone und Gemeinden hatten sich im März 2014 darauf geeinigt, in sechs Regionen insgesamt 5000 Plätze für Asylsuchende in Bundeszentren zu schaffen. Die Verteilung erfolgt im Verhältnis zur Bevölkerungszahl einer Region. Kantonen, die besondere Leistungen als Standort- oder Flughafenkanton erbringen, werden weniger Asylsuchende zugewiesen.

Die Bundeszentren sind ein wichtiges Element der Asylreform, über die es wegen eines Referendums der SVP am 5. Juni zu einer nationalen Abstimmung kommt. Das neue System soll die Asylverfahren beschleunigen. (kat/sda)

Erstellt: 23.04.2016, 20:36 Uhr

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