Daniele Ganser blitzt mit Beschwerde gegen «Arena» ab

Die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen hält eine Sendung mit dem medienkritischen Historiker für journalistisch unzulänglich, aber insgesamt sachgerecht.

Schlagabtausch zwischen Moderator und Gast: Ab Minute 17 wird Daniele Ganser von Jonas Projer mit Tweet und E-Mail konfrontiert. Video: SRF / «Arena»


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Eines steht fest: Die «Arena» vom 24. Februar mit dem Historiker und Buchautor Daniele Ganser eskalierte. In der Diskussionssendung des Schweizer Radios und Fernsehens (SRF) versuchte Moderator Jonas Projer, seinem Gast einen Widerspruch nachzuweisen, indem er ihm einen Tweet und einen Ausschnitt aus einem E-Mail vorhielt. Dessen Protest, seine Aussage sei verkürzt wiedergegeben, wollte Projer aber nicht diskutieren. Stattdessen wandte er sich direkt ans Publikum und sagte: «Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, Daniele Ganser erzählt etwas, das nicht korrekt ist.»

Die Episode liess die Zuschauer eher ratlos zurück – und zog einen Protest ungekannten Ausmasses nach sich. Rund 500 Personen wandten sich an den Ombudsmann der SRG, der den – teilweise orchestrierten – Beanstandungen in mehreren Punkten recht gab. Ganser selber und eine Handvoll Zuschauer gaben sich damit aber nicht zufrieden und erhoben Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI). Heute Freitag hat sie die Beschwerde nun abgewiesen.

Sendung genügt den journalistischen Standards nicht

In der mündlichen Entscheidberatung liessen die UBI-Mitglieder keinen Zweifel daran, dass die Sendung mit dem Titel «Trumps Krieg gegen die Medien» den journalistischen Standards nicht genügte. Zusammengefasst bemängelten sie, dass Moderator Projer aus der Rolle des neutralen Moderators in jene eines SRF-Vertreters fiel. Ausserdem hielt eine Mehrheit des Gremiums die Verwendung des E-Mails, das Ganser im Anschluss an eine Sendung des Wissenschaftsmagazins «Einstein» dem verantwortlichen Redaktor gesendet hatte, für unzulässig.

Vier UBI-Mitglieder sahen einen Verstoss, vier nicht. Der Vizepräsident wies per Stichentscheid die Beschwerde ab.

Zu beantworten hatte die aus Juristen zusammengesetzte UBI letztlich aber, ob die Sendung nicht nur journalistisch mangelhaft war, sondern auch gegen das Radio- und Fernsehgesetz verstiess. Gemäss diesem müssen informative SRF-Sendungen Fakten und Ereignisse sachgerecht darstellen, sodass sich das Publikum eine eigene Meinung bilden kann.

Hier war sich die UBI aber uneinig: Während vier ihrer Mitglieder einen Verstoss gegen das Sachgerechtigkeitsgebot erkannten, hielten vier weitere die Sendung trotz ihrer Unzulänglichkeiten für insgesamt sachgerecht. Letztere stellten insbesondere darauf ab, dass die Diskussion um Ganser nur einen untergeordneten Teil der Sendezeit einnahm, und dass die an Ganser geäusserte Kritik transparent war, womit sich das Publikum habe eine eigene Meinung bilden können.

Da UBI-Präsident Vincent Augustin selber als Gast an der «Arena» teilgenommen hatte und deshalb in den Ausstand getreten war, gab der Stichentscheid der Vizepräsidentin den Ausschlag für die Abweisung der Beschwerde. Für die fünf beschwerdeführenden Zuschauer ist das Verfahren damit nun beendet; Ganser selber kann als Betroffener den Entscheid noch ans Bundesgericht weiterziehen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.11.2017, 14:46 Uhr

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