Sommarugas Frauenquote fällt im Parlament durch

Der Bundesrat hält an Geschlechtervorgaben für Unternehmen fest. Das unterstützt nur die Linke.

Frauen sind in den Chefetagen immer noch in der Minderheit – in diesem Jahr ist ihre Zahl sogar gesunken. Foto: Thomas Egli

Frauen sind in den Chefetagen immer noch in der Minderheit – in diesem Jahr ist ihre Zahl sogar gesunken. Foto: Thomas Egli

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Im Verwaltungsrat börsenkotierter Unternehmen sollen künftig mindestens 30 Prozent Frauen vertreten sein, in der Geschäftsleitung mindestens 20 Prozent. Dies hat der Bundesrat gestern entschieden. Erreichen die Unternehmen die Richtwerte nicht innert einer bestimmten Frist, müssen sie die Gründe offenlegen. Sanktionen drohen keine.

Bereits jetzt ist klar, dass der Vorschlag im Parlament scheitern dürfte. Schon in der Vernehmlassung sprachen sich SVP, FDP und CVP grundsätzlich gegen eine Frauenquote aus – und selbst die BDP ist gespalten. FDP-Ständerat Andrea Caroni sagt: «Es ist nicht am Staat, privaten Unternehmen vorzuschreiben, wie sie ihre Leitungsgremien besetzen – egal, ob damit Alter, Herkunft oder Geschlecht gemeint sind.» Es könne auch nicht im Interesse der Frauen sein, wenn ihnen das Etikett der Quotenfrau angehängt werde. «Das ist unwürdig», sagt Caroni. Er sei erstaunt, dass die Mehrheit des Bundesrats sich für einen solchen Vorschlag ausgesprochen habe. Dabei handle es sich wohl um ein «verfrühtes Weihnachtsgeschenk» für Justizministerin Simonetta Sommaruga (SP).

Der Vorschlag des Bundesrats komme vermeintlich sanft daher, sagt SVP-Nationalrat Hans-Ueli Vogt. «Doch die Offenlegungspflicht hat eine Prangerwirkung, die aus liberaler Sicht unnötig ist.» Man dürfe nun auch nicht so tun, als hätten die Unternehmen in den vergangenen Jahren nichts für die bessere Vertretung von Frauen getan. Auf die «Selbstregulierung» der Wirtschaft setzt auch die CVP. «Die versteckte Frauenquote ist völlig unnötig, weil sie nichts bringt ausser zusätzlicher Bürokratie», sagt CVP-Ständerat Pirmin Bischof. Beispiele im Ausland zeigten, dass Frauenquoten allein nicht zu einer höheren Frauenvertretung führten. «Im Parlament wird so etwas keine Mehrheit finden.»

«Transparenz herstellen»

Unterstützung finden die Vorgaben nur bei SP, Grünen und Grünliberalen. Letztere hatten im Parlament bereits früher einen ähnlichen Ansatz gefordert. «Es ist falsch, von einer Frauenquote zu sprechen», sagt GLP-Nationalrätin Kathrin Bertschy. «Wir reden bloss von einer Pflicht, Transparenz herzustellen.» Dagegen könne die Wirtschaft kaum etwas einwenden. «Sanktionen sind ja keine vorgesehen – und der Erfolg gemischter Teams ist erwiesen.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.11.2016, 21:44 Uhr

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