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«Cavalli müsste mehr Zeit für die Politik haben»

SP-Politiker Franco Cavalli verabschiedete sich 2007 mit lauter Kritik an seiner Partei aus dem Bundeshaus. Nun will er dorthin zurück. Parteikollegen beurteilen seine Ständeratskandidatur skeptisch.

«Denkfaule Funktionärspartei»: Franco Cavalli kritisierte die SP bei seinem Rücktritt 2007 öffentlich.
«Denkfaule Funktionärspartei»: Franco Cavalli kritisierte die SP bei seinem Rücktritt 2007 öffentlich.
Keystone

Die Tessiner SP schickt einen altbekannten Politiker ins Rennen um den frei werdenden Ständeratssitz: Franco Cavalli, der 69-jährige Krebsforscher und Kubafreund, soll Dick Marty (FDP) im Bundeshaus ablösen.

Dieses hatte Cavalli vor vier Jahren mit lautem Getöse verlassen. Seiner Partei fuhr er damals heftig an den Karren, bezeichnete sie als «denkfaule Funktionärspartei», die bequem geworden sei. Der provokative Stil von Peter Bodenmann sei ihm lieber gewesen, sagte Cavalli, die Harmoniesucht und den Schmusekurs von Hans-Jürg Fehr lehne er ab. «Wir müssen uns innerhalb der Partei alle lieb haben», sagte Cavalli im Frühling 2007 dem «Tages-Anzeiger».

Attacken aus dem Hinterhalt

Damit lockte der Linksaussen-Politiker, der den sozialen Zerfall seit dem Mauerfall von 1989 beklagt, den ansonsten bedacht und zurückhaltend auftretenden SP-Präsidenten Fehr aus der Reserve: Cavallis Position wäre verträglich mit dem SP-Kurs, sagte Fehr, die Attacken aus dem Hinterhalt hingegen seien es nicht. Cavalli solle aufhören, seinen politischen und persönlichen Frust an der SP auszulassen. Fehr warf Cavalli ausserdem mangelnde Präsenz im Bundeshaus vor. Man habe kaum mehr einen Satz über seine Ansichten gehört, dafür die Anwürfe jeweils in der Presse lesen können.

Hans-Jürg Fehr trauerte dem Tessiner 2007 nicht nach. Was, wenn er im Herbst erneut Einzug hielte in der SP-Bundeshausfraktion? Hans-Jürg Fehr will sich nicht mehr zu den Auseinandersetzungen äussern. «Ich kommentiere die Kandidatur nicht. Die Tessiner werden ihre Gründe haben, warum sie ihn nominieren», sagt Fehr. Viel Auswahl hatten die Tessiner Genossen jedoch nicht: Der Gewerkschafter Saverio Lurati hatte intern mehr Stimmen bekommen als Cavalli, er zog seine Kandidatur aber zurück.

«Er hatte wenig Zeit»

Cavalli kritisierte auch seine Nachfolgerinnen an der Fraktionsspitze, die Nationalrätinnen Hildegard Fässler und Ursula Wyss. In einem Streitgespräch in der WOZ zwischen Cavalli und Wyss sagte er zum Thema Denkfaulheit: «Als ich Fraktionschef war, habe ich wenigstens viermal jährlich Intellektuelle eingeladen, die an den Fraktionssitzungen über die Entwicklung der Gesellschaft geredet haben.» Das hätten seine Nachfolgerinnen leider abgeschafft.

«Cavalli müsste mehr Zeit haben für die Politik», fasst Hildegard Fässler heute ihre Kritik zusammen. Sollte dies inzwischen der Fall sein, würde sie ihn gern wieder im Bundeshaus begrüssen. «Ich finde ihn einen guten Linken, er vertritt gute Positionen und hat viele Qualitäten.» Die Streitereien zwischen der SP und Cavalli kommentiert sie nicht weiter: «Das sind Interna, darüber rede ich nicht.» Ursula Wyss freut sich über jedes neue Fraktionsmitglied, wie sie sagt, «auch über ein kritisches». Die Auseinandersetzungen in der SP-Fraktion seien ohnehin lebendig, was auf sachlicher Ebene wünschbar sei.

«Nicht optimal, aber keine Katastrophe»

Ständerätin Anita Fetz, ebenfalls eine der Gemässigten in der SP, sagt: «Ich hätte keine Mühe, mit Franco Cavalli zusammenzuarbeiten. «In Forschungs- und Bildungsfragen war er ein total guter Bündnispartner.» In sozialen Fragen hingegen habe Cavalli eine absolutistische Haltung vertreten. Cavallis damaliger Rundumschlag gegen die SP war für Fetz «nicht optimal, aber auch keine Katastrophe».

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