Buttet lässt sich krankschreiben

Der des Stalkings beschuldigte Yannick Buttet will sich wegen seines Alkoholkonsums behandeln lassen und danach über seine politischen Mandate entscheiden.

Damals konnte er sich in der Wandelhalle noch blicken lassen: Yannick Buttet bei der Frühlingssession im März 2014. Foto: Keystone

Damals konnte er sich in der Wandelhalle noch blicken lassen: Yannick Buttet bei der Frühlingssession im März 2014. Foto: Keystone

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Einen Rücktritt gab Yannick Buttet gestern bekannt: Er legte das Amt als CVP-Vizepräsident definitiv nieder, nachdem er letzte Woche seinen Sitz im Parteipräsidium aufgrund der Strafuntersuchung wegen Stalkings suspendiert hatte. Zum Abgang von der nationalen Politbühne kam es aber gestern nicht. Buttet habe sich krankschreiben lassen und sei deshalb der geplanten Aussprache mit dem Parteipräsidium in Bern ferngeblieben, sagt CVP-Präsident Gerhard Pfister. Buttet werde sich für eine gewisse Zeit zurückziehen.

Über seinen Anwalt liess Buttet mitteilen, er werde sich «in eine ärztliche Kur begeben, um den Alkoholkonsum in den Griff zu bekommen». Nach seiner «Genesung» werde er sich mit seiner Kantonalpartei absprechen, ob er sein Mandat als Nationalrat weiterführe. Vorerst wird er an den Sitzungen des Nationalrats nicht mehr teilnehmen. Auch sein Amt als Gemeindepräsident in Collombey-Muraz lege er nieder, solange er nicht gesund sei, teilte Buttets Anwalt Andreas Meili mit.

Pfister hielt gestern vor den Medien erneut fest, dass Buttets Verhalten inakzeptabel bleibe. Gleichzeitig gelte aber auch für Buttet die Unschuldsvermutung. Die Parteispitze könne keine Entscheidung treffen, ohne dass Buttet zuerst angehört werde. Die Partei werde das Gespräch mit Buttet so rasch wie möglich suchen, sagte Pfister. Und hielt fest, dass die Partei Buttet nicht zum Rücktritt zwingen könne. Möglich wäre eine Aufforderung zur Demission. Ziel sei eine sachliche Abklärung der Vorwürfe an Buttet und eine «einvernehmliche Lösung», sagte Pfister.

Schachzug des Anwalts

Mehrere CVP-Politiker sehen den krankheitsbedingten Rückzug als Schachzug, den Buttet auf Anraten des Anwalts vollzogen habe. Ob Buttet damit sein Nationalratsmandat halten kann, bleibt indes fraglich. In der CVP-Fraktion herrscht der Tenor, dass die Affäre der Partei schadet. Vor allem die CVP-Frauen sind nach wie vor der Meinung, ein Rücktritt Buttets wäre angezeigt, wollen dies aber nicht öffentlich äussern. CVP-Vizepräsidentin Elisabeth Schneider-Schneiter, die am Sonntag als eine der wenigen Buttets Rücktritt gefordert hatte, stellte sich gestern hinter das Vorgehen der Parteispitze.

Buttet entschied sich in Absprache mit seiner Kantonalpartei für den vorübergehenden Rückzug aus Bern. Er stehe voll hinter Buttets Entscheid, sagte Serge Métrailler, Präsident der CVP Unterwallis. Er habe Buttet in den letzten Tagen als Coach beraten und mit ihm alle Optionen geprüft. Ob Buttet nur mit dem Alkoholkonsum Probleme habe, werde sich weisen müssen. Letzte Woche war bekannt geworden, dass die Polizei Ende November wegen des Walliser CVP-Nationalrats in Siders ausrücken musste. Buttet soll bei seiner Ex-Geliebten so lange geklingelt haben, bis die Frau die Polizei rief.

Dass sich Buttet wegen eines Alkoholproblems in Behandlung begibt, wird im Wallis teilweise mit hämischen Kommentaren bedacht. Denn Buttet ist in der Suchtbekämpfung aktiv. Erst im Oktober hat er das Präsidium der Stiftung «Rive du Rhône» übernommen, die von katholisch-konservativen Kreisen getragen wird. Die Stiftung bietet ab Januar 18 Therapieplätze für Drogenabhängige an und möchte einen Entzug in spiritueller Atmosphäre bieten. Doch ist Buttet für die Stiftung noch tragbar? Die Vereinigung der Freunde von «Rive du Rhône» wollte sich heute mit dem 40-Jährigen zu einer Sitzung treffen. Das Treffen sei seit langem geplant, man werde mit Buttet die Angelegenheit diskutieren und die Situation klären, sagte Xavier Lavanchy, Präsident der Vereinigung, der Zeitung «Le Nouvelliste».

Für Diskussionen sorgt auch ein Bericht der Zeitung «Le Matin Dimanche» über Buttets Verhalten im Bundeshaus. Gemäss «Matin Dimanche» betraf die letzte Woche im Westschweizer Radio von SVP-Nationalrätin Céline Amaudruz gemachte Äusserung, mit gewissen Leuten steige sie nicht mehr in den Lift, Buttet. Die Zeitung stützt sich auf Quellen, die beobachtet hätten, dass der Walliser am Fest nach der Bundesratswahl von Ignazio Cassis Céline Amaudruz bedrängt habe. Amaudruz habe das Fest daraufhin verlassen. Sicherheitsbeamte hätten den offenbar angetrunkenen Buttet am Ende zum Ausgang des Bundeshauses begleitet. Auf Anfrage dieser Zeitung, ihre Andeutungen zu präzisieren, hatte Amaudruz am Freitag mitgeteilt, sie habe ein «schwerwiegendes Problem» angesprochen, das thematisiert werden sollte. Doch Details gehörten in ihre Privatsphäre, sie ziehe es vor, diese Dinge privat anzugehen.

Zuspruch aus der Heimat

Im Wallis dürfte es Frauen noch schwerer fallen, sich öffentlich gegen Fälle sexueller Belästigung zu wehren. In der Walliser Facebook-Community wurde der Fall Buttet in den letzten Tagen eifrig diskutiert. Sein Stalking gegen eine Oberwalliser CVP-Politikerin und Ex-Geliebte wurde dabei banalisiert und die Anzeige der Frau ins Lächerliche gezogen. Männer mokierten sich, man dürfe Frauen nun nicht einmal mehr anschauen und Komplimente zu Frisuren oder Kleidern machen, ohne gleich der sexuellen Belästigung beschuldigt zu werden. Auch Walliserinnen sprachen Buttet öffentlich Mut zu. Sie erklärten die Attacken gegen ihn damit, dass ein Polittalent fertiggemacht werden solle.

Erstellt: 04.12.2017, 23:07 Uhr

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