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«Dann sind wir eine Volksdemokratie nach kommunistischem Stil»

Für SVP-Präsident Toni Brunner ist die Entlassung von Christoph Mörgeli «inakzeptabel». Nationalrat Oskar Freysinger sorgt sich um die Meinungsfreiheit in der Schweiz.

«Wenn man nicht mehr politisieren und sich frei äussern kann in einem sogenannt demokratischen Staat, dann müssen wir unser System anders benennen»: SVP-Nationalrat Oskar Freysinger. (Archivbild September 2011)
«Wenn man nicht mehr politisieren und sich frei äussern kann in einem sogenannt demokratischen Staat, dann müssen wir unser System anders benennen»: SVP-Nationalrat Oskar Freysinger. (Archivbild September 2011)
Keystone
«Mörgeli wurde diskreditiert»: SVP-Präsident Toni Brunner.
«Mörgeli wurde diskreditiert»: SVP-Präsident Toni Brunner.
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Die Entlassung von SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli an der Universität Zürich wird von seiner Partei heftig kritisiert. «Die Art und Weise wie diese Entlassung unter Umgehung aller arbeitsrechtlichen Grundsätze vor sich ging, ist inakzeptabel», schreibt die SVP Schweiz heute auf ihrer Homepage. Offenbar wolle man so einen politisch unliebsamen Mitarbeiter abservieren, der seine Aufgabe über Jahre ohne Fehl und Tadel erfüllte, führt sie aus.

Christoph Mörgeli sei «öffentlich vorgeführt» worden, sagt SVP-Präsident Toni Brunner als Reaktion auf die Freistellung. Das sei «skandalös» und «inakzeptabel». «Das wäre in keinem anderen Arbeitsverhältnis tolerierbar gewesen.» Mörgeli sei via Indiskretionen diskreditiert worden, habe sich aber nicht dagegen zur Wehr setzen dürfen. «Dies lässt den Schluss zu, dass es sich bei der Entlassung um eine politisch motivierte Abrechnung handelt», sagte Brunner gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.

«Wir verurteilen dieses Polit-Mobbing»

Offensichtlich habe man eine «missliebige Partei» treffen wollen. Gleichzeitig hätten die Verantwortlichen ein Signal ausgesendet, wer in öffentlichen Einrichtungen überhaupt noch als willkommen gelte und wer nicht. Der Parteipräsident fordert deshalb eine konsequente Aufarbeitung dieses «staatspolitisch höchst bedenklichen» Falles. «Die SVP wird sich mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln gegen diese Vorgänge wehren», schreibt die Partei auf ihrer Homepage weiter.

Auch die SVP des Kantons Zürichs hat sich nach der Pressekonferenz zu Wort gemeldet: «Wir verurteilen dieses Polit-Mobbing, welches dem Ansehen der Universität Zürich schweren Schaden zufügt», schreibt sie in ihrer Pressemitteilung. Mörgeli habe sich gegen die massiven Vorwürfe zur Wehr setzen müssen, nachdem der geheime Bericht veröffentlicht wurde. «Einem Mitarbeiter, welcher sich gegen öffentlich erhobene Abschuldigungen wehrt, eine Loyalitätsverletzung vorzuwerfen, ist absurd und unfair», führt sie aus.

«Eine Demokratie muss auch mit kritischen Menschen umgehen können»

Nationalrat Oskar Freysinger sagte heute Nachmittag gegenüber Redaktion Tamedia, er sei bestürzt über die Ereignisse. «Wenn das so weitergeht, dann wird die Qualität in der Schweiz bald sinken. Eine funktionierende Demokratie muss auch mit kritischen Menschen wie Christoph Mörgeli umgehen können, ohne dass sie in ihrem Berufsleben fertig gemacht werden», kritisiert der Gymnasiallehrer und Politiker.

«Wenn man nicht mehr politisieren und sich frei äussern kann in einem sogenannt demokratischen Staat, dann müssen wir unser System anders benennen: Dann sind wir eine Volksdemokratie nach kommunistischem Stil», kritisiert er das Vorgehen der Univeristät Zürich. Ihn erinnere das Vorgehen an die Zeiten der DDR, während denen unliebsame Mitarbeiter, die nicht in den richtigen Bahnen dachten und Kritik äusserten, ebenfalls entlassen wurden.

Mit Material von sda/bru/heb

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