Damit der Lotse nicht von Bord geht

Der Bund muss im Kampf um die Just Culture Farbe bekennen und seine Verantwortungfür die Luftfahrt und ihre Sicherheit wahrnehmen.

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Die Verurteilung eines Fluglotsen durch das Bundesgericht lässt zwei Systeme aufeinanderprallen: die Luftfahrt und die Justiz. Nirgendwo sonst in Europa ist dies der Fall. Deshalb ist es unabdingbar, dass der Bund endlich reagiert.

Die Fronten zwischen den Aviatikern und den Gesetzesvertretern sind verhärtet: 2014 haben die Strafverfolger erstmals einen Lotsen vor Gericht gestellt, obschon niemand zu Schaden gekommen ist – inzwischen sind es drei. Seit Donnerstag liegt nun das erste, richtungsweisende Urteil des Bundesgerichts vor. Doch seit fünf Jahren fürchten die Aviatiker bereits um ihre Just Culture, wonach Beteiligte Vorfälle straffrei melden können – sofern diese nicht grob fahrlässig oder vorsätzlich geschehen. Sie sehen die Entwicklungsfähigkeit ihres Systems von den Juristen torpediert.

Es ist stossend, dass der Bund bisher nicht eingegriffen hat.

Tatsächlich handeln auch diese nur nach dem Gesetz und verfolgen ironischerweise dasselbe Ziel wie Aviatiker mit der Just Culture: die Erhöhung der Sicherheit. Sie wollen das durch die präventive Wirkung von Sanktionen erreichen. Diese beiden Systeme sind jedoch nicht kompatibel. Deshalb braucht es Regeln, die gewährleisten, dass das aviatische Sicherheitsnetz auch künftig laufend robuster wird.

Es ist stossend, dass der Bund bisher nicht eingegriffen hat. Die Luftfahrt – und damit ihre Sicherheit – liegt in seiner Verantwortung. Bereits seit einem Jahr ist er durch einen Brief an die Verkehrs- und die Justizministerin gewarnt. In diesem unterstreichen der europäische Piloten- und der internationale Lotsenverband ihre Sorge um die Just Culture in der Schweiz.

Höchste Zeit, dass der Bund handelt, denn der boomende Flugverkehr stellt das Sicherheitssystem immer mehr auf die Probe. Kann sich dieses nicht konstant weiterentwickeln, geraten früher oder später Menschen in Gefahr.



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Erstellt: 06.07.2019, 22:58 Uhr

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