CVP will obligatorische Elternabende

Gleichzeitig will die Mittepartei die Schule von den Eltern befreien – das sei aber kein Widerspruch.

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Das Verhältnis zwischen Schule und Eltern ist nicht immer frei von Konflikten. In diesem Spannungsfeld will die CVP die Eltern stärker in die Pflicht nehmen. Der Besuch von Elternabenden und Gesprächen mit Lehrpersonen müsse obligatorisch gemacht werden, fordert die Partei in ihrem Positionspapier zur Bildung, das sie am Dienstag den Medien vorstellte.

Um ihr Anliegen durchzusetzen, muss die CVP in den Kantonen aktiv werden. In einigen rennt sie offene Türen ein. So steht etwa im Volksschulgesetz des Kantons Zürich bereits, dass Elternveranstaltungen obligatorisch erklärt werden können. Das bernische Schulgesetz hingegen verpflichtet Eltern und Schule zwar zur Zusammenarbeit, sieht aber kein Obligatorium für Elternabende vor. Nehmen Eltern nicht an Veranstaltungen teil, müssten Lösungen im Einzelfall gefunden werden, schreibt die Erziehungsdirektion auf Anfrage.

«Eltern haben nicht nur Rechte»

Lehrerpräsident Beat Zemp stellt sich hinter die Forderung, dass man Elternanlässe obligatorisch erklären kann. Zunehmend gebe es Eltern, die sich nicht um die Schule kümmerten. Ein Obligatorium sei die Reaktion darauf, «denn Eltern haben nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten», sagt Zemp.

Die CVP will die Pflichten stärker einfordern: Es sei Aufgabe der Eltern, ihren Kindern Respekt, Toleranz und Teamfähigkeit beizubringen. Nationalrätin Andrea Gmür (LU) hat auch kein Verständnis, wenn Kinder beim Eintritt in den Kindergarten die hiesige Sprache nicht können, obwohl sie in der Schweiz geboren sind. Gmür leitet die CVP-Arbeitsgruppe Bildung und nennt als eine mögliche Massnahme, den Besuch bei der Elternberatung für alle Eltern obligatorisch zu machen. Die Berater könnten Defizite erkennen und auf Angebote wie etwa Sprachspielgruppen hinweisen.

Sie führt die CVP-Arbeitsgruppe Bildung: Andrea Gmür (LU). Foto: Lukas Lehmann (Keystone)

Vor den Medien machte Gmür aber auch klar: Die Schule müsse sich von den Eltern befreien. Die Schule brauche mehr Autonomie, und Schulleitungen müssten die Lehrer stärken, wenn Eltern etwa im Streit um bessere Noten mit dem Gericht drohten.

Dass die CVP einerseits die Eltern in die Pflicht nehmen und andererseits die Schule von den Eltern befreien will, ist für Lehrerpräsident Zemp kein Widerspruch, sondern «trifft die Situation recht gut». Es gebe beides: sowohl jene Eltern, die sich gar nicht kümmerten, als auch jene, die dauernd mit rechtlichen Schritten drohten. Beide Gruppen seien klar in der Minderheit, betont er. Aber wenn es in einer Klasse ein solches Elternpaar gebe, so sei das für die Lehrperson belastend.

Die CVP warnt ausserdem davor, die Bildung zu verpolitisieren. Nicht nur Eltern, auch die Politik tendiere nämlich dazu, sich zu stark einzumischen.

In ihrem Positionspapier zum Thema Bildung warnt die CVP ausserdem davor, die Bildung zu verpolitisieren. Nicht nur Eltern, auch die Politik tendiere nämlich dazu, sich zu stark einzumischen, sagte Parteipräsident Gerhard Pfister. Ihm persönlich gehe es zu weit, wenn die Politik über Anzahl Lektionen befinde oder man darüber abstimme, wann Dialekt oder Hochdeutsch gesprochen werden müsse. Lehrpersonen benötigten Methodenfreiheit, und der Schule stehe im operativen Bereich mehr Autonomie zu, hält die CVP fest.

Weiter befürwortet die Partei in ihrem Positionspapier unter anderem Angebote zur Frühförderung. Die integrative Förderung hingegen sei kritisch zu hinterfragen: Für Kinder, die auf engere Unterstützung angewiesen seien, müssten weiterhin Spezialklassen geführt werden.

Erstellt: 23.01.2018, 16:48 Uhr

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