Zum Hauptinhalt springen

Chronik einer schleichenden Entfremdung

Der erste EU-Botschafter verlässt die Schweiz. Michael Reiterer ist es gelungen, zum bekanntesten und wichtigsten ausländischen Diplomaten aufzusteigen. Das hat die Schweiz der EU aber nicht nähergebracht.

Bundesrätin Micheline Calmy-Rey wurde mit EU-Vertreter Michael Reiterer (M., mit Bart) nie richtig warm: Treffen mit den ausländischen Botschaftern auf dem Rütli 2008.
Bundesrätin Micheline Calmy-Rey wurde mit EU-Vertreter Michael Reiterer (M., mit Bart) nie richtig warm: Treffen mit den ausländischen Botschaftern auf dem Rütli 2008.
Keystone

Er kam als Freund, als vermeintlicher Schweizversteher. Jetzt, da der 57-jährige Michael Reiterer geht, sind viele froh über den Abgang des Statthalters von Brüssel. Es ist der Schlusspunkt einer schleichenden Entfremdung, das Ende eines grossen Missverständnisses. Noch vor ein paar Tagen durfte der scheidende EU-Botschafter von Schweizer Tierschützern ein weisses Plüschhäschen entgegennehmen. Hätte es doch nur öfter solche Momente gegeben. Es war noch einmal ein kleiner Höhepunkt zum Abschied. Reiterer erhielt das Häschen als Dank und Anerkennung. Schweizer Politiker hatten auch ein Exemplar bekommen, doch das war blutverschmiert. In der EU sind Tierversuche in der Kosmetikindustrie verboten, in der Schweiz nicht. Wenn das Häschen als Sinnbild gewertet werden kann, dann für die Bescheidenheit der Trophäe, die der EU-Diplomat nach seinem vierjährigen Aufenthalt in der Schweiz mit nach Brüssel nehmen kann.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.