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Chodorkowski stellt Gesuch an Schweizer Behörden

Michail Chodorkowski reist zurzeit viel in der Welt herum. Nun hat er entschieden, in welchem Land er seinen Hauptwohnsitz plant.

Der russische Kreml-Kritiker und ehemalige Ölunternehmer Michail Chodorkowski will sich in der Schweiz niederlassen. Chodorkowski hat ein entsprechendes Gesuch eingereicht, wie seine in Zug ansässige Kommunikationsagentur gegenüber der Nachrichtenagentur sda sagte.

Wo er das Gesuch gestellt hat, wollte die Agentur nicht sagen. Das Verfahren sei im Gang. Man werde zu gegebener Zeit informieren, hiess es weiter. Zurzeit hält sich Chodorkowski, der frühere Chef des Ölkonzerns Yukos, in Kiew auf. Dort rief er gestern Russen und Ukrainer zum Einlenken im Krim-Konflikt auf.

Nie damit gerechnet, freizukommen

Chodorkowski war Anfang Januar in die Schweiz eingereist, wo seine beiden jüngsten Söhne zur Schule gehen. Kurz vor Weihnachten war er nach zehn Jahren Lagerhaft von Russlands Staatschef Wladimir Putin begnadigt worden.

Er habe nicht damit gerechnet, jemals freizukommen, sagte Chodorkowski Ende Januar in einem Interview mit der «SonntagsZeitung» und «Le Matin Dimanche». «Ich lebe nach dem Prinzip 'Nichts glauben, nichts fürchten, nichts fordern'. Das bewahrt einen vor Enttäuschungen».

Partner ebenfalls aus Haft entlassen

Wenige Wochen nach Chodorkowski wurde auch sein früherer Geschäftspartner Platon Lebedew aus der Haft entlassen. Die beiden Geschäftsleute waren 2003 festgenommen und später wegen Betrugs und Steuerhinterziehung verurteilt worden.

Die Opposition kritisierte die Urteile als politisch motiviert. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte bewertete die Prozesse als «unfair», sah aber keine klaren Beweise für politisch motivierte Verfahren.

Beobachter gehen davon aus, dass Putin versuchte, durch Haftentlassungen Kritiker im Vorfeld der Winter-Olympiade in Sotschi zu besänftigen. Nach seiner Haftentlassung reiste der Ölmagnat Chodorkowski nach Berlin aus. Dort ist seine Mutter in medizinischer Behandlung.

Blockade aufgehoben

Seither war er viel unterwegs, hielt sich jedoch auch immer wieder in der Schweiz auf. Unter anderem besuchte er kürzlich ein Konzert in der Tonhalle Zürich.

Ein Teil seines umfangreichen Vermögens soll sich ebenfalls in der Schweiz befinden. Im Rahmen eines Rechtshilfegesuchs aus Russland hatte die Bundesanwaltschaft 2004 ein Vermögen von 6,2 Milliarden Franken von Chodorkowskis Yukos-Konzern auf fünf Banken in der Schweiz eingefroren. Gegen diese Massnahme reichten Chodorkowski und seine Mitstreiter erfolgreich Beschwerde ein.

Das Bundesgericht entschied, das Einfrieren der Gelder verstosse gegen den Grundsatz der Verhältnismässigkeit: Es hob die Blockade auf. Der russische Antrag auf Rechtshilfe wurde vom Bundesgericht 2007 definitiv verweigert.

sda/AP/bru

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