Das ändert der Renten-Kompromiss

Spitzenverdiener sollen mehr bezahlen – und was die Reform der beruflichen Vorsorge sonst noch bedeutet.

Für alle, die bereits Rente beziehen, ändert sich nichts. Für manche andere schon. Archivbild: Martial Trezzini (Keystone)

Für alle, die bereits Rente beziehen, ändert sich nichts. Für manche andere schon. Archivbild: Martial Trezzini (Keystone)

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Der Reformvorschlag von Arbeitgeberverband und den Arbeitnehmerorganisationen Travailsuisse und Gewerkschaftsbund hätte für die Versicherten in der beruflichen Vorsorge unterschiedliche Konsequenzen. Die Übersicht zeigt, welche Folgen die vorgestellte Kompromisslösung in verschiedenen Lebenssituationen haben dürfte.

Teilzeitangestellte profitieren am meisten
Wer heute Teilzeit arbeitet oder mit tiefem Lohn auskommen muss, wird mit dem Reformmodell von Arbeitgeberverband und Gewerkschaften später eine höhere Rente erhalten als im heutigen System. Denn einerseits führt die Halbierung des Koordinationsabzugs dazu, dass Leute mit niedrigem Lohn mehr Alterskapital ansparen können und entsprechend mehr Arbeitgeberbeiträge erhalten. Und andererseits fällt der Rentenzuschlag bei einem tiefen Einkommen stärker ins Gewicht. Wie hoch der Rentenzuschlag 16 Jahre nach Umsetzung der Reform sein wird, ist aber noch offen.

Spitzenverdiener helfen, Rentenausgleich zu finanzieren
Wer viel Geld verdient, hilft mit, die Reform zu finanzieren. Das Modell von Arbeitgeberverband und Gewerkschaften sieht also eine Umverteilung von höheren zu tieferen Einkommen vor. Der Grund dafür sind die zusätzlichen 0,5 Prozent, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf dem AHV-pflichtigen Lohn bezahlen sollen. Bei einem hohen Lohn fliesst so eine grössere Summe zum Sicherheitsfonds, der mit diesem Geld die Rentenzuschläge bezahlt.

Wenig Änderungen bei mittleren Einkommen
Gemäss den Berechnungen von Arbeitgeberverband und Gewerkschaften profitieren Einkommen von unter 60'000 Franken deutlich, während bei Einkommen ab ungefähr 100'000 Franken die Belastung aufgrund der zusätzlichen 0,5 Lohnprozente tendenziell ansteigt. Für Angestellte, deren Einkommen dazwischen liegt, dürfte sich gemäss den Modellrechnungen gegenüber heute wenig ändern. Doch in dieser Berechnung gibt es mehrere unklare Grössen: So ist offen, wie sich beispielsweise die Kapitalrenditen entwickeln werden oder wie weit die jüngeren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nach der Pensionierung von einem Rentenzuschlag profitieren werden.

Höherer Lohnabzug für junge Angestellte
Für die jüngeren Arbeitnehmer ab 25 Jahren wird gemäss diesem Reformvorschlag die Altersgutschrift von 7 auf 9 Prozent moderat erhöht. An diesem Beitrag zum Vorsorgekapital beteiligen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Durch den höheren Abzug bleibt einerseits etwas weniger Lohn übrig, andererseits wird damit rascher Vorsorgekapital angespart.

Ältere Angestellte erhalten einen Ausgleich
Die Altersgutschriften, mit denen das Sparguthaben geäufnet wird, sinken für ältere Angestellte von 18 auf 14 Prozent. Das führt dazu, dass bei der Pensionierung weniger Vorsorgekapital vorhanden ist. Abgestufte Zuschläge von monatlich 100 bis 200 Franken sollen hier Renteneinbussen verhindern. Laut Arbeitgeberverband hat das Bundesamt für Sozialversicherungen bestätigt, dass diese Rechnung aufgeht.

Rentner bleiben bei bisherigen Leistungen
Für jene Personen, die bereits Rente beziehen, ändert sich mit der Reform finanziell nichts.

Erstellt: 02.07.2019, 22:43 Uhr

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