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«Da verkommt der Moralismus zu Heuchelei»

Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger kritisiert die öffentliche Diskussion in der Causa Hildebrand. Nicht Recht und Moral hätten im Zentrum gestanden, sondern einzig Rachsucht.

«Menschen machen Fehler»: Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger.
«Menschen machen Fehler»: Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger.
Keystone

Wer in der Öffentlichkeit stehe, gerate mitunter in eine eigentliche Inquisition, kommentiert Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger die Cause Hildebrand gegenüber der «Aargauer Zeitung» (Artikel online nicht verfügbar). Die letzten Wochen hätten gezeigt, dass es fast nicht mehr ohne Zorn und Eifer möglich sei, darüber zu diskutieren, was öffentliche Exponenten dürfen und was nicht.

Der Fall um den zurückgetretenen Chef der Schweizerischen Nationalbank habe offengelegt, dass an Menschen im Rampenlicht ungleich höhere Anforderungen gestellt werden als an andere, so Leuenberger weiter. Er habe den starken Eindruck, dass es bei der Diskussion um Philipp Hildebrand gar nicht wirklich um Recht und Moral ging, sondern allein um Rachsucht und Kopfjägerei: «Da verkommt der Moralismus mitunter zu Heuchelei.»

Fehler sind menschlich

Dass Hildebrand daran festhält, dass kein Recht verletzt wurde, ist für den Alt-Bundesrat nicht von Bedeutung: «Selbst wenn Recht verletzt wird, muss nicht immer gleich rigoros durchgegriffen werden, mit Rücktritt usw. Eine Ermahnung könnte genügen.» Dies wäre auch im Fall Hildebrand denkbar gewesen.

Er selber habe als Bundesrat einmal keinen Fünfziger in die Parksäule eingeworfen. Dies sei auch rechtswidrig gewesen. Es habe damals ein riesiges öffentliches «Juhee» gegeben und schnell hätten die ersten seinen Rücktritt gefordert. Die Menschen würden viel zu schnell vergessen, dass Fehler nun einmal passieren: «Wer Fehler nicht will, will die Menschen nicht.»

«Wie wäre ich da vorgegangen?»

Was den aktuellen Fall der Nationalbank betrifft, will Moritz Leuenberger aber nicht die Rolle des «Besserwissers» spielen. Die Erschütterungen um die SNB seien tatsächlich der erste Fall gewesen, den er vollkommen von aussen beobachten konnte, meint Leuenberger gegenüber der AZ. «Natürlich dachte ich oft: Wie wäre ich da vorgegangen?» Doch es liege ihm fern, zu belehren, was man hätte besser machen können.

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