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Bunkern für den Blackout

SRF spielte gestern das Szenario eines landesweiten Stromausfalls durch. Der Gründer einer Notvorrat-Firma freut sich nun mächtig. Zu Recht?

Inhalt jahrelang haltbar: Reto Schätti mit Notvorratsdose. Foto: Doris Fanconi
Inhalt jahrelang haltbar: Reto Schätti mit Notvorratsdose. Foto: Doris Fanconi

Mancher Mensch mit frohem Gemüt mutierte gegen Jahresende zum Pessimisten. 2016 sei ein schlechtes Jahr gewesen, war allenthalben zu hören. Die Champagnergläser klirrten trotzdem, viele prosteten sich Mut zu: Im neuen Jahr wird alles besser – der Rausch, der Hoffnung macht.

Anlass zur Ernüchterung wurde bald geboten. Das SRF schaltete gestern einen Thementag ein, um euphorisierte Frühjahrsoptimisten in die Schranken zu weisen: «Blackout» – ein achtstündiges Schreckensszenario, das die grossflächigen Folgen eines Stromausfalls aufzeigen sollte.

Die Januarloch-Sendung war ein Erfolg. Der SRF-Blackout wurde auf Twitter heiss diskutiert. Einige warfen dem Staatssender Angstmacherei vor, andere sahen sich darin bestätigt, dass die Energiestrategie 2050 dringend abzulehnen sei:

Der Berner Regierungsstatthalter Christoph Lerch nutzte die Gunst der Stunde und forderte die Bevölkerung zum äufnen eines persönlichen Notvorrats auf: Konserven, Mineralwasser, Medikamente, Batterien und Notbeleuchtung – was es halt so braucht für den «Ernstfall», dann, wenn die Versorgung zusammenbricht.

Ein boomendes Geschäft

Reto Schätti sah sich die Sendung mit einer gewissen Genugtuung an. Nicht, dass ihn derlei Horrorszenarien erfreuen würden. Doch SRF transportierte eine Nachricht, die er mit seiner Firma Sichersatt.ch schon seit Jahren propagiert: Krisen treffen die Menschheit oft unvorbereitet, das Versorgungssystem bricht zusammen, und der persönliche Notvorrat wird zur Lebensversicherung: «Die Sendung war wirklich sehr gut gemacht», sagt Schätti zu Redaktion Tamedia. Das werde sich positiv auf sein Geschäft niederschlagen.

Sichersatt ist eine von zwei Schweizer Firmen, die sich auf den Verkauf von Notvorräten spezialisiert hat. Daneben gibt es gemäss Schätti eine grosse Anzahl weiterer Anbieter, die mit Notvorräten ein Nebengeschäft betreiben. Schätti gründete sein Unternehmen vor sieben Jahren in Wald ZH. Mittlerweile beschäftigt er vier Vollzeit- und phasenweise mehrere Temporärangestellte. «Wir haben mit 4 Produkten angefangen. Jetzt sind es rund 600», sagt Schätti.

Die Nahrung ist in stark vakuumierte Dosen verpackt. Der aktuelle Ablaufstempel datiert auf 2026 – lang genug, um jede Katastrophe zu überdauern. Notfallnahrungsmittel, sogenannte «Survivor-Food-Ration», gibt es bereits ab 6.90 Franken. Wer will, kann im Onlineshop jedoch viel Geld ausgeben: Das Jahrespaket für die Familie kostet 3190 Franken, ein Trinkwasseraufbereitungssystem gibt es für 7830 Franken.

Das Geschäft mit den Notvorräten sei sehr «volatil», sagt Schätti. «Manchmal braucht es einen Event, damit sich die Leute Gedanken machen.» Die Finanzkrise 2008 war ein solches Ereignis. Es war das Jahr, als Schätti sein Unternehmen gründete: «Ich wollte mich und meine Familie mit Notvorräten eindecken. Dann merkte ich, dass es kaum ein Angebot gibt.» Es folgte 2011 die Atomkatastrophe von Fukushima, die erstmals die Bestellungen befeuerte.

2012 gründete Schätti einen Ableger in Deutschland. Danach folgten regelmässig Meldungen über verschuldete EU-Länder und Terroranschläge. Auch das: gut fürs Geschäft. In Deutschland habe sich der Umsatz im letzten Jahr verdoppelt, sagt Schätti. Den typischen Kunden gebe es nicht. Studenten, Manager oder Rentner – viele würden sich Gedanken über ihre Sicherheit machen. Sie bunkern teilweise einen Notvorrat, der für Monate reicht.

Bund warnt vor Panikmache

Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) warnt vor übertriebener Panikmache. Es empfiehlt der Bevölkerung einen Notvorrat für rund eine Woche: «Die Schweiz ist sehr gut auf Krisen vorbereitet», sagt Ueli Haudenschild vom BWL in der SRF-Sendung «Espresso». Eine Woche würde es dauern, bis Pflichtnotlager eingerichtet wären. Ab dann sei die Landesversorgung wieder hergestellt. Monatspakete oder gar Jahrespakete, wie sie im Internet angeboten würden, schössen über das Ziel hinaus, sagt Haudenschild.

Sichersatt-Geschäftsführer Schätti zweifelt diese Aussage an. «Die Folgen einer Katastrophe kann man nicht voraussagen.» Einige seiner Kunden würden dem staatlichen Versorgungssystem misstrauen. «Sie nehmen das Heft lieber selber in die Hand – um ihre Familien und sich selbst zu schützen.»

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