Chat-Partnerin von Geri Müller schuldig gesprochen

Der Badener Stadtammann und N.W. tauschten vor zwei Jahren erotische Handy-Bilder aus. Jetzt hat die Berner Staatsanwaltschaft ein Urteil gefällt.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Fast zwei Jahre hat die Berner Staatsanwaltschaft gegen N.W. ermittelt, die ehemalige Chat-Partnerin des Badener Stadtammann Geri Müller. Jetzt hat sie ein Urteil gefällt und die Frau in allen Punkten schuldig gesprochen. Müller und N.W hatten während Wochen erotische Handy-Bilder ausgetauscht. Als der Politiker die Bekanntschaft beenden wollte, eskalierte die Situation. Die Frau trug die Geschichte in die Medien. Am 17. August 2014 machte sie die «Die Schweiz am Sonntag» publik.

Geri Müller erstattete gegen N.W. im September 2014 Strafanzeige. Darin beschwerte er sich, die Frau habe ihn genötigt, beschimpft und Tonbandaufnahmen von Gesprächen ohne seine Einwilligung gemacht.

Urteil: Versuchte Nötigung

Wie jetzt der Strafbefehl vom 29. Juni 2016 zeigt, wehrte sich der Stadtpräsident mit Recht. Die Berner Staatsanwaltschaft hält die Frau der versuchten Nötigung für schuldig, weil sie Müller jeweils in kurzen Abständen SMS geschickt und ihm gedroht habe - so schrieb sie neun Mal, sie bringe sich um. Wiederholt kündete sie an, sie werden ihn anzeigen, wegen Amtsmissbrauch und mehr.

Erwiesen ist für die Staatsanwaltschaft auch, dass sich N.W. gegenüber Drittpersonen wiederholt diffamierend und unwahr über Müller geäussert hatte. So bezeichnete sie den Stadtammann gegenüber dem Badener Juristen Joseph Bollag als Nazi, Terrorist, Diktator und Kriegsverbrecher. Sie befreie Baden von einem Irren. Er sei ein Monster.

Nahost-Konflikt in Baden

Bollag ist seit Jahren ein lokaler Kontrahent von Müller. Er ist Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde von Baden, Müller hat sich wiederholt für die Anliegen der Palästinenser eingesetzt. N.W. hatte in dieser Affäre intensiven Kontakt zu Bollag und bei ihm Rat geholt. Im Anschluss an den Skandal hatte die Sonntagszeitung Ende 2014 publik gemacht, dass Bollag der Frau mindestens 2000 Franken bezahlt hatte. Unter dem Code-Wort «die Katze» hatten sich der Jurist und N.W. in Chats über Zahlungen ausgetauscht.

Bildstrecke: Die Protagonisten der Affäre Geri Müller

Auch gegenüber dem stellvertretenden Chef-Redaktor der Weltwoche Philipp Gut, dem damaligen Blick-Chef René Lüchinger oder dem PR-Berater Sacha Wigdorowits, äusserte sie Unwahrheiten. So behauptete sie, Müller habe mehrere Straftaten begangen, darunter gar Offizialdelikte. Wigdorowits half N.W, die Geschichte in die Medien zu bringen.

Geri Müller beschimpft

N.W. hat laut Staatsanwaltschaft Geri Müller auch in seiner Ehre angegriffen, indem sie ihn beispielsweise als korrupten, perversen Nazi und Menschenhändler beschimpfte. Und als Hitler von Baden.

Als besonders belastend für die Chat-Partnerin beurteilte die Staatsanwaltschaft die Tatsache, dass sie Gespräche mit Geri Müller aufzeichnete - ohne Müllers Einwilligung. Die Aufnahme übergab die Frau später Wigdorowits, Lüchinger, Gut und Bollag.

Die Staatsanwaltschaft verurteilt die Frau zu einer bedingten Geldstrafe von 9000 Franken. Zudem muss sie eine Busse von 1800 Franken bezahlen oder 30 Tage ins Gefängnis gehen. Die eigentliche «Tatwaffe», ihr iPhone und die SIM-Karte, werden vernichtet. Die Frau muss Geri Müller zudem eine Entschädigung von 16292 Franken bezahlen und die Gerichtskosten von über 9000 Franken tragen. Gegen dieses Urteil kann sie Einspruch erheben.

Weitere Strafanzeigen noch hängig

Noch nicht entschieden ist die Strafanzeige gegen Bollag, Wigdorowits und Patrik Müller, Chefredaktor der Schweiz am Sonntag. Ihnen wirft Geri Müller vor, widerrechtlich Informationen aus den Tonaufzeichnungen verbreitet zu haben. Mit dem Schuldspruch gegen N.W. hat die Staatsanwaltschaft nun festgehalten, dass die Aufzeichnungen illegal waren.

Nächste Woche soll es zudem zu einem Entscheid des Presserates kommen. Das oberste Organ zur Beurteilung, ob sich Medien ethisch verhalten, wollte zuerst den Fall nicht beurteilen. Auf Druck einer 18-köpfigen Gruppe von National- und Ständeräten änderte das Gremium im Februar ihren Entscheid und kündigten eine Beurteilung der Berichterstattung in der Zeitung «Schweiz am Sonntag» an. Die Parlamentarier hatten kritisiert, die Privat- und Intimsphäre von Müller sei durch die Berichterstattung «in krasser Weise verletzt» worden.

Erstellt: 02.07.2016, 12:26 Uhr

Artikel zum Thema

Geri Müller – der einsame Stadtammann

Der Badener Stadtrat funktioniert zwar, aber versöhnt ist er nicht. Mehr...

Wie die Affäre Geri Müller ihren Anfang nahm

Die Chatpartnerin von Geri Müller versprach einem PR-Mann Material, das den Grünen «aus der Politik katapultieren» würde. Mehr...

Wer in der Affäre Geri Müller die Fäden zog

Am Wirbel um den Badener Stadtammann war eine Drittpartei beteiligt. Vertreten wurde sie durch den PR-Berater Sacha Wigdorovits. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Die Welt in Bildern

Essen auf Rädern: Eine Frau kauft sich ihr Abendessen bei einem Strassenhändler in Bangkok. (19. August 2019)
(Bild: Mladen Antonov) Mehr...