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Das Abc des Wohlstands

Im Zeitalter der Digitalisierung blicken manche mit Sorge in die Zukunft. Es gibt jedoch gute Gründe für Zuversicht.

Chancen, die die Digitalisierung bietet: Ein ETH-Wissenschaftler testet eine autonome Drohne. Foto: Gaetan Bally (Keystone)
Chancen, die die Digitalisierung bietet: Ein ETH-Wissenschaftler testet eine autonome Drohne. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

Was braucht es, damit wir auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten eine hohe Lebensqualität geniessen können? Ich konzentriere mich hier auf drei wesentliche Voraussetzungen: auf Arbeit, Bildung und Courage, kurz: auf das Abc des Wohlstands.

A wie Arbeit: Ohne Arbeit, man könnte auch sagen, ohne Fleiss, geht es nicht. Die Schweiz hat sich in der Vergangenheit durch Arbeitsethos und Leistungsbereitschaft ausgezeichnet. Wir müssen diese Qualitäten unbedingt beibehalten, wir dürfen es uns nicht zu gemütlich einrichten, denn im digitalen Wandel werden die Karten neu gemischt. Wer nicht aufpasst und sich nicht anstrengt, wird schnell einmal überholt. In Asien streben Millionen von leistungswilligen Menschen nach ökonomischem und sozialem Aufstieg. Die Schweiz ist keine Insel der Glückseligen, sondern Teil eines globalen Wettbewerbs.

Digitalisierung und Vernetzung

B wie Bildung: Es kommt wenig überraschend, wenn der Präsident einer technischen Hochschule das Hohelied der Bildung singt. Aber ich mache es nicht als Interessenvertreter, sondern weil ich im Innersten überzeugt bin, dass die Bildung in unseren Wissensgesellschaften der Schlüssel für Fortschritt und Wohlstand ist.

Wir haben ein gut geöltes duales Bildungssystem, starke Fachhochschulen und Universitäten. Die Ausgangslage ist somit auch hier gut. Aber auch wir aus dem Bildungssektor sind gefordert. Einfach weitermachen wie bis anhin, reicht nicht. Die Umwälzungen in der Arbeitswelt, welche sich mit der Digitalisierung und Vernetzung abzeichnen, zwingen uns, unser Aus- und Weiterbildungsangebot zu überdenken. Welche Qualifikationen müssen unsere Jungen in 10 und 20 Jahren haben, um sich angesichts der Fortschritte in künstlicher Intelligenz und Robotik auf dem Arbeitsmarkt zu qualifizieren?

Vor diesem Hintergrund haben wir an der ETH vor ein paar Jahren eine Initiative gestartet, um einerseits kritisch-kreatives Denken und verantwortungsvoll-unternehmerisches Handeln zu fördern. Wir ermuntern unsere Studierenden, selber zu experimentieren. Als direkte Antwort auf die wissenschaftlichen und technischen Fortschritte lancieren wir zudem zwei neue Angebote – ein Masterstudium in Datenwissenschaft und ein Bachelorstudium in Medizin. Wenn wir uns vergegenwärtigen, wie stark auch die Medizin inzwischen durch Technik geprägt wird, ist es höchste Zeit, dass dies in der Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten berücksichtigt wird.

Bleibt noch C wie Courage: Wir sollten couragierter oder mutiger werden. Wir brauchen diesen Mut dringend, damit mehr junge Leute den Schritt in die Selbstständigkeit wagen und wir zu einer Start-up-Nation werden. Dies ist deshalb wichtig, weil junge Unternehmen in Zeiten des schnellen Wandels für die nötige technologische Blutauffrischung sorgen. Und es wäre wünschenswert, wenn einige der Apple und Google von morgen aus der Schweiz kämen.

Das «Analoge» pflegen

Arbeit, Bildung und Courage: Selbstverständlich braucht es noch mehr, damit wir als innovatives Land erfolgreich bleiben. Aber die genannten Voraussetzungen haben eine Gemeinsamkeit: Jeder und jede von uns kann dazu einen konkreten Beitrag leisten. Digitale Technologien, richtig eingesetzt, eröffnen uns riesige Chancen, um bessere Produkte zu entwickeln, um effizienter zu werden, um uns mühsamer und repetitiver Arbeit zu entledigen, und vor allem enthalten sie den Keim für Neues, das wir uns heute noch gar nicht vorstellen können.

Sind digitale Technologien in Zukunft in der Lage, den Menschen zu ersetzen? Ich gehöre zu jenen, die dieses Szenario für unwahrscheinlich halten, denn Maschinen besitzen per se weder menschliche Kreativität noch einen Willen, Intuition, Gefühle, Empathie oder Bewusstsein.

Diese «analogen» Qualitäten gilt es zu pflegen und weiterhin zu praktizieren. Im direkten Gespräch mit dem Nachbarn, mit der Arbeitskollegin oder im Kreise einer Festgemeinde, wie sie sich überall zum Geburtstag der Willensnation Schweiz versammelt haben.

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