Dann sag doch gleich «Neger»

Der Kampf um die erleichterte Einbürgerung ist rassistisch.

«Dann sind es dann die Afrikaner»: SVP-Präsident Albert Rösti. Foto: Adrian Moser

«Dann sind es dann die Afrikaner»: SVP-Präsident Albert Rösti. Foto: Adrian Moser

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SVP-Präsident Albert Rösti machte gar nicht erst den Versuch, subtil zu sein. Es treffe zwar zu, dass heute vor allem Italiener die Voraussetzungen für eine erleichterte Einbürgerung erfüllen würden, sagte Rösti bei der Medienkonferenz zur Abstimmung vom 12. Februar. Aber das Gesetz gebe es auch noch in zwanzig Jahren. «Dann sind es dann die Afrikaner.»

Oh Schreck. Der Neger. Der Mensch aus dem Urwald. Der böse schwarze Mann. DER AFRIKANER!

Ja, das war rassistisch. Es geht ja auch um eine Ausländervorlage, und bei solchen hat die SVP in den vergangenen Jahren eine besondere Gabe entwickelt, die Grenze des Sagbaren (und oft auch Tolerierten) nach aussen zu verschieben.

Im aktuellen Fall reagiert die Gegenseite auf den SVP-Rassismus mit dem Rassismus der vermeintlich Offenen. Das Argument von Gruppen wie Operation Libero, dass beinahe ausschliesslich Italiener von der erleichterten Einbürgerung profitieren würden, ist mindestens so rassistisch wie Röstis Afrikaner. Oder wo ist der Unterschied zum SVP-Präsidenten, wenn man die Abstimmung mit der Suggestion gewinnen will, dass nicht die gefährlichen Araber, sondern nur die guten Italiener eingebürgert werden?

Lange Tradition

Die Kategorisierung von guten und schlechten Ausländern hat in der Schweiz lange Tradition. In den 50er-Jahren waren die verfolgten Ungarn die Netten und die Italiener jene gefährliche Rasse, die den Schweizern Arbeit und Frauen raubten. Bis heute unterscheidet die Politik zwischen gewünschter und unerwünschter Migration. Wohlstandsmehrenden und wohlstandszersetzenden Ausländern. Um die erste Gruppe baut die Schweiz ihr Steuersystem, denn für gute Ausländer machen wir alles. Eine Niederlassungsbewilligung ohne Deutschkenntnisse? 20 Millionen Vermögen genügen. Bei der zweiten Gruppe ist man nicht ganz so nachsichtig. Da fordern bürgerliche Politiker nicht Steuererleichterungen, sondern Stacheldraht.

Darum bleibt dem Afrikaner wohl nichts anderes übrig, als in den nächsten zwanzig Jahren in Immobilien zu investieren oder eine Briefkastenfirma am Zugersee zu eröffnen. Dann klappt es auch mit der Einbürgerung.

Erstellt: 19.01.2017, 19:44 Uhr

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