«Wir müssen wissen, was Buttet wirklich gemacht hat»

Die CVP reagiert auf die neuen Vorwürfe gegen den Walliser Nationalrat. Mehrere Kollegen fordern seinen Rücktritt.

Offiziell krankgeschrieben: Nationalrat Yannick Buttet unterzieht sich einem Alkoholentzug.

Offiziell krankgeschrieben: Nationalrat Yannick Buttet unterzieht sich einem Alkoholentzug. Bild: Peter Schneider/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die anonymen Vorwürfe gegen CVP-Nationalrat Yannick Buttet werden immer drastischer. Gestern schilderten sechs Betroffene – darunter vier Nationalrätinnen – in «Le Temps» und «Le Nouvelliste» anonym, wie sie von Yannick Buttet bedrängt worden seien. Einer Politikerin hob er laut Schilderung den Rock, wobei er versucht haben soll, sie zu berühren. Eine Parlamentarierin berichtet, dass Buttet «wild und obszön» getanzt habe, «er kam mir mehrmals von hinten entgegen, umarmte mich, versuchte, mich am Hals zu küssen, und berührte mich überall».

Vor den Wahlen 2015 soll sich Buttet in einer Berner Diskothek noch unangemessener verhalten haben: «Er rieb sein erigiertes Glied an mir. Zweimal», sagt eine weitere Politikerin. Und eine andere Parlamentarierin berichtet, wie Buttet sie Ende 2016 und am Abend der Bundesratswahl im September 2017 angegangen und seine Hände auf ihren Po gelegt habe. Alle diese Aussagen beschreiben Übergriffe, die den Strafbestand der sexuellen Belästigung erfüllen.

«Ich habe das als einmaligen Vorfall abgetan»

Nach diesen neuen Vorwürfen verlangen einflussreiche CVP-Parlamentarier, dass sich die bedrängten Frauen zu ihren Anschuldigungen bekennen. Gleichzeitig will man in der CVP den unter Stalking- und Nötigungsverdacht stehenden Walliser zum freiwilligen Rücktritt bewegen. Denn Buttet wird eine immer grössere Hypothek für die Partei. Der CVP sind aber die Hände gebunden, weil der offiziell krankgeschriebene Buttet sich der Partei entzieht.

Gegenüber der SonntagZeitung berichtet nun auch erstmals ein Parlamentarier, dass er nicht nur vom Hörensagen von solchen Übergriffen wisse, sondern selbst dabei gewesen sei: «Buttet hat eine Frau dermassen bedrängt, dass ich dazwischengehen musste», erzählt er. Weil Buttet dabei sehr betrunken war und er ihn sonst nie so erlebt hatte, habe er das als einmaligen Vorfall abgetan. «Heute sehe ich das anders», sagt der Politiker, der sich anonym äussert, weil er die bedrängte Frau schützen will.

Bedrängte Frauen sollen sich bei der Partei melden

Die Männer, die bei diesen Vorfällen dazwischengingen, könnten die Schilderungen der Politikerinnen bestätigen – falls diese an die Öffentlichkeit gingen. Darum fordert eine prominente CVP-Frau nun: «Wir müssen wissen, was Buttet wirklich gemacht hat. Wenn die bedrängten Frauen sich bei unserer Partei melden, lassen sich die Anschuldigungen überprüfen.» Sonst bestehe weiter der Eindruck, dass die CVP Buttet schütze.

Offiziell erhebt die Partei keine Forderungen. Man fürchtet, das käme einer Vorverurteilung gleich. Immerhin sagt inzwischen auch Parteipräsident Gerhard Pfister, dass er klare Informationen wolle: «Es ist ein Problem, dass wir die anonym vorgebrachten Anschuldigungen selbst nicht vorliegen haben.»


Video – Pfister über die Buttet-Affäre

«Das ist inakzeptabel»: Kurz nach dem Bekanntwerden der Stalkingvorwürfe äusserte sich der CVP-Präsident schon einmal. (Video: Tamedia)


Zahlreiche Parteimitglieder in der nationalen sowie in der Walliser CVP hoffen deshalb, Buttet möge einsehen, dass er nicht mehr glaubwürdig im Nationalrat politisieren kann. Er solle sich aus der nationalen Politik zurückziehen, meinen sie. So könnte er sein Gemeinderatsamt im Wallis behalten. Wenn es aber so weit komme, dass ihn eine weitere Betroffene anzeige, seien die Folgen für Buttet, aber auch für die CVP viel schwerwiegender.

Die Walliser Staatsanwaltschaft hat bereits ein Strafverfahren gegen Buttet wegen des Verdachts auf Nötigung eröffnet, schreibt die «NZZ am Sonntag». Seine Ex-Geliebte hat ihn angezeigt. Im Falle einer Verurteilung drohen dem Politiker eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.

Erstellt: 17.12.2017, 10:02 Uhr

Artikel zum Thema

Schockierend normal

Kommentar CVP-Nationalrat Buttet entschuldigt sein Stalking-Verhalten mit Eheproblemen, dabei zeigt sein übergriffiges Verhalten ein allzu bekanntes Muster. Mehr...

Ausgerechnet der Saubermann

Der Walliser CVP-Shootingstar Yannick Buttet markiert in Bern den konservativen Wertepolitiker. Jetzt wird bekannt, dass er Frauen stalkte und bedrängte. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Blogs

Mamablog Schuleintritt – das Tor zum Glück?

Sweet Home Wie Räume wärmer werden

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Eine fast aussterbende Tradition: Tänzer führen den Thengul-Tanz während der 74. Indonesischen Unabhängigkeitsfeier im Präsidentenpalast in Jakarta, Indonesien vor. (17. August 2019)
(Bild: Antara Foto/Wahyu Putro) Mehr...