Das Asylheim auf dem Sondermüll
Der Bund will auf einer ehemaligen Chemiemülldeponie im Baselbiet das grösste Flüchtlingszentrum der Schweiz betreiben. Dabei ist nicht klar, ob vom Gift im Boden noch eine Gefahr ausgeht.

Idyllisch ist an diesem Ort nur der Name. Feldreben heisst das Gebiet in Muttenz, das zwischen Bahngleisen und Gewerbebauten liegt. Früher schüttete hier die Basler Chemie unkontrolliert ihre Abfälle in eine Grube, die Fässer nahm man jeweils wieder mit. Zwischen 15 000 und 25 000 Tonnen Chemiemüll lagern im Boden. Bis 1967 diente das Gelände als Deponie für Bauschutt und Hauskehricht. Danach wurde das Gelände planiert, Transportfirmen zogen Bauten hoch. Lange Zeit sprach man kaum mehr über das, was unter dem Beton lag. Die Firmen sind inzwischen verschwunden, das Areal liegt brach. Denn eigentlich sollte die Deponie längst saniert werden – eigentlich.
Nun geschieht erst einmal etwas anderes. Diesen Frühling will der Bund in den Feldreben ein neues, temporäres Asylzentrum in Betrieb nehmen – das grösste des Landes. Bis zu 900 Flüchtlinge wollen die Behörden hier unterbringen, während sie registriert werden. Schlafen sollen die Flüchtlinge in Holz- oder Gipshäuschen im Inneren einer Halle, die einst ein Lastwagenterminal war. Der Eigentümer des Grundstücks, der Kanton Baselland, ist bereits daran, das Gebäude umzubauen. Dabei legte er sich ziemlich früh darauf fest, dass die Abfälle im Boden kein Problem seien. Von der Deponie gehe «keinerlei Gefährdung» aus, sagte ein Kantonsvertreter der «Basellandschaftlichen Zeitung», nachdem die Pläne für das Zentrum im Dezember bekannt wurden. Sowohl die Luft wie auch das Abwasser seien unbedenklich – das habe man gemessen.

